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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Biestow

Jonah-Andachten

Jonah-Andachten bis 30.5.2020 siehe unten

...oder zum Andachten-Download hier.


(„Jona Psalm“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 30.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied: Gundermann „Engel über dem Revier“

Er war mein Seil über den schwarzen Fluß

Der Fluß war so breit ich fuhr mehr als 20 Jahr

Jetzt da ich frei an das andere Ufer springen muß

Merke ich wie gut sein Feuerschutz war

Jedes mal wenn die eiserne Hand mich holte

Hat er mich noch aus den Rädern gezerrt

Er hielt dem Ochsen der mich rammen wollte

Ein rotes Tuch knapp neben mein Herz

Da fliegt ein Engel durch den rauchigen Himmel über dem Revier

Er hat jetzt fast ein halbes Leben auf mich aufgepasst

Jetzt trennt er sich von mir

Abschied geht einfach ich geb nur den Helm ab

Nehm das Handtuch, die Stiefel und vom Spind das Schloß

Das alte Hemd das mir ein Betrunkener Schelm gab

Das zerreiß ich und schon läßt mein Schutzengel los

Da fliegt ein Engel durch den rauchigen Himmel über dem Revier

Er hat jetzt fast ein halbes Leben auf mich aufgepasst

Jetzt trennt er sich von mir

Da fliegt ein Engel durch den rauchigen Himmel über dem Revier

Ich geb ihn frei, meine Zeit mit ihm ist vorbei

So lauf und fang ihn dir

So geh und fang ihn dir, vielleicht bleibt er bei dir

Noch vor dreizehn Jahren war'n die Engel Mangelware

War nicht für jeden von uns einer da

Ach Helmut ach Wyschek und wer sonst noch draufgegangen war

Heut käme auf jeden von euch eine Schar

Seht wie die Engel sich am sauberen Himmel

Drängeln über dem Revier

Sie müssen fort inne andre Welt einen anderen Ort

So wie viele hier

So wie wir

 

-       3. Evangelium Johannes 16, 5-15

5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? 6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. 12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

 

-       4. Abschied

Dies ist nunmehr die letzte Andacht. Und ist es zugleich auch nicht.

Liebe Mitbetende, liebe Mitdenkende, Mitzweifelnde, Mitsuchende, Mithoffende!

Morgen ist Pfingsten. Uns soll die Ausgießung des Heiligen Geistes Anlass sein, die Jona-Andachten in der gewohnten Form zu beenden.

Manchmal muss man Abschied nehmen. So wie die Apostel von Jesus. „Wo gehst du hin?“, hatten die Apostel Jesus gefragt. Und ihr Herz war voll Trauer.

Wir können uns wieder begegnen. Persönlich in Gottesdiensten und Gesprächen. Morgen findet ein besonderer Gottesdienst statt, im Pfarrgarten. Die Bänke stehen schon bereit. Wenn Sie mögen, bringen Sie sich auch gern selbst eine Sitzgelegenheit mit.

Nichts ist wie vorher, bevor wir anfingen, diese kleinen Andachten gemeinsam zu feiern. Vieles ist anders geworden, auch anstrengender. Unser Zusammenleben wird von Vorschriften reglementiert. Aber vorsichtige können wir wieder hervorkommen aus unseren Kammern und aus unserer Einsamkeit.

Mancher wird sich verwundert die Augen reiben wie die Männer aus Galiläa. Andere werden freudig ausschreiten.

„Es ist gut für euch, wenn ich weggehe.“, hatte Jesus den Aposteln geantwortet. Manchmal ist auch gut, wenn einer geht. Oder wenn etwas zu Ende geht.

Eine bleierne Zeit liegt hinter uns. Eine Zeit der Isolation, der Hilflosigkeit, der Hoffnungslosigkeit. Jetzt werden zunehmend Antworten gefunden.

Antworten, wie Jesus sie uns gibt. Aber er spricht nicht selbst. Denn seine Antworten waren manchmal auch hart und schwer zu ertragen. Hinfort spricht er durch den Heiligen Geist zu uns. Wir sind hervorgekommen und bereit.

Ich danke Ihnen allen. Getrennt waren wir doch verbunden. Für mich persönlich waren diese Wochen sehr arbeitsreich und wunderbar in aller Anstrengung. Ohne Corona hätte ich nie die Möglichkeit gefunden, mich so intensiv mit unserem Buch und all den Personen darin, ihren Worten und Taten, auseinanderzusetzen.

Ich bin kein Theologe und auch Konfirmandenunterricht habe ich nicht genossen. So war das, was ich schrieb, denn immer geprägt von meiner ganz persönlichen Auseinandersetzung. Manchmal habe ich gehadert, manchmal fiel es schwer zu verstehen, aber vieles habe ich auch neu verstanden.

Ich danke Ihnen, dass sie mich ausgehalten haben.

Ich wünsche uns allen neue wunderbare Begegnungen. Natürlich wünsche ich uns auch, dass wir weiter möglichst unbeschadet durch diese Zeit kommen.

Wir sind jetzt so weit, dass wir wieder Atem und neuen Mut schöpfen. Auf neuen Wegen schreiten wir zu altbekannten Pfaden. Nichts ist neu, vieles anders.

Eine Weile werden die Andachten noch auf der Homepage zu finden sein. Schlagen Sie noch einmal nach, suchen Sie Ihre Lieblingsstelle noch einmal heraus. Vielleicht findet sich auch die Möglichkeit, ein kleines Büchlein daraus zu machen, dass dann in unseren Schränken verweilt. Als ein kleiner Schatz, den wir teilten in Zeiten, die schwer waren. Der daran erinnert, dass wir trotzdem nicht allein waren.

Die Musik zur heutigen Andacht durfte ich aussuchen. So wundern Sie sich denn nicht. Ich wünsche Ihnen allen einen Engel, der Sie weiter durch das Leben begleitet.

Möge der Heilige Geist über uns kommen, uns verstehen machen, was so lang unverstanden. Möge er uns verständlich machen, dass wir nicht mehr stammeln. Möge der Heilige Geist über uns kommen mit der Liebe in Jesu.

Danke!

Amen

 

-       5. Gebet

Bruder Jesus Christus,

in Liebe hast du uns durch diese Zeit geleitet.

Dafür sind wir dankbar.

Wir waren mit dir am See Genezareth,

auf dem Ölberg,

vor den Mauern von Jericho.

Wir haben Briefe deiner Apostel gelesen

und manche Prophezeiung hat sich erfüllt.

Nun ist Pfingsten.

So komm denn nun als Heiliger Geist zu uns.

Wehe, stürme, brause

über uns, in uns, vor und hinter uns.

Pfingsten sei uns ein Beginn in Vorsicht.

Pfingsten sei ein Beginn,

wie es einst für deine Kirche war.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Jona Psalm“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 29.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Darauf vertrau ich“

Hier der Notensatz <klick>

Darauf vertrau ich, das glaub ich. Da drauf, da bau ich

Darauf vertrau ich, das glaub ich. Da drauf, da bau ich: Ich brauche dich.

 

Dass du da bist und mich siehst, mich in deine Welt reinziehst,

Dass du liebst und mir vergibst, mir was zutraust und mich schiebst,

Du hast alles ausgedacht und das Licht hier angemacht:

 

Dass du unsre Nähe suchst, an den Rändern nach uns rufst,

Dass du Scherben wieder klebst, selbst im Tod noch weiter gehst,

stehst in unserm Leben auf, gibst ihm einen neuen Lauf.

 

Dass dein Geist die Lage dreht, jedes Kind die Welt bewegt,

Dass du groß von Liebe träumst, keinen Tag mit uns versäumst,

Wir sind dann nicht mehr allein, werden Wahlverwandte sein

 

-       3. Bibeltext Epheser 1, 15-23

15 Darum, nachdem auch ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, 16 höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, 17 dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. 18 Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist 19 und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns ist, die wir glauben durch die Wirkung seiner mächtigen Stärke. 20 Mit ihr hat er an Christus gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt hat und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel 21 über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. 22 Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, 23 welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

 

-       4. Brief an Paulus

Lieber Paulus,

wir haben uns so sehr über deine Zeilen gefreut. Gefreut von dir zu hören, da du doch immer noch im Gefängnis bist. Gut, dass du wenigstens schreiben kannst.

Paulus, wie geht es dir? Bekommst du genug zu essen? Hast du einen Schlafplatz und eine Decke dich zu wärmen? Können wir etwas tun für dich, dir etwas schicken?

Du schreibst so wenig über dich selbst…und immer denkst du an uns.

Hier bei uns ist gerade eine merkwürdige Zeit angebrochen. Ein Virus kam und niemand fand ein Mittel, um die Menschen zu schützen oder zu heilen. Wir wissen nicht, woher dieser Virus kommt. Einige sagen, er sei zum erstenmal in China aufgetreten, stamme von einem Tiermarkt dort oder gar aus einem Labor. Wir wissen auch nicht, wie lange der Virus schon in den Menschen ist.

Aber dann haben wir gesehen, was diese Erkrankung anrichtet unter den Menschen. Es dauerte nicht lang, und die ganze Welt schien von ihm befallen. Erst husteten die Menschen, dann bekamen sie keine Luft mehr und dann starben sie.

Ach Paulus, wir haben so viele verloren. Besonders die Alten raffte es hinweg und niemand kam hinterher, sie alle zur letzten Ruhe zu betten. Möge Gott sie trotzdem gnädig bei sich aufnehmen.

Schnell waren unsere Krankenhäuser überfüllt. Überall, in den Fluren und Gängen standen Betten mit kaum noch atmenden Kranken. Die Ärzte konnten sich wirklich nicht um alle kümmern, so sehr sie es auch versuchten. Manch schreckliche Entscheidung mussten sie fällen. Möge der Herr ihnen vergeben und die Schuld, die sie empfinden, von ihren Schultern nehmen.

Und dann fingen sie an, die Grenzen zu schließen. Wir dachten, wir könnten den Virus so fernhalten von uns. Aber er war längst da. In den Kneipen in Ischgl war er dabei und auf Karnevalsfeiern und überall dort, wo viele Menschen sich trafen.

Manche, die ihn in sich trugen, merkten es nicht einmal. Und so setzte er seine Reise fort. Und wir hatten nichts, dass wir ihm entgegensetzen konnten. Keine Masken, keine Schutzkleidung, keine Medizin. In Mülltüten gehüllt traten wir den Kampf an.

Unsere Alten haben wir weggesperrt. Niemand, der nicht befugt war, konnte mehr zu ihnen. Einsam blieben sie in ihrer Verwirrtheit.

Besonders hart traf es auch die Kinder. Sie waren so selten krank, aber den Virus trugen sie in sich. Und brachten ihn den Eltern und Großeltern. So schlossen wir Schulen und Kindergärten. Die Eltern mussten zu Hause bleiben. Home office und home schooling waren die neuen Wörter.

Geschäfte haben wir geschlossen, Veranstaltungen verboten. All das, was unser Leben ausmachte, war verloren.

Dann kam Ostern. Paulus, ich weiß nicht, ob es je so ein Osterfest gab. Die Kirchen geschlossen und leer. Keine Freude über die Auferstehung. Und die Hoffnungsbotschaft stumm hinter Masken gebrubbelt.

Wir waren so traurig und sind es noch. Wie sollen wir loben und preisen, wenn wir nicht singen dürfen? Wie sollen wir verkünden, wenn wir nicht zu den Menschen gehen können?

Ach Paulus, manche denken, dass alles sei eine Prüfung des Herrn. Ich glaube das nicht. Ich glaube nicht, dass Gott Menschen sterben lässt, um mich zu prüfen. Aber ich denke auch oft an Hiob in dieser Zeit.

Wir haben überlegt, was wir tun können in unserer Gemeinde. Briefe haben wir geschrieben und verteilt, so wie du es tust. Und über eine Erfindung, die „Handy“ heißt feiern wir jeden Tag Andacht miteinander. Und fühlen uns dabei doch manchmal wie Jona im Fisch.

Paulus, ich stelle mir so oft vor, wie es wäre, wenn Jesus heute unter uns wäre. Hätte er die Bergpredigt in eine Maske gehüllt gehalten? Hätte er unsere Kranken heilen können? Hätte er das Leid und die Einsamkeit von den Verzweifelten genommen?

Wir haben so oft versagt in dieser Zeit.

Und nun erreichen uns diese Zeilen von dir. Es tut so gut, in deine Fürbitten eingeschlossen zu sein. Wir brauchen jetzt Kraft und Mut.

Ja, wir können wieder Gottesdienste feiern. Aber wir müssen vorsichtig sein. Als wir von der Gemeinde hörten in Frankfurt, war das schon eine schlechte Nachricht für uns. So viele sind verunsichert. Das Singen gilt so vielen als sichere Ansteckungsmethode.

Du wünschst uns „erleuchtete Augen des Herzens“. Das klingt so schön. Das wünsche ich mir und meiner Gemeinde. Dass wir nicht von Angst zerfressen werden, sondern dass Gott uns berühre in unseren Herzen.

Ja, wir fallen nicht ab von dem Glauben an Jesus Christus. Wir fallen nicht ab von unserem Tun. Und wenn wir auch nicht viele und alle erreichen können, so freuen wir uns doch über jedes Wort, dass wir einander in Liebe teilen.

Aber Paulus, wir brauchen doch die Gemeinschaft und die Gemeinde. Digital können wir nicht den Leib und das Blut Christi empfangen.

So bitten wir dich denn demütig, auch fürderhin eingeschlossen zu sein in deine Fürbitten. Wir danken Gott, dass wir so glimpflich davongekommen sind. In unseren Reihen haben wir keine Kranken und Toten zu beklagen. Wir wollen weiterhin füreinander da sein als Brüder und Schwestern.

Wir bitten Gott um die Weisheit, die auch du uns wünschst, dass wir kluge Entscheidungen treffen. Und dass wir Gott erkennen mögen, in Allem.

Und schreib uns ruhig mal wieder…

Stephan

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

deine Apostel hast du wohl gewählt.

Briefe haben sie uns geschrieben.

Sie bleiben nicht ungelesen

und nicht unbeantwortet.

Briefe, wie  auch wir sie miteinander teilen wollen,

brüderlich und schwesterlich.

So schließe uns weiter in deinem Herzen ein,

lass die unseren durchdrungen sein von deiner Liebe.

Schenke uns die Weisheit,

die richtigen Worte zu wählen,

das Papier glatt zu streichen,

die Ruhe und Muße zu finden,

und verständlich zu Papier zu bringen,

damit unsere Worte Gehör finden.

Die Federn werden wieder in Tinte getaucht.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Jona Ninive“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 28.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Folgen“

Folgen

-       3. Bibeltext Apostelgeschichte 1, 12-26

12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Diese alle hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

 

Die Nachwahl des zwölften Apostels

15 Und in diesen Tagen trat Petrus auf unter den Brüdern – es war aber eine Menge beisammen von etwa hundertzwanzig – und sprach: 16 Ihr Männer, liebe Brüder, es musste das Wort der Schrift erfüllt werden, das der Heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, der denen den Weg zeigte, die Jesus gefangen nahmen; 17 denn er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. 18 Der erwarb einen Acker von dem ungerechten Lohn und stürzte vornüber und barst mitten entzwei, und alle seine Eingeweide quollen hervor. 19 Und es ist allen bekannt geworden, die in Jerusalem wohnen, sodass dieser Acker in ihrer Sprache genannt wird: Hakeldamach, das heißt Blutacker. 20 Denn es steht geschrieben im Buch der Psalmen (Psalm 69,26; 109,8): »Seine Behausung soll verwüstet werden, und niemand wohne darin«, und: »Sein Amt empfange ein andrer.« 21 So muss nun einer von den Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein und aus gegangen ist – 22 seit seiner Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde –, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden. 23 Und sie stellten zwei auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias, 24 und beteten und sprachen: Herr, der du aller Herzen kennst, zeige an, welchen du erwählt hast von diesen beiden, 25 dass er diesen Dienst und das Apostelamt empfange, das Judas verlassen hat, um an seinen Ort zu gehen. 26 Und sie warfen das Los über sie und das Los fiel auf Matthias; und er wurde hinzugezählt zu den elf Aposteln.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Die Männer aus Galiläa, die standen und schauten gen Himmel, sind nun allein. Was für ein merkwürdiges Gefühl muss das gewesen sein. Für die Apostel hatte Jesu Himmelfahrt auch etwas Endgültiges. Die erste Enttäuschung über die Kreuzigung Christi mag durch das Erscheinen von Jesus unter ihnen noch etwas gemildert worden sein. Nun aber waren sie Zeugen geworden der Endgültigkeit.

Und nachdem sie standen und vielleicht verwirrt waren und vielleicht auch unfähig zu handeln kehren sie zurück nach Jerusalem. Und es ist Petrus, der das Wort nimmt und zur Handlung mahnt. Zur Heilung. Der Kreis der 12 war zerborsten mit dem Verrat durch Judas. Er musste wieder gerichtet werden.

Wie weiß man, dass man berufen ist? Für ein Amt oder eine Aufgabe. Für die Apostel gibt Petrus klare Kriterien vor. Sie sollen Zeugen sein Jesu Taufe als auch des Tages, da er von ihnen genommen wurde.

Die Nachwahl des Matthias ist ein Verbindungsstück zwischen Jesu Himmelfahrt und der Ausgießung des Heiligen Geistes. Für uns mag das auch eine Zeit sein, Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Wo trage ich Ballast mit mir herum? Will ich diesen weiter tragen? Oder kann ich ihn auch abwerfen? Welches Gespräch sollte ich noch führen vor Pfingsten? Welchen Bibeltext noch einmal lesen? Welches Gebet sprechen? Welches Lied singen? Oder ist da ein Schrank auszuräumen? Das T-Shirt-Fach?

Nutzen Sie diese Tage doch auch gern, um ein wenig aufzuräumen, zu sortieren. Das trägt auch bei zu einer inneren Zufriedenheit. Um wieder zu richten, was geborsten war.

Woher weiß ich, dass ich berufen bin zu einer Aufgabe? Im Brief an die Korinther hatte Paulus die Gemeinde als einen Baum beschrieben mit vielen Ästen. Und den Römern schrieb er, dass die zum Lehrer Berufenen gute Lehrer sein sollen. Aber wie erkenne ich meine Berufung?

Wie gut, dass es die Gemeinde gibt. Sie kann helfen, unterstützen, Rat geben. Und manche Dinge erkennen, für die ich selbst blind bin.

Und manche Schulter muss sehr lang geschüttelt werden und sich die Hand schon fest in das Schulterblatt drücken, bis man erkennt. Weil  so viele an unseren Schultern rütteln. Weil wir unempfindlich geworden sind für Berührungen.

Den 11 Aposteln hilft Gott bei ihrer Entscheidung. Wenn auch im Würfelspiel. Aber auf das Gebet davor kommt es an. Vielleicht hilft es ja auch uns, vor einer wichtigen Entscheidung mit Gott zu sprechen. Oder wenn wir nicht weiter wissen.

Um berufen zu werden, muss man sich auch berufen lassen. Es braucht Empfindsamkeit für Berührungen und Ohren, die hören.

Wozu fühlen Sie sich berufen? Sind Sie bereit dazu? Zögern Sie noch? Oder erscheint es Ihnen völlig abwegig? Gibt es etwas, dass Sie schon immer mal machen wollten? Oder sehen Sie vielleicht eine Möglichkeit, sich noch mehr in die Gemeinde einzubringen?

Machen wir uns bereit für das Pfingstfest. Wir können etwas zurück lassen und etwas neu beginnen. Machen wir uns bereit für den Heiligen Geist.

 

-       5. Gebet

Jesus Christus, aufgefahren zum Himmel.

Wir stehen und sinnen der tragenden Wolke nach.

Wohin sollen wir gehen?

Was sollen wir mitnehmen, was zurücklassen?

Wer wird uns begleiten?

Geboren aus dem Heiligen Geist ward deine Kirche.

Geboren aus dem Wind, der die Wolke trug.

So komm zu uns:

als sanft erwachender Wind am frühen Morgen,

als kecke Brise des Vormittags,

lau und träge in der Mittagswärme,

aufbrausend vor dunklen Wolken des Nachmittags,

und in den Schlaf tragend am Abend.

12 waren es, 12 sind es wieder.

Die erste Aufgabe ist geschafft.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Jona Mossul“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 27.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied: Gerhard Gundermann „Wer hat ein helles Licht bei der Nacht“

es war einmal ein verwunschener garten das gold der sonne färbte die äpfel

insekten mit goldenen leibern sammelten honiggold

ein silberner mond lockte silberne fische aus den tiefen silberner flüsse

und nachts war ein himmel mit silbernen gucklöchern drübergerollt

 

doch einmal brachte ein harter winter tod den alten und hunger für die kinder

all das gold und silber versackte im schmutzigen eis

verrunzelte äpfel waren teuer wir träumten von honig an einem feuer

da trat ein mann mit goldenem helm in unseren kreis

 

glück auf der steiger kommt

er hat sein helles licht bei der nacht schon angezündt

glück auf der steiger kommt

er hat ein helles licht bei der nacht

 

hat er es schon angezündet wirft es einen hellen schein

und so damit fahren wir bei der nacht ins bergwerk ein

in das bergwerk ein wo die bergleute sein

die schlagen das silber und gold bei der nacht aus felsenstein

 

glück auf der steiger kommt...

 

das gold der helme färbt keine äpfel silbernes geld lockt keine fische

insekten mit schwarzen leibern trinken von unserem blut

wir haben im berg unsre alten vergessen der berg hat unsere kinder gefressen

die silbernen gucklöcher im himmel wachsen zu

 

-       3. Bibeltext Jesaja 32, 11-18

11 Erschreckt, ihr stolzen Frauen, zittert, ihr Sicheren! Zieht euch aus, entblößt euch und umgürtet eure Lenden! 12 Man klagt um die Äcker, ja, um die lieblichen Äcker, um die fruchtbaren Weinstöcke, 13 um den Acker meines Volks, auf dem Dornen und Disteln wachsen, um alle Häuser voll Freude in der fröhlichen Stadt. 14 Denn die Paläste sind verlassen, und die Stadt, die voll Getümmel war, ist einsam. Burg und Turm sind Höhlen für immer, dem Wild zur Freude, den Herden zur Weide, 15 so lange, bis über uns ausgegossen wird der Geist aus der Höhe. Dann wird die Wüste zum fruchtbaren Lande und das fruchtbare Land wie Wald geachtet werden. 16 Und das Recht wird in der Wüste wohnen und Gerechtigkeit im fruchtbaren Lande. 17 Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit wird Ruhe und Sicherheit sein auf ewig, 18 dass mein Volk in friedlichen Auen wohnen wird, in sicheren Wohnungen und in sorgloser Ruhe.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Manchmal denke ich, dass Jesaja gar nicht so weit entfernt ist von unserer Welt. Und wer sich schon einmal einen Endzeit-Film angesehen hat, glaubt in der Welt des Jesaja zu stehen.

Keine Weinlese, keine Obsternte. Verlassene Paläste, leere Städte, kein Lachen. Und das Zittern der Sicheren.

Alles war doch so wohl geordnet. Im Wechsel der Jahreszeiten gedieh das Korn und das Obst. Regenfälle sorgten für Wasser, Sonnenschein für süße Trauben. Die Städte gediehen und konnten ihre Paläste versorgen. In den Straßen der Städte erklang Kinderlachen. Und alles schien sicher. Das Korn, das wir heute säten, konnten wir morgen essen, wohlwissend, dass die Saat erneut aufgehen würde. Die Flüsse, die heute unsere Felder mit Wasser versorgten, würden auch morgen fließen.

Und dann kommt Jesaja und nichts ist mehr sicher. Schauen wir uns um. Ich weiß nicht, ob die Arbeit, die ich heute tu, mich auch morgen ernährt. Und wenn wir weiter Parkplätze errichten auf unseren Grundstücken, nachdem wir Löwenzahn und Gänseblümchen gerodet haben, wird keine Biene mehr fliegen. Und mein Kirschbaum bleibt taub im nächsten Jahr. Und das Wasser, das einst versickerte, wird in unsere Häuser laufen. Das Fleisch auf meinem Grill zersägen Corona-infizierte Leiharbeiter aus Osteuropa. Und meine Tante sucht immer noch nach Sonderangeboten. Der Flug, der mich heute in die weite Ferne bringt, landet morgen als Kerosin in meinem Garten. Die Energie, die ich verbrauche, schmilzt das Eis an den Polen und kehrt zurück als Flut, die Inseln verschlingt. Und Land versalzt. Und verschrumpelte Äpfel werden unbezahlbar sein im Winter…

Übertrieben? So spricht nur Greta Thunberg?

Wir leben in Zeiten großer Unsicherheiten. Das wohlgeplante Morgen ist entschwunden. Geschäfte waren wochenlang geschlossen. Trotzdem läuft keine Frau entblößt mit umgürteten Lenden auf der Straße. Arztpraxen bleiben leer. Sind die Menschen plötzlich weniger krank? Wer entscheidet, wieviel ein Mensch braucht, wenn nicht der Mensch selbst? Ich habe zwei Füße, daran passen zwei Schuhe. Die anderen zwanzig im Schrank erlagen meiner Kauflust.

Und sie reden wieder vom Morgen als wäre es das Gestern. Kaufanreize sollen geschaffen werden. Das sind künstlich geschaffene Bedarfe. Mein Auto fährt ja noch und es bringt mich sicher von A nach B. Und alle Knöpfe darin sind noch immer einer Funktion wohl zugeordnet. Warum soll ich ein neues kaufen? Damit der Autobauer wieder Arbeit hat? Und die Bilanz von VW noch besser wird?

Der Heilige Geist wird ausgegossen werden über uns. Und er macht nicht nur etwas mit uns Menschen, er hat auch Einfluss auf die Natur. Er macht die Wüste fruchtbar und bringt Gerechtigkeit über fruchtbares Land.

Einst war die Welt wohlgeordnet. Einer hatte sie geschaffen in sieben Tagen. Und alles, was Menschen brauchten, war da. Aber das Mehr in meinem Küchenschrank ist das Weniger des Anderen.

Gerechtigkeit wird sein, wenn ich nehme, was ich brauche. Wir haben jetzt die Erfahrung gemacht und die Zeit, darüber nachzudenken.

„Wohl euch, die ihr säen könnt an allen Wassern und könnt die Esel und Rinder frei gehen lassen.“

 

-       5. Fürbitte der 1. Bayerischen Klimawoche 2008

Gepriesen sei Gott, der Schöpfer der Welt, der uns seine Schöpfung geschenkt und anvertraut hat,  damit  sie  für  uns  und  alle  Menschen  erhalten  bleibt.

 

In  Gemeinschaft  mit  seinem  Sohn  Jesus Christus und untereinander verbunden, wollen wir unsere Fürbitten aussprechen.

 

Stärke  in  allen  Menschen  das  Bewusstsein,  dass  sie  Mitverantwortung  tragen  für  den  Erhalt und das Weiterbestehen deiner Schöpfung.

 

Herr erbarme Dich! Lass  besonders  die  Verantwortlichen  in  Politik  und  Kirche  dafür  eintreten,  dass  unsere  Um-welt vor weiterer Zerstörung bewahrt bleibt.

 

Herr erbarme Dich! Schenke uns allen große Ehrfurcht vor allen Menschen, unabhängig von Alter, Herkunft und Gesundheit oder Krankheit, da wir alle ein wertvoller Teil Deiner guten  Schöpfung sind.

 

Herr erbarme Dich! Lass uns Dich immer als den Schöpfer und Herrn der Welt anerkennen.

 

Herr erbarme Dich! Bewahre in uns den Blick für die Schönheit deiner Schöpfung.

Herr erbarme Dich! Denn du bist unser guter Vater, dich loben und preisen wir in alle Ewigkeit. Amen.

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Jona Psalm“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 26.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Oh, die tiefe Liebe Jesu“

Oh die tiefe Liebe Jesu

Strophe 1

O, die tiefe Liebe Jesu,

frei, unfassbar mächtiglich,

rollet gleich dem weiten Meere

voll und segnend über mich.

Rings ergießt sich und umschließt mich

Seiner Liebe reicher Strom,

führt mich vorwärts, führt mich aufwärts

bis zur Ruh im Himmelsdom.

 

Strophe 2

O, die tiefe Liebe Jesu

sei gerühmt von Ort zu Ort;

wie Er liebet, immer liebet

ohne Wandel fort und fort!

Wie Er uns so reich beschenket,

da Er starb als Menschensohn,

wie Er unser stets gedenket,

auch noch droben vor dem Thron

 

Strophe 3

O, die tiefe Liebe Jesu!

Niemand liebt so, Herr, wie Du!

Sie ist mir ein Meer von Segen

und ein Port zu süßer Ruh!

O, die tiefe Liebe Jesu

ist des Himmels Himmel mir.

Sie erhebt zu Herrlichkeiten,

denn sie hebt mich, Herr, zu Dir!

 

-       3. Bibeltext 1. Joh. 4, 1-6

1 Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn viele falsche Propheten sind hinausgegangen in die Welt. 2 Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; 3 und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt. 4 Kinder, ihr seid von Gott und habt jene überwunden; denn der in euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist. 5 Sie sind von der Welt; darum reden sie, wie die Welt redet, und die Welt hört sie. 6 Wir sind von Gott, und wer Gott erkennt, der hört uns; wer nicht von Gott ist, der hört uns nicht. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

„Meine Lieben, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt.“ (1. Joh. 2, 7)

10 Gebote waren es, die Gott am Sinai dem Mose übergab. Das ist ziemlich wenig. Wenn ich mir die Regale in den Stuben mancher Rechtsgelehrter ansehe. 10 Gebote, um einen Bund zu schmieden. Nun, aber 10 Gebote kann ich mir besser merken, als die Vorschriften der StVO.

Warum aber braucht es dann so viel an Reglementierung? Und Kommentar dazu? Und Kommentar zum Kommentar? Die Zeit der Corona-Pandemie ist auch eine Hochzeit der Regel-Schreiber. Das update 9 zum Umgang mit der Corona-Pandemie des Kirchenkreises hat 18 Anhänge.

Ein ähnliches Problem hat Johannes. Da sind so viele, die im Namen Jesu predigen. Und darunter auch welche, vor denen Jesus selbst schon gewarnt hatte. Wölfe im Schafspelz. Vor allem aber Enttäuschte.

Ja, die Kreuzigung Christi kann auch enttäuschen. Was soll man anfangen mit einem Erlöser, der selbst nicht erlöst wird? Und was soll das Ziel von dem Ganzen sein? Der Lohn? Unter der Ewigkeit können wir uns so wenig vorstellen. Und wann bekommen wir den Lohn? Müssen wir noch so lange darauf warten?

Und so gab es dann viele, die dem Volk ein elitäres Gottesschauprinzip verkündeten und damit ihre eigene Priesterschaft bezeugten. Und für die Jesus nicht der Sohn Gottes war.

Und so behandelt Johannes dann eine Frage, die einst ein polnischer Offizier einem deutschen Soldaten kakophonisch stellte und die zu stellen wir doch nicht aufhören können: Woher weiß ich?

Woher weiß ich, ob dieser da im Namen Jesu spricht oder in seinem eigenen? Woher weiß ich, was gut und was böse ist?

Johannes kehrt zurück mit uns zum Berg Sinai. Es braucht keine neuen Gebote. Wir kennen sie schon. Das ist entlastend. Nichts Neues muss gelernt werden.

Dann nimmt er eine Erweiterung vor: „Wer sagt, er sei im Licht und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis.“ (1. Joh. 2, 9) Johannes gibt uns einen Prüfstein an die Hand. Es geht um die Wirkung dessen, was da gesagt wird. Nicht um die Wirkung auf diejenigen, die da sprechen, sondern auf diejenigen, die hören. Es geht um die kantische Regung des Glaubens.

Und jetzt kommt mein Lieblingssatz aus dem Johannes-Brief: „Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.“ Das mag zum Einen daran liegen, dass ich Mecklenburger bin und wir das Reden sowieso nicht erfunden haben. Aber auch Lippenbekenntnisse hab ich schon so viele gehört in meinem Leben. Ich mag es, wenn Menschen nicht lange reden, warum man etwas tun müsste. Sondern wenn sie tun. Die Verkündigung des Evangeliums ist auch die Tat.

Ja, der Menschensohn war der Menschensohn. Und er endete am Kreuz. Weil er die Liebe verkündete und unsere Sünden auf sich nahm. Es braucht keine komplizierten sophistischen Verrenkungen, um das zu verstehen.

Ja, es gibt so viele, die schöne Reden halten können. Sie reden, wie die Welt redet, sagt Johannes. Das haben wir schon so oft erfahren. Die Wahrheiten von heute sind die Verbrechen von morgen. Und eine Prüfung des Heute ist nur aus dem Morgen möglich.

Wenn ich mir die Frage stelle, dann hilft mir der kategorische Imperativ durchaus: Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Das ist ein Gesetz, das in allen Zeiten gilt. Für alle Menschen. Wie die Liebe. Dieses Gesetz ist nicht neu. Es muss nicht erfunden werden. Es ist schon lange da.

 

-       5. wir lesen heute das Hohe Lied der Liebe (1. Kor. 13)

1 Wenn ich in Menschen- und in Engelszungen redete,

hätte aber die Liebe nicht,

wäre ich ein dröhnendes Erz und eine klingende Schelle.

 

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und allen Glauben hätte, um Berge zu versetzen,

hätte aber die Liebe nicht,

wäre ich nichts.

 

3 Und wenn ich all meine Habe den Armen schenkte und meinen Leib hingäbe, dass ich verbrannt werde,

hätte aber die Liebe nicht,

nützte mir’s nichts.

 

4 Die Liebe ist langmütig,

gütig ist die Liebe.

Sie ereifert sich nicht,

sie prahlt nicht,

sie bläht sich nicht auf,

 

5 sie ist nicht schamlos,

sie sucht nicht das Ihre,

sie lässt sich nicht reizen,

sie rechnet das Böse nicht auf.

 

6 Sie freut sich nicht über das Unrecht,

sie freut sich mit an der Wahrheit.

 

7 Alles trägt sie,

alles glaubt sie,

alles hofft sie,

allem hält sie stand.

 

8 Die Liebe hört niemals auf.

Prophetie wird aufhören,

Sprache verstummen,

Erkenntnis vergehen.

 

9 Stückwerk ist ja unser Wissen,

Stückwerk unsre Prophetie.

 

10 Wenn aber die Vollendung kommt,

wird das Stückwerk abgetan.

 

11 Als ich ein Kind war,

redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind.

Als ich ein Mann wurde, legte ich das Kindliche ab.

 

12 Jetzt schauen wir noch wie durch einen Spiegel

in einem dunklen Wort,

dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.

Jetzt erkenne ich nur Teile,

dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt sein werde.

 

13 Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei.

Am größten aber ist die Liebe.

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-       Andacht am 25.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Bleibet hier und wachet mit mir“

Bleibet hier>
</p>
<p>-       <b>3. Losung und Lehrtext</b>
</p>
<p>HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.
</p>
<p>Psalm 5,4
</p>
<p>Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen für alle Heiligen.
</p>
<p>Epheser 6,18
</p>
<p> </p>
<p>-       <b>4. Gedanken von Vikar Tobias Lorenz</b>
</p>
<p>Ora et labora (et lege). Deus adest sine mora –Bete und arbeite (und lese). Gott ist immer da. In vielen Benediktiner Klöstern wird dieser Wahlspruch seit dem Mittelalter an die nächsten Generationen von Nonnen und Mönchen weitergegeben und gelebt. Gebet und Arbeit sind keine Gegensätze. Sie gehen Hand in Hand. So treffen sich die Mönche oder Nonnen zu Beginn eines Tages, noch vor Sonnenaufgang, in der Klosterkirche um gemeinsam betend in den Tag zu gehen. Sie feiern die Mette. Die erste von acht oder mancherorts sieben täglich stattfindenden Gebetszeiten. In diesem Moment ist es noch dunkel. Die Nacht geht erst ganz langsam in den Tag über. Hier und dort werden vielleicht Kerzen in den Händen der Betenden sein. Kleine Kerzen, dünn wie Kugelschreiber, die gerade nur so viel Licht erzeugen, dass ein schmaler Teil des Oberkörpers und die Hände, nicht aber das Gesicht, beleuchtet werden. Leise erheben sich einzelne Stimmen, nach und nach zum gemeinsamen Gebetsgesang der Psalmen.
</p>
<p>Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.
</p>
<p>Waren Sie schon einmal Teil einer Gemeinschaft, die ein gemeinsames Morgengebet praktiziert hat? Beten, Singen und Lesen Sie vielleicht in diesen Tagen die Jonah-Andachten am frühen Morgen? 
</p>
<p>Ehrlich gesagt konnte ich mich alleine bisher noch nicht zu einem täglichen Morgengebet motivieren. In Gemeinschaft, auf kürzere Zeit, merke ich aber immer wie gut es mir tut, einen ritualisierten Anfang des Tages zu erleben. Ich erinnere mich da zum Beispiel an meine Studentenzeit in Mainz. Ein ganzes Wintersemester haben wir uns einmal in der Woche in einem Seminar mit der Mette beschäftigt. Früh am Morgen standen wir uns im Chorraum der Johanniskirche in Mainz gegenüber und haben uns Psalmen zugesungen. Eine feste Form, die mir nach einiger Zeit und einiger Übung einen besonders wohltuenden Start in den Tag ermöglicht hat. Erst einmal Zeit für Gott und mich selbst, gemeinsam mit anderen. Leise, zaghaft werden die Stimmen lauter, wachen nach und nach auf. Und dabei richtete sich mein Blick nach Innen, in die Tiefe, auf Gott. Mich haben Melodien oder einzelne Worte aus der Mette durch den Tag, teilweise auch durch die Woche getragen. An manchen Gesang erinnere ich mich sogar bis heute. In diesen Momenten des Gebets spüre ich auch den Aspekt am Gottesdienst, den ich viel seltener bedenke, als er es verdient hätte: Gott dient mir und dir; mit Melodien, Worten und Gemeinschaft - an diesen Tagen und in meiner Erinnerung bis heute.
</p>
<p>Ora – Bete. Bete Frühe. Zeit zum Wachwerden. Zeit zur Entschleunigung. Et labora. Und das Tagwerk kann beginnen.
</p>
<p> </p>
<p>-       <b>5. Gebet</b>
</p>
<p>Gott,
</p>
<p>du bist meine Quelle,
</p>
<p>bei dir finde ich neue Kraft.
</p>
<p>Jeden Tag,
</p>
<p>früh am Morgen, in der Mittagssonne,
</p>
<p>und auch am späten Abend.
</p>
<p>Du kennst mich und weißt,
</p>
<p>nach was meine Seele verlangt.
</p>
<p>Jeder Zeit kann ich mich an dich wenden.
</p>
<p>Du schickst mich nicht weg.
</p>
<p>Du bist bei mir.
</p>
<p>Amen
</p>
<p> </p>
<p>-       <b>6. Vater unser</b></p></div></div><div class=


(„Rut 9“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – die Hochzeit von Rut mit Boas)

-       Gottesdienst am 23.5., Sonntag Exaudi

-       10 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Ruf doch bei Gott mal an“

1.             Wenn es kaum weitergeht auf deinem Lebensweg, wenn sich dein Fuß verirrt und du bist ganz verwirrt.

Ruf doch bei Gott mal an, er hat die alte Nummer noch. Bei ihm bist du gut dran, kennt dich genau und liebt dich doch.

2.             Macht sich Verzagen breit und tiefste Einsamkeit, kannst du nicht mehr heraus aus deinem Schneckenhaus.

Ruf doch bei Gott mal an, er hat die alte Nummer noch. Bei ihm bist du gut dran, kennt dich genau und liebt dich doch.

 

-       3. Bibellesung Jeremia 31, 31-34 Der neue Bund

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. Amen.

-       4. Predigtgedanken von Asja Garling

Wir sind im Wartemodus, so empfinde ich es gerade häufig.

Wenn beim Telefonieren der andere noch nicht frei ist für ein Gespräch, dann spielt oftmals Musik, die immer von neuem beginnt. Ganz schön nervig. Da ist mir die freundliche Stimme lieber, die sagt: Sie hören Stille. Aber ich bin mir nicht sicher, ob der Kontakt noch weiter besteht. Hat die andere Seite vielleicht schon aufgelegt? Findet der Gesprächspartner überhaupt Zeit, sich mir zuzuwenden?

Planen lässt es sich derzeit, wenn überhaupt, nur in kleinen Schritten. Meist müssen wir nachjustieren. Wie wird es werden, wenn wieder Urlauber an die Ostsee kommen? Können dann alle wieder zur Schule und in den Kindergarten gehen? Werden alle behutsam und umsichtig sein? Oder werden die Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssen? Bei allen solchen Gedanken und Empfindungen fühlt es sich an wie eine Achterbahnfahrt.

 

Ähnlich mag es den Jüngern gegangen sein, nachdem Jesus am Kreuz gestorben war. Alles schien zu Ende zu sein. Und dann die unglaubliche Erfahrung seiner Auferstehung, das Wieder-zusammen-Sein- mit-ihm, Ein zaghafter Glaube erwuchs daraus. Wenig später die Trennung zu Himmelfahrt. Jesu hatte versprochen, es wird nur eine kurze Zeit sein, die sie allein sein würden, im Heiligen Geist wird er bei ihnen sein.

Mit dieser Hoffnung schickt Jesus die Jünger nach Jerusalem. In dieser Wartezeit liegt der heutige Sonntag; eine Zeit der Vorfreude auf den Geist und zugleich der Unruhe, was noch kommen wird. Eine Zeit des Alleinseins und des Gefühls, im Stich gelassen worden zu sein.

 

Im Stich gelassen zu sein, das empfinden derzeit viele Menschen. Menschen im Stich gelassen zu haben, ist ein Vorwurf, der in diesen Tagen gegenüber den Kirchen erhoben wurde.

Die Kirche habe in dieser Zeit Hunderttausende Menschen allein-gelassen, Kranke, Einsame, Alte, Sterbende, so kritisierte die CDU-Politikerin und ehemalige Ministerpräsidentin von Thüringen, Christine Lieberknecht. Das ist pauschal geurteilt. Es wundert mich, war sie doch früher auch Pastorin.

Die Kirchen haben diese Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Denn Menschen haben ganz im Gegenteil, in der Begleitung Unglaubliches geleistet.

Ich meine auch, dass diese verallgemeinernde Kritik nicht gerechtfertigt ist. Aber sie ist der Ausdruck eines Schmerzes, den viele Menschen in diesen Wochen empfinden. In Krankenhäusern und Altenheimen gibt es kaum Besuchsmöglichkeiten. In anderen Regionen der Welt suchen Angehörige ihre Verstorbenen in Massengräbern. Es ist furchtbar.                  Ja, Menschen fühlen sich einsam, beim Sterben, beim Trauern und beim Leben.

Unsicher und allein haben sich auch Menschen zu Zeiten des Propheten Jeremia gefühlt. Wie wird es weitergehen? Gott hat ihnen eine über-raschende Antwort gegeben. Einen neuen Bund will er mit ihnen schließen, sein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben. Sie sollen sein Volk sein, und er will ihr Gott sein. Alle sollen ihn erkennen, und er will ihnen vergeben, so dass niemand an seiner Last zu tragen hat.

Gott öffnet einen neuen Horizont. In der Vergangenheit haben sie den Bund mit ihm gebrochen, das ist nicht vergessen, aber vergeben.

Gott gibt ihnen in einem neuen Bund neue Chancen. Er schreibt ihnen sein Gesetz in die Herzen, denn die Menschen sind ihm eine Herzens-angelegenheit.

Dieses Versprechen hat sich erfüllt, das Exil in Babylon ist zu Ende gegangen, das Volk konnte heimkehren, der Tempel in Jerusalem wurde wieder aufgebaut. Gott hat in Christus einen neuem Bund gegründet, in seinem Leben, Sterben und Auferstehen.

Dieser Bund gilt bis heute. Wenn ich mich von Menschen im Stich gelassen fühle, dann vertraue ich darauf, dass Gott mich nicht im Stich lässt. Und wenn ich Menschen im Stich lassen muss, weil Besuche und Angebote nicht möglich sind, weil Rücksichtnahme Abstand empfiehlt, dann vertraue ich ebenso darauf, dass Gott bei ihnen ist.

Gott ist bei jedem Menschen, die einsam sterben und einsam trauern. Er ist mit ihnen verbunden, er ist die Verbindung zwischen Menschen, die momentan getrennt sind. Darauf setze ich meine Hoffnung und mein vertrauen.

Wir können es nicht beweisen, aber wir können es glauben.

Gott bleibt mit seinem Versprechen in der Telefonleitung, er legt nicht auf, er bricht den Kontakt nicht ab. Wir können mit Vertrauen antworten und warten. Wir erwarten den Heiligen Geist, der mein Leben ausfüllen kann, der alle Bereiche meines Daseins mit Schwung erfüllen will. Der Heilige Geist ist nicht nur in Gebeten und im Gottesdienst da.

Jesus hat ihn uns beim Abschied angekündigt als einen Begleiter, der zu einer bestimmten Zeit nicht nur an einem Ort sein kann, sondern der gleichzeitig bei allen sein kann, überall auf dieser Welt.

Er will uns nahe sein, er will in uns sein und von innen her Kraft geben;

wir können es an seiner Wirkung spüren. Das kann jeder für sich selbst in seiner konkreten Lebenssituation erfahren. Es kann vielleicht sein, dass ich in Trauer und Abschied Mut finde, neue Wege zu gehen oder dass sich Freude und Dankbarkeit in mir breit machen, obwohl die äußere Situation gar nicht danach ist. Trauen wir Gottes Geist nicht zu wenig zu.

Dietrich Bonhoeffer schreibt aus der Nazi-Haft, die mit seinem Tod endete: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will … In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“

 

Liebe Gemeinde, der Sonntag Exaudi ist ein Sonntag des Wartens.

Die Konfirmanden warten auf ihr Fest der Konfirmation, sie warten darauf, sich endlich wieder mit Freunden treffen und austauschen zu können.

Wir warten darauf, dass das Leben wieder normaler und in gewohnten Bahnen läuft. Dass Kontakte wieder möglich sind ohne Abstandsregeln, dass wir wieder singen können, dass wir einander besuchen können und uns in den Arm nehmen dürfen, um zu trösten. Aber es muss kein passives, still ergebenes Warten sein.

Auch durch eine Maske hindurch können wir zu Gott rufen, ihm sagen, was uns belastet, mit ihm im Gespräch bleiben, seinen Heiligen Geist in Anspruch nehmen. „Ruf mich an in der Not, ich will dich erhören“, so heißt es oft in den Psalmen. Das ist Gottes Angebot. Wir wissen, wie wir ihn erreichen können. Mir ist ein alt bekanntes Lied eingefallen, darin heißt es: Ruf doch bei Gott mal an, er hat die alte Nummer noch. Bei ihm bist du gut dran, kennt dich genau und liebt dich doch. (Refrain)

3.       Wenn es kaum weitergeht auf deinem Lebensweg, wenn sich dein Fuß verirrt und du bist ganz verwirrt.

4.       Macht sich Verzagen breit und tiefste Einsamkeit, kannst du nicht mehr heraus aus deinem Schneckenhaus.

Amen

 

-       5. Vater unser


(Johannes auf Patmos aus dem Dreikönigsaltar im Kloster zum Heiligen Kreuz)

-       Andacht am 23.5.

-       19 Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied: Kaleo „Way down we go“

Oh, Father, tell me

Do we get what we deserve?

Oh, we get what we deserve

 

And way down we go, go, go, go, go

Way down we go, go, go, go, go

Say way down we go

Way down we go

 

Oh, you let your feet run wild

Time has come as we all fall, go down

Yeah, but for the fall ooh, my

Do you dare to look him right in the eyes? Yeah

 

 

Oh, 'cause they will run you down, down 'til the dark

Yes and they will run you down, down 'til you fall

And they will run you down, down to your core

Yeah, so you can't crawl no more

 

And way down we go, go, go, go

Oh, way down we go

Say way down we go, ooh

Oh, 'cause they will run you down, down to your core

Oh, way down we go

 

Oh baby, yeah

Oh, baby, aha

Baby, ooh

Way down we go

Oh, no

Yeah

 

Way down we go, go, go, go, go

Oh, way down we go

Say way down we go, ooh

Way down we go

 

(Oh Vater, sag mir, bekommen wir was wir verdienen?

Oh wir bekommen, was wir verdienen.

Und immer weiter gehen wir unter

Immer weiter gehen wir unter

Sag, immer weiter gehen wir unter

Immer weiter gehen wir unter

Du lässt deinen Füßen freien Lauf

Die Zeit ist gekommen, wo wir alle oh untergehen

Yeah aber für den Fall, oh, meine Güte

Wagst du es, ihm direkt in die Augen zu blicken?

 

Denn sie werden dich niederrennen, bis in die Dunkelheit

Ja, und sie werden dich niederrennen, nieder bis du fällst

Und sie werden dich niederrennen, nieder bis du gehst

Ja, und du nicht einmal mehr kriechen kannst

Und immer weiter gehen wir unter

Immer weiter gehen wir unter

Sag, immer weiter gehen wir unter

Denn sie werden dich niederrennen, nieder bis du fällst

Immer weiter gehen wir unter

Oh Bab-bab-yeah

Wow baby-a-aha

Baby

Bab, immer weiter gehen wir unter

Yeah

Und immer weiter gehen wir unter

Immer weiter gehen wir unter

Sag immer weiter gehen wir unter

Immer weiter gehen wir unter)

 

-       3. Bibeltext Offenbarung 4, 1-11

1 Danach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel, und die erste Stimme, die ich mit mir hatte reden hören wie eine Posaune, die sprach: Steig herauf, ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll. 2 Alsbald wurde ich vom Geist ergriffen. Und siehe, ein Thron stand im Himmel und auf dem Thron saß einer. 3 Und der da saß, war anzusehen wie der Stein Jaspis und der Sarder; und ein Regenbogen war um den Thron, anzusehen wie ein Smaragd. 4 Und um den Thron waren vierundzwanzig Throne und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen. 5 Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, das sind die sieben Geister Gottes. 6 Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich dem Kristall, und in der Mitte am Thron und um den Thron vier Wesen, voller Augen vorn und hinten. 7 Und das erste Wesen war gleich einem Löwen, und das zweite Wesen war gleich einem Stier, und das dritte Wesen hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und das vierte Wesen war gleich einem fliegenden Adler. 8 Und ein jedes der vier Wesen hatte sechs Flügel, und sie waren rundum und innen voller Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt. 9 Und wenn die Wesen Preis und Ehre und Dank geben dem, der auf dem Thron sitzt, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, 10 fallen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron sitzt, und beten den an, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und legen ihre Kronen nieder vor dem Thron und sprechen: 11 Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Jesus ist aufgefahren. In den Himmel. Das ist ziemlich weit weg. Über unseren Köpfen. Und selten blicken wir hinauf. Weil wir gefangen sind in unserem Tun.

Was ist die Offenbarung eigentlich für ein merkwürdiger Text? So bunt, so bewegt, so schrecklich geht es selten zu in der Bibel. Johannes sitzt auf Patmos und sieht. Schaut er in den Himmel dabei?

Mit der Offenbarung öffnet sich uns Christen eine Tür. Eine Tür zu Gott und zum aufgefahrenen Jesus Christus.

Ist das Göttliche eigentlich sagbar? Welche Sprache spricht Gott? Hat Gott mit Moses aramäisch gesprochen? Oder kam der Menschensohn zu uns, damit wir besser verstehen?

Die Offenbarung ist uns voller Rätsel. Weil wir die Symbolik nicht immer verstehen. Weil wir den Schlüssel nicht haben.

So geht es mir auch oft mit Sakraler Kunst des Mittelalters. Im Kloster zum Heiligen Kreuz gibt es den Dreikönigsaltar aus dem 15. Jahrhundert. Schon oft habe ich davorgestanden. Und habe mich gefragt, warum hier so gemalt wurde. Wenn ich die 3 Könige auf dem Schiff betrachte, sehen ihre Köpfe so groß aus, dass außer ihnen vielleicht noch 2 Besatzungsmitglieder mitsegeln können. Und die Wege in die Städte segeln wie Schriftrollen am Himmel.

Weil ich den Schlüssel nicht habe. Den Zeitgenossen verschloss sich dieses Werk nicht. Farben und Formen, Größe und Zahl, alles hat Bedeutung. Über die Jahrhunderte ging diese Bedeutung verloren.

Auf einer der Außendarstellungen kann man ihn sehen, den Johannes auf Patmos.

Wann haben wir Christen eigentlich noch Visionen? Oder haben wir gar keine mehr? Wollen wir Christen die Welt verändern oder warten wir nur darauf, dass wir in den Himmel kommen?

Mit Johannes können wir ein bisschen sehen in den Himmel. Ein kleine Lucke öffnet sich und das, was Johannes da beschreibt, wirkt ein wenig wie eine Szene aus einem Science fiction Film. Und vielleicht verstand Johannes auch nicht alles, was er da sah. Und beschrieb es deshalb in der Sprache, die er beherrschte.

Was stellen wir uns vor unter Wesen mit 6 Flügeln mit lauter Augen darauf? Die Engeldarstellungen meiner Krippe haben 2 Flügel und es sind keine Augen darauf.

Ein wenig fürchte ich mich schon, dass ich Gott nicht verstehen kann. Von dessen Thron Donner ausgeht und Posaunen erklingen. Sieht Gott wie ein alter Mann aus mit weißem Rauschebart? Oder wie ein Kristallwesen?

Pfingsten wird kommen. Pfingsten dient der Verständigung. Die Ausgießung des Heiligen Geistes macht, dass wir verstehen werden.

In diesem Jahr verbindet sich mit Pfingsten so viel Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass wir besser mit der Corona-Pandemie umgehen können. Dass wir sie ein wenig in unseren Alltag integrieren können.

Es wird noch lange Zeit so sein, dass wir Abstand halten müssen. Und das Tragen von Masken beim Einkauf und im Nahverkehr wird uns selbstverständlich werden müssen. Aber langsam kehren die Kinder zurück in Schule und Kitas. Langsam öffnen sich die Pflegeeinrichtungen wieder. Und in den Kirchen können wir auf die 10qm-Regel verzichten. Und Pfingsten dürfen wir feiern mit bis zu 150 Menschen im Pfarrgarten. Und draußen dürfen wir auch singen.

Nein, Corona ist nicht vorbei. Und es ist nicht klar, ob es je vorbei sein wird. Aber jeden Tag zieht ein wenig mehr Normalität ein in unser Leben. Weil wir anfangen zu verstehen. Und zu handeln. Der Schrecken und die Ohnmacht sind ein bisschen gewichen.

Lassen Sie uns wieder in den Himmel sehen.

 

-       5. Gebet (aus der Sammlung der VELKD)

Allgegenwärtiger Gott,

du bist uns verborgen,

denn wir verbergen uns vor dir.

Du bist uns fern,

denn wir fliehen dich.

Wer darf dich erkennen?

 

Komm zu uns und öffne unsere Sinne,

dass wir dich spüren,

wie du wirkst und Leben schaffst

in uns

und unter uns und in allem,

was wir sehen und hören und erfahren.

 

Wir bitten dich um dein Erscheinen,

wo du fern zu sein scheinst,

bei denen, die vereinsamen und verdämmern

in Krankenhäusern und Pflegeheimen,

die sich vergessen fühlen,

die Zuneigung vermissen

und nicht mehr an deine und unsere Nähe glauben können.

Wir rufen:

Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten dich um dein Erscheinen,

wo du zu fehlen scheinst,

bei denen, derer Lebensperspektiven bedroht sind,

bei denen, die kalt und leer geworden sind

und verschlossen in ihren engen Kreisen,

bei denen,

die nur noch weg wollen und nicht wissen wohin.

Wir rufen:

Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten dich um dein Erscheinen,

wo du dich zu entziehen scheinst,

bei denen, die Angst haben vor der Zukunft,

bei denen, die nicht glauben können

an deinen Weg mit uns,

bei denen, die Reichtum oder Rasse,

technisches Vermögen

oder den vermeintlich unentwegten Fortschritt

an deine Stelle setzen.

Wir rufen:

Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten dich um dein Erscheinen,

wo du fern zu sein scheinst,

in unserer Verworrenheit,

die wir das Nächste, deine Nähe nicht sehen,

die wir nicht spüren können,

wie du dich unentwegt nach uns sehnst und uns suchst.

Wir rufen:

Herr, erbarme dich.

 

Allgegenwärtiger Gott,

du bist uns verborgen,

denn wir verbergen uns vor dir.

Wo der Himmel verschlossen scheint und die Hoffnung verweht,

sei du uns der Weg ins Offene.

 

Amen.

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

 


(„Jona Opfer“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 22.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied   "Seht hin, er ist allein im Garten“

EG95

95:2 Die Gefangennahme: Seht hin, sie haben ihn gefunden. Sie greifen ihn. Er wehrt sich nicht. Dann führen sie ihn fest gebunden dorthin, wo man sein Urteil spricht Du ließest dich in Bande schlagen, dass du uns gleich und hilflos bist. Wenn wir in unsrer Schuld verzagen, dann mach uns frei, Herr Jesus Christ!

95:3 Vor dem Hohen Rat: Seht hin, wie sie ihn hart verklagen, man schlägt und spuckt ihm ins Gesicht und will von ihm nur Schlechtes sagen. Und keiner ist, der für ihn spricht! Wenn wir an andern schuldig werden und keiner unser Freund mehr ist, wenn alles uns verklagt auf Erden, dann sprich für uns, Herr Jesus Christ!

95:4 Vor Pilatus: Seht, wie sie ihn mit Dornen krönen, wie jeder ihn verspotten will, wie sie ihn schlagen und verhöhnen. Und er, er schweigt zu allem still. Du leidest Hohn und Spott und Schmerzen – und keiner, der voll Mitleid ist: wir haben harte, arme Herzen. Erbarme dich, Herr Jesus Christ!

Noten des Liedes anzeigen

 

-       3. Evangelium Johannes 18, 33-38

33 Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der Juden König? 34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben dir's andere über mich gesagt? 35 Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? 36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von hier. 37 Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. 38 Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Da war er nun also, dieser Wanderprediger, der so viel Aufruhr verursachte. Seine Gefährlichkeit bestand nicht in dem, was er den Menschen sagte. Viele Sonderlinge waren unterwegs, die den Leuten Gott weiß was erzählten. Die daraus rührenden Aufstände hatten die Römer gut im Griff. Gefährlich wurde er, als er behauptete, ein König zu sein.

Eine gefährliche Provinz war es, über die Pilatus da herrschte. Ständig gab es Unruhen. Die Söhne des Herodes gaben keine Ruhe und wollten Judäa wieder nach Palästina holen. Und dann noch diese merkwürdige Religion! Ein Gott. Wie lächerlich war das denn…Aber mit Kaiphas hatte Pilatus sich gut arrangiert. Solange Pilatus den Juden ihren JHWH ließ, sorgte der Hohepriester für Ruhe.

Und nun steht da diese Gestalt vor ihm. Irgendwie abstoßend. Klapperdürr. Barfuß. Im schäbigen Gewandt. Unrasiert mit langen Haaren. So sieht doch kein König aus! Aber irgendwas war da mit seinen Augen…

Pilatus verstand wirklich nicht, was Kaiphas von ihm wollte. Von dieser Vogelscheuche ging doch keine Gefahr aus. Sicher, die Leute folgten ihm und hörten ihm gern zu. Aber die ihm da folgten, waren die Ärmsten der Armen, Prostituierte, Lahme und Blinde, ehemalige Zöllner, auch der eine oder andere ehemalige Soldat. Die hatten keine Waffen, die irgendwie bedrohlich wirkten. Die brauchte man nicht ans Kreuz zu schlagen wie die Anderen, damals, als Rom Judäa besetzt hatte.

Aber Kaiphas hatte schon sehr verstört gewirkt und aufgebracht. Warum hatte der bloß so viel Angst vor diesem Jesus? Wenn ich doch nur in Ruhe mit diesem Angeklagten reden könnte, ohne diese ganzen tuschelnden und wuselnden Hohenpriester, die da wogten wie Halme im Wind. Na, besser wir gehen mal rein ins Prätorium.

Na, reden kann der ja. Und die Augen, wie sie blitzen. Und König sein will er auch nicht, zumindest nicht von Judäa. Ein König, der die Wahrheit verkündet. Ha! Pilatus war viele zu aufgeklärt, um an die Wahrheit zu glauben. Schließlich war er bei den alten Griechen in die Schule gegangen und hatte seine Logizismen wohl gelernt.

Von ihm aus konnte dieser da König sein von Bimmelbammel oder Hasenwinkel. Sicher, er hatte im Tempel mal ein paar Tische umgeworfen und den Hohenpriestern mächtige Schimpfworte an den Kopf geknallt. Irgendwie war er konsequent in dem, was er tat. Das entsprach schon dem, was er sagte. Und diese Augen, so tief…

Pilatus war kein Jude und es war ihm egal, worüber die Juden sich da stritten. Ob die Pharisäer ihrem JHWH nun folgten oder nicht. Solange Judäa die Steuerlast trug und zum Römischen Imperium gehörte, war alles in Ordnung.

Schuld kann Pilatus nicht finden an dem, der da vor ihm steht. Und doch wird er ihn kreuzigen lassen.

Danach wird Pilatus diese Begegnung mit Jesus nicht vergessen. Und auch nicht das, was Jesus gesagt hatte. „Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.“ Und manchmal hört er sie. Nachts im Traum wirft es ihn herum. Und er hatte ja gesehen, wie viele Anhänger der hatte. Es wäre ihnen ein Leichtes gewesen, Unruhe zu stiften. Wenn sie denn ein paar Schwerter dabei gehabt hätten. Oder wenigstens Knüppel. Hatten sie aber nicht. Die waren nicht gekommen, um Krieg zu führen oder irgendwas zu erobern. Die hofften und glaubten. Und sangen und erzählten.

Und die Saat, die dieser Jesus da gelegt hatte, konnte niemand mehr ausreißen.

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

du hast so oft gesprochen

und wir haben nicht gehört.

Du hast uns so oft angesehen

und wir haben nicht verstanden.

Weil deine Worte neu sind,

du König der Wahrheit.

Weil deine Worte nicht von dieser Welt sind.

So öffne unsere Herzen weit,

mach unsere Augen sehen,

die Ohren hören,

die Münder sprechend,

Auf dass wir begreifen deine Wahrheit

und davon zeugen können

vor dieser Welt.

So wie du vor Pontius Pilatus.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-  Andacht am 21.5., Christi Himmelfahrt


-  19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen


-  2. Lied „Gen Himmel aufgefahren ist“

EG119


119:2 Er sitzt zu Gottes rechter Hand, Halleluja, herrscht über Himml und alle
Land. Halleluja.
119:3 Nun ist erfüllt, was g'schrieben ist, Halleluja, in Psalmen von dem Herren
Christ. Halleluja.
119:4 Drum jauchzen wir mit großem Schalln, Halleluja, dem Herren Christ zum
Wohlgefalln. Halleluja.
119:5 Der Heiligen Dreieinigkeit, Halleluja, sei Lob und Preis in Ewigkeit.
Halleluja.

-  3. Bibeltext Apostelgeschichte 1, 6-11
6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst
du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu
ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner
Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes
empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in
Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. 9
Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine
Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie
er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen
Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht
gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen
wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
-  4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke
„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut gen Himmel?“ Was seid
ihr, ein Hans guck in die Luft, Träumer, Tunichtgute?
Der Himmel ist für uns ein Ort der Ruhe, der Sehnsucht, der Träume, des
Ausruhens. Wer in den Himmel sieht, kann nicht geradeaus gehen.
Auf dem Rücken liegend können wir die vorbeiziehenden Wolken betrachten.
Ihre Formen sind Anstoß unserer Fantasie. Wir haben dann Zeit. Manchmal
dräut uns der Himmel auch, plötzlich verdunkelt er sich und lässt Blitz und
Donner auf unsere Köpfe hinabkrachen.
War es ein Tag wie heute, mit blauem Himmel und weißen Wolken, als Jesus
hinauffuhr? Oder hat es geblitzt und gedonnert? Wir erfahren es nicht.
Wir erfahren nur, dass da welche sind, die zurückbleiben. Jesu Himmelfahrt ist
ein Abschied. Sie sehen ihm nach und können nicht fassen, was geschah.
Jesus hatte ihnen oft genug von den Prophezeiungen erzählt. Aber immer,
wenn geschah, was angekündigt war, war es doch auch verbunden mit
Schmerz.
Was fangen wir eigentlich an mit solchen Prophezeiungen? Die künden von
Jesu Kreuzigung, vom Vergießen seines Blutes, von der Hingabe seines
Fleisches? Erschrecken wir dann? Schaudert es uns? Sind wir traurig? Ich kann
mich nicht freuen, dass sich erfüllt, was geschrieben stand. Denn es steht auch
für mich und meinen Unglauben. Und für den Verrat an Jesu.
„Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?“ So hatten
die Apostel Jesus gefragt. Was für eine Sehnsucht aus diesen Worten spricht.
In dieser Zeit. Die Sehnsucht ist in diesen Zeiten noch größer denn je. Der Weg
von uns Menschen scheint gerade alles andere, als hinauf zu führen. Die
Unsicherheit über das Morgen ist groß. Macht es überhaupt noch Sinn, daran
zu denken? Und wird es ein Ende dieser Zeit geben? Täglich erreichen uns
neue Nachrichten, die doch immer nur die Unsicherheit verstärken. Hilflos
summen wir hinter unseren Masken. Und tragen nichts im Herzen als die
Sehnsucht.
Es ist nicht an uns zu wissen, wann diese Zeiten enden werden. Es ist aber
auch nicht an uns, stehen zu bleiben und den Himmel zu gucken. Denn
Pfingsten wird sein. Wir werden die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.
Die 40 Tage nach Ostern sind nun vorüber. Jesus wird sich nicht mehr zeigen.
Aber sein Auffahren ist auch ein Aufnehmen. Nichts ist verloren.
Und wir bekennen es immer wieder: „Von dort wird er kommen.“ Das ist auch
die Mahnung an die Apostel, als sie sinnend in den Himmel sahen.
Bleibt nicht stehen, denn Jesus wird kommen! Bis dahin sollt ihr gehen und
künden von ihm. Bis ans Ende der Welt.
Bleiben wir nicht stehen! Versuchen wir, unsere Ohnmacht abzustreifen! Und
anzufangen. Ein Gottesdienst mit begrenzter Teilnehmerzahl und hinter
Masken? Fangen wir an! Ein Pfingstgottesdienst im Garten? Fangen wir an! Nur
wenige Menschen können zu uns kommen? Fangen wir an! Nur mit Blicken
können wir uns begegnen? Fangen wir an!
Ihr Männer und Frauen, ihr Kinder, ihr Alten und Kranken, ihr Isolierten und
Hoffnungslosen, ihr Getriebenen und Suchenden, was steht ihr da und schaut
gen Himmel?


-  5. Gebet

Du zeigst uns den Himmel, Jesus,
du zeigst.
Nichts ist vorbei
und alles beginnt.
Denn dein Himmel ist weit.
Unendlich.
Zeige den Himmel
den Zweiflern und Zornigen,
den Heimatlosen und Suchenden,
den Hoffnungslosen,
den Bedrohten,
den Einsamen und Kranken,
den Kindern und Alten.
Wir sehen in den Himmel
und hoffen auf dich.
Wir suchen und finden.
Denn von dort wirst du kommen.
Amen

-  6. Vater unser


-       Andacht am 20.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Ich will an dich glauben“

Hier der Notensatz <klick>

-       3. Evangelium Markus 9, 14-29

14 Und sie kamen zu den Jüngern und sahen eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten. 15 Und sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn. 16 Und er fragte sie: Was streitet ihr mit ihnen? 17 Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. 18 Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn zu Boden; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht. 19 Er antwortete ihnen aber und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! 20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn hin und her. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. 21 Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. 22 Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! 23 Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. 24 Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! 25 Als nun Jesus sah, dass die Menge zusammenlief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! 26 Da schrie er und riss ihn heftig hin und her und fuhr aus. Und er lag da wie tot, sodass alle sagten: Er ist tot. 27 Jesus aber ergriff seine Hand und richtete ihn auf, und er stand auf. 28 Und als er ins Haus kam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? 29 Und er sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Es ist das Jahr 2020. Dieses Jahr hat sich im Frühling zu einem der schmerzhaftesten, verwirrendsten, bedrohlichsten in der Menschheitsgeschichte gewandelt. Dieses Jahr, das doch so begann, wie die anderen zuvor.

Mit der Mitarbeitertagung in Salem. Und wie jedes Jahr sprachen wir über die Jahreslosung: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Was für eine provokante Jahreslosung. Was soll das bedeuten? Für wen gilt dieser Satz?

Viele Mitarbeitende konnten mit dieser Losung nichts anfangen. Sie wollten sich selbst nicht als ungläubig bezeichnen und sahen sich eher in der Rolle derjenigen, die anderen Ungläubigen zum Glauben verhelfen.

Mir sprach der Satz dieses Vaters aus dem Herzen.

Da ist ein Tumult, ein Auflauf, Geschrei und Streit. Die Sonne brennt heiß auf die staubige Landstraße, und in diesem Staub liegt ein Kind. Hin- und hergeworfen in Krämpfen. An die Öffentlichkeit gezerrt. Mit Blicken seziert. Das, was sonst im Verborgenen geschieht, passiert nun in der Öffentlichkeit.

Hilflos bleiben die Jünger, sie konnten nichts tun für das Kind.

Jesus schilt sie: „O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen?“ Manchmal versagen wir und es fällt schwer, unser Versagen zu ertragen. Auch Jesus.

Aber dann verbreitet der Menschensohn Zuversicht: „Alles ist möglich, dem der da glaubt.“ Und der Vater sagt es nicht, nein, er schreit es hinaus. Ich glaube doch, und wenn ich nicht glaube, dann hilf mir, dass ich glauben kann!

Ich finde es so tröstlich, dass Jesus mich auch dann annimmt, wenn ich nicht glaube. Wenn ich zweifele. Wenn ich hadere.

Ich zweifele, wenn ich die Bilder von Bergamo sehe. Ich zweifele, wenn ich die Hilflosigkeit der Alten hinter Plexiglasscheiben sehe. Ich zweifele, wenn ich die Zweifler sehe. Ich verzweifele an der Ungerechtigkeit der Welt.

Jesus schickt mich nicht weg. Er hilft auch dann, wenn ich mich von ihm entferne.

Und auch den gescholtenen Jüngern sagt er einen Trost. Vom Beten. Beten ist nicht das Aufsagen formelhaft gelernter Sprüche. Zum Beten gehört Glauben. Nicht der Glaube an die Erfüllung der Bitten, sondern an die Liebe Jesu.

Gerade als Mitarbeiter einer Kirchengemeinde bin ich nicht frei von Zweifeln. So oft hadere ich. Und manchmal stehe ich auch in der geifernden Menge der Gaffer.

Und dann möchte ich schreien wie dieser Vater: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“

Und Jesus hilft. Immer wieder. Geduldig. Grenzenlos.

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

wieder liegen wir im Staub unseres Unglaubens vor dir.

Wir hören

und wir sehen

und wir denken.

Daran verzweifeln wir so oft.

Warum sterben Menschen?

Warum wird unsere Luft immer schlechter?

Warum sollen wir nicht singen?

Warum müssen Einige bis zur Belastungsgrenze arbeiten

und andere haben home office?

Und dann zweifeln wir an dir.

Jesus, nimm uns an in unserem Zweifel.

Stärke uns im Glauben

an deine Liebe

an deine Barmherzigkeit

deine Geduld

deine Fürsorge,

an dich.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 8“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – der Löser und Boas tauschen einen Schuh)

-       Andacht am 19.5.2020

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen“

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen

-       3. Evangelium Lukas 18, 1-8

1 Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: 2 In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. 3 In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher! 4 Und er wollte lange Zeit nicht. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; 5 weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt, will ich ihr Recht verschaffen. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. 6 Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt! 7 Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern? 8 Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Es waren zwei Frauen, die lebten in Betlehem in sehr ärmlichen Verhältnissen. Als sie im Land der Moabiter gewesen waren, da war der Mann der Noomi gestorben und auch ihre zwei Söhne, deren einer mit Rut, einer Moabiterin, verheiratet war. Darauf kehrten Noomi und ihre Schwiegertochter Rut zurück nach Betlehem.

Als verwitwete Frauen hatten sie es nicht leicht. Sie hatten keinen Anspruch auf das Land, dass dem Mann der Noomi einst gehörte. So blieb ihnen denn nichts, als von dem zu leben, was die Anderen übrig ließen. Und Rut ging und klaubte Gerstenkörner.

Der Mann aber, auf dessen Feldern sie das tat, war ein guter Mann. Er stellte Rut unter seinen Schutz. Und siehe, es stellte sich heraus, dass er ein weitläufiger Verwandter der Familie Noomis war.

Hier wittert Noomi nun eine Chance für Rut. Durch Ruts Schlafen, heimlich am Fußende des Boas, macht sich dieser auf, um um Rut zu werben. Dazu muss er sich mit einem anderen Verwandten auseinandersetzen, der die ursprünglicheren Rechte hat, Rut zu ehelichen und damit auch Anspruch auf das Land der Familie zu erheben. Dieser aber will nicht und überlässt das Recht dem Boas. Als Zeichen der Einigung wird ein Schuh überreicht.

Das alles geschah weit vor Jesu Geburt. Rut wurde dann zur Stammmutter Davids. Wir sind in einer Zeit, in der zur Durchsetzung der Interessen alleinstehender Frauen kein Richter bemüht wird. Hier gibt es Traditionen, Gemeinschaften und hübsch gemachte Frauen sowie ein bisschen listige Schwiegermütter. Und Gott, der Rut einen lösenden Löser schickt.

Ein anderes Gleichnis über eine Witwe nun erzählt Jesus. Diese muss sich mit einem Richter auseinandersetzen. Ohne Gottesfurcht kommt er daher, rücksichtslos, ungerecht. Ein ungerechter Richter? Nun, zumindest scheinen göttliche Gebote in seiner Rechtsprechung keine Rolle zu spielen. Und die fehlende Rücksicht auf die Menschen, die da zu ihm kommen, kann auch eine Blindheit für ihre spezifischen Belange bedeuten. Ich stelle mir eine kalte, nackte Gerechtigkeit vor. Einen Paragrafen, der erbarmungslos auf alle Menschen angewandt wird. Auf Witwen, auf Pharisäer, auf Zöllner. Umstandslos. Heute haben wir diese kristallklare Rechtsprechung durch die Einführung mildernder Umstände menschlicher gemacht.

Die Welt, in der Jesus lebte, hatte sich verändert. Aus Noomis Gemeinschaft war eine Gesellschaft geworden, wie es die Soziologie mit Ferdinand Tönnies beschreibt.

Was für eine Welt ist das, in der eine Witwe einen Richter nerven muss, damit er ihr zu ihrem Recht verhilft? Nur die Angst um seine Reputation bringt den Richter dazu, sich der Witwe anzunehmen.

Ja, das kennen wir heute auch. Es spielt eben eine Rolle, an welchem Gericht mein Fall verhandelt wird, wer der Richter ist, wie gut mein Rechtsanwalt ist. Es gibt viel Rechtsprechung, aber nicht immer Gerechtigkeit.

Wie gut, dass da noch der Menschensohn ist. Und sein Vater. Jesus will uns mit diesem Gleichnis zeigen, dass wir beharrlich sein sollen, ausdauernd. Auch in unseren Gebeten. Gott wird sich unserer unverzüglich annehmen. Über die Dinge, über die Gott der Richter ist, wird gerecht entschieden.

Dann aber scheint Jesus ein bisschen ins Grübeln zu kommen: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben finden?“

Beten allein reicht nicht. Wir müssen auch glauben. Vertrauen.

 

-       5. Gebet

Gerechter Gott!

So oft erleben wir die Ungerechtigkeit dieser Welt.

Oder das, was wir dafür halten.

Ist es gerecht, dass einer bleiben darf

und der Andere gehen muss?

Ist es gerecht, dass ein Kind zur Schule gehen darf,

das andere aber nicht?

Ist es gerecht, dass in Gaststätten wieder gesungen wird,

die Gottesdienste aber stumm bleiben?

Ist es gerecht, dass ein Landstrich von einer Pandemie verheert wird,

der andere aber glimpflich davon kommt?

Ist es gerecht, dass Einer stirbt

und ein anderer am Leben bleibt?

Wem vertrauen wir?

Und worauf?

Wie Witwen stehen wir vor den Richtern.

Gerechter Gott,

besänftige unseren Zweifel,

unseren Zorn,

unser Misstrauen.

Lehr du uns,

beharrlich zu sein.

Und auf das zu vertrauen,

was da kommt.

Dein Reich.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-       Andacht am 18.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Von guten Mächten“

EG65

65:2 Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

65:3 Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.

65:4 Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz.

65:5 Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

65:6 Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.

65:7 Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

-       3. Biblische Tageslosung zum 18.5.2020

Jesus spricht: Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Johannes 14,26

 

-       4. Worte zur Tageslosung von Vikar Tobias Lorenz

Liebe Gemeinde,

haben Sie ein Bild vor Augen, wenn Sie die Worte „Heiliger Geist“ hören, bekennen, beten, singen oder sagen?

Vielleicht denken sie ja auch an eine weiße Taube. Ein Bild das nicht ohne Grund in der christlichen Tradition für die Kraft des Heiligen Geistes steht. Schon im Alten Testament ist es die Taube mit dem grünen Ölblatt im Schnabel, die auf der Arche Noah für tröstlich, hoffnungsvollen Jubel bei Mensch und Tier sorgt. Bald ist die entbehrungsreiche Zeit hoffentlich vorbei. Das Ölblatt im Schnabel der Taube ist zumindest ein Indiz dafür, dass es so kommen kann. Ein kleines Zeichen, dass neuen Mut im und auf dem Rumpf des Schiffes entstehen lässt.

Parallel dazu können Sie im Neuen Testament bei den Evangelisten Markus, Lukas und Matthäus davon lesen, dass bei der Taufe Jesu im Jordan der Heilige Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Haben die Evangelisten dieses Bild zufällig gewählt? Ich glaube nicht. Diejenigen, die an den Evangelien mitgeschrieben haben, waren vertraut mit den Texten und Bildern ihrer Kultur. Sie wussten darum, dass Tauben in alten Zeiten als Begleiter von Göttinnen und Göttern dargestellt wurden und sie kannten mit großer Sicherheit die Geschichte der Taube mit dem grünen Ölblatt im Schnabel, die mit schnellen, aber sanften Flügelschlägen eine neue Hoffnung in den Himmel über Noah gezeichnet hat. Und so zeigen sie in der Geschichte von Jesu Taufe gerade mit dem Bild des Geistes als Taube, dass hier eine außergewöhnliche Hoffnungsgeschichte beginnt.

Für mich ist die Taube ein schönes Bild für den Heiligen Geist. Sie bringt uns Hoffnung und Trost zwischen ihrem Schnabel. Im Althebräischen – der Sprache des Alten Testamentes – ist das Wort für Taube im Übrigen „Jonah“.

Vielleicht sind nicht nur für mich unsere kleinen Jonah-Andachten tägliche und tröstliche Indizien dafür, dass wir unsere Hoffnung nicht verloren haben und sie nicht zu verlieren brauchen.

 

Amen

 

-       5. Gebet

Guter Gott,

sende herab auf uns deinen Heiligen Geist,

heilige und erneuere uns an Körper und Seele.

Lass uns deinen Trost spüren und Hoffnung in uns aufkeimen,

so wie in Noahs Herz, als er die Taube mit dem Ölblatt im Schnabel sah.

Bestärke uns dazu, dass wir uns auch gegenseitig Zeichen der Hoffnung schenken,

seien sie auch noch so klein wie ein Ölblatt.

 

Guter Gott,

sende herab auf uns deinen Heiligen Geist,

heilige und erneuere uns an Körper und Seele.

Lass uns spüren, dass du uns auf frohen und bedrückenden Wegen begleitest,

so wie der Geist – wie eine Taube – bei der Taufe Jesu eine Verbindung zwischen Himmel und Erde in unsere Welt gezeichnet hat.

Lass uns aus dieser Hoffnung miteinander leben und beten, wie Jesus Christus selbst mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gebetet hat:

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.


-       Gottesdienst am 17.5., dem Sonntag Rogate

-       10 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Vater unser im Himmelreich“

EG344

344:2 Geheiligt werd der Name dein, dein Wort bei uns hilf halten rein, dass auch wir leben heiliglich, nach deinem Namen würdiglich. Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, das arm verführet Volk bekehr.

 

344:3 Es komm dein Reich zu dieser Zeit und dort hernach in Ewigkeit. Der Heilig Geist uns wohne bei mit seinen Gaben mancherlei; des Satans Zorn und groß Gewalt zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

344:4 Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich auf Erden wie im Himmelreich. Gib uns Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid; wehr und steu'r allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen tut.

344:5 Gib uns heut unser täglich Brot und was man b'darf zur Leibesnot; behüt uns, Herr, vor Unfried, Streit, vor Seuchen und vor teurer Zeit, dass wir in gutem Frieden stehn, der Sorg und Geizens müßig gehn.

344:6 All unsre Schuld vergib uns, Herr, dass sie uns nicht betrübe mehr, wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit.

344:7 Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, wenn uns der böse Geist anficht; zur linken und zur rechten Hand hilf uns tun starken Widerstand im Glauben fest und wohlgerüst' und durch des Heilgen Geistes Trost.

344:8 Von allem Übel uns erlös; es sind die Zeit und Tage bös. Erlös uns vom ewigen Tod und tröst uns in der letzten Not. Bescher uns auch ein seligs End, nimm unsre Seel in deine Händ.

344:9 Amen, das ist: es werde wahr. Stärk unsern Glauben immerdar, auf dass wir ja nicht zweifeln dran, was wir hiermit gebeten han auf dein Wort, in dem Namen dein. So sprechen wir das Amen fein.

 

-       3. Evangelium Matthäus 6, 5-15 Vom Beten: Das Vaterunser

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himm-lischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

 

-       4. Gedanken zum Evangelium von Pastorin Asja Garling

Herzlich willkommen am Sonntag "Rogate", das ist lateinisch und bedeutet „Betet“. Der heutige Sonntag weist uns auf das Gebet, auf Gespräche mit Gott, dem wir alles anvertrauen können. So vieles bereitet uns Sorge, ist beängstigend, verwirrend. Wie gut, dass wir all das im Gebet vor Gott bringen können.

Die Corona-Pandemie bestimmt unser Leben, in den Schlagzeilen und in der Realtität, vom Frühstück an bis hinein in die Nacht. Positionen werden extremer, obwohl oder gerade weil es Lockerungen gibt.                    Die Sehnsucht nach Normalität wächst. Wie verantwortungsvoll müssen wir noch sein, wenn doch anscheinend gar nichts passiert?

Es ist anstrengend, ständig neu entscheiden zu müssen. Sicherheiten gibt es nicht, die Richtlinien und Aussagen von gestern können morgen schon ganz anders sein. Das ist verwirrend.

Diese Situation wird auch ausgenutzt. Und weil man nicht immer ganz in Ruhe klar denken kann, geht man vielleicht mit zu einer Demonstra-tion und bekommt gar nicht mit, wer da eigentlich den Ton angibt und andere für seine Gedanken vereinnahmt. Welche Sätze legt mir jemand in den Mund und wer steht neben einem, wenn auch in 1,5 m Abstand und schwenkt rechte Parolen?

Wer hat denn nun Recht, und wer handelt fahrlässig, verantwortungs-los? Was ist richtig und was gefährlich falsch? Was für ein Durcheinan-der in Handlungen, Debatten und unseren Gefühlen!

Unser Bundesgesundheitsminister Spahn hat in den vergangenen Tagen etwas Seltenes getan, was ihn mir sofort sympathisch macht: Er hat einen Fehler zugegeben, eine Falscheinschätzung zu Beginn der Epidemie,  was die Beschaffung von Masken angeht.

Tage zuvor hat er den bemerkenswerten Satz gesagt: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich einander viel verzeihen müssen.“

Verzeihen, vergeben, das ist ein zentrales christliches Thema.

Man schiebt es gern Christen zu, vielleicht weil man selbst meint, es nicht zu können und es ihnen am ehesten zutraut. Zu vergeben fällt wohl jedem Menschen schwer.

„Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“, so heißt eine Bitte des Vaterunsers, das am heutigen Sonntag im Mittel-punkt steht.

Ältere Gemeindeglieder erzählen mir oft, dass sie abends vor dem Schlafen beten: für alle ihre Lieben, damit sie behütet bleiben. Gerade jetzt in dieser Zeit, in der man sich oft lange Wochen nicht sehen kann. Und auch für Sie, Frau Pastor, bete ich. Das berührt mich und trägt mich.

Sie trauen der Kraft des Gebetes viel zu. Sie geben Gott die Namen derer, die er bitte besonders beschützen möge. Sie tun, was sie können.

Meist beten wir allein und auch lieber, wenn uns niemand dabei zusieht. Da halten wir uns an die Empfehlung des Evangelisten. Bete im stillen Kämmerlein.

Und mit welchen Worten beten wir? Nehmen wir die überlieferten Gebete, die wir als Konfirmanden gelernt haben oder finden eigene passende Worte, stammeln und stottern wir und suchen treffliche Formulierungen? Oder halten wir einfach still und vertrauen darauf, dass Gott schon weiß, was das Richtige ist? Wieviel Text ist dabei das richtige Maß?

Matthäus schreibt: Plappert nicht so viel und meint, viel hilft viel.

Wir können Gott nicht bequatschen. Er weiß, worum es geht, bevor wir es überhaupt aussprechen. Beten ist keine Informationsveranstaltung, keine Sammlung von Hinweisen an Gott, die er sonst übersehen könnte.

Es tut gut, sich auszusprechen, das hilft manchmal, dass mir etwas klar wird.

Beten ist eine Möglichkeit, mit Gott in Kontakt zu kommen. Sie ist herr-lich unkompliziert, man braucht kein Handy dafür, das im entscheiden-den Moment kein Guthaben hat oder nicht geladen ist. Einfach frei heraus mit Gefühlen und Gedanken. Gott hat ein großes Ohr.

Gott will unser Bestes, eben wie ein Vater für seine Kinder. Aber er ist keine anonyme Servicestation, die das Benötigte zur richtigen Zeit liefert. Er will mit uns in Kontakt, im Gespräch bleiben, er hört zu.

Er gibt uns, was wir zum guten Leben brauchen: das tägliche Brot und Vergebung von Schuld, die uns belastet.

Dieser Punkt war Matthäus besonders wichtig, er betont diesen Halb-satz: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Ich denke, Gott rechnet nicht in dieser Weise auf. Aber wenn ich weiß, wie leicht und frei ich mich fühle, wenn mir jemand eine Last abnimmt und tragen hilft, dann ist es für mich selbstverständlich, anderen in gleicher Weise dieses befreiende Gefühl zu schenken.

Ich fühle mich oft hilflos in der Flut von Informationen, immer neuen Studien und Äußerungen von Experten. Ersetzen Virologen die Demokratie? Ich bin froh, dass es sie und ihr kompetentes Wissen gibt.

Wir können nur zuhören, wenn unser Wissen am Ende ist. Und wo uns Wissen fehlt, beginnt unser Vertrauen.

Also vertrauen wir: der Politik, den Wissenschaftlern, den Erfahrungen derer, die sich in der Welt auskennen, dass ihre Haltung und ihre Pläne richtig sind.

Aber eigentlich sind die Verantwortlichen überfordert von dem, was es so in der Welt noch nicht gab.

Vor ein paar Tagen sagte eine Frau resigniert zu mir: Wir können ja rein gar nichts tun! Doch. Wenn wir die Hände in den Schoß legen, dann sind es Hände, die zum Beten ruhn, die macht Gott stark zur Tat. Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat. So hat es Jochen Klepper wunderbar formuliert.

Das, was ich helfend tun kann, ist mein Gebet für sie.

 

-       5. Gebet

Gott, der du wie eine liebende Mutter und ein gütiger Vater bist,

ich lege dir Menschen ans Herz, die uns durch das dunkle Tal dieser Zeit führen: Politikerinnen und Wissenschaftler, Ärztinnen und Pfleger, Forschende und Lehrende. Ich bitte dich: Lenke sie mit deinem Geist, dass sie das Wohl aller im Herzen bewahren.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 8“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – der Löser gibt Boas seinen Schuh)

-       Andacht am 16.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Du glättest die Wogen“

Hier der Notensatz <klick>

Du glättest die Wogen

Du bist mein Lotse, mein Leuchtturm in der Nacht.

Dein Licht weist mir den Weg in schweren Zeiten.

Du bist mein Kompass, mein Steuer und Radar.

Du hältst mich sanft auf Kurs, willst mich begleiten.

 

Du glättest die Wogen und alles wird leise.

Du glättest die Wogen auf meiner Reise.

Du nimmst mir die Angst und schenkst mir das Leben,

hast alles gegeben, im Großen und ganz.

 

Der Sturm wird stärker, die Wellen schlagen schwer.

Du trägst mich selbst durch diese rauen Tage.

Du bist der Anker, der mich am Boden hält.

Du schärfst den Blick in aussichtsloser Lage.

 

Du glättest die Wogen und alles wird leise.

Du glättest die Wogen auf meiner Reise.

Du nimmst mir die Angst und schenkst mir das Leben,

hast alles gegeben, im Großen und ganz.

 

Du flickst mein Segel mit Liebe und Geduld.

Du tröstest mich und lässt mich sicher schlafen.

Und ganz am Ende, wenn jeder Ton verklingt,

dann kehre ich zurück in deinen Hafen.

 

Du glättest die Wogen und alles wird leise.

Du glättest die Wogen auf meiner Reise.

Du nimmst mir die Angst und schenkst mir das Leben,

hast alles gegeben, im Großen und ganz.

 

Text (zu Psalm 23): Miriam Buthmann

Musik: Miriam Buthmannwww.monatslied.de

 

-       3. Evangelium Johannes 6, 60-69

60 Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören? 61 Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? 62 Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? 63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. 64 Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn ausliefern würde. 65 Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. 66 Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm umher. 67 Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? 68 Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. 69 Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Da lagen sie nun also satt im Gras. Am Fuße eines Berges am Galiläischen Meer. Viele tausend Menschen lagen da und dösten. Die Bäuche gefüllt. Zufrieden.

Was für ein toller König da doch zu ihnen gekommen war. Nicht nur, dass er durch die Lande zog und Kranke heilte. Nein, von 5 Broten und 2 Fischen machte er sie alle satt. Solch einem König wollten sie gern folgen.

Und dann beschimpft dieser König sie so übel. In Kapernaum. Nicht wegen der Zeichen seien sie gekommen, sondern wegen des Brotes. Ja, klar. Sie wollten ihm folgen und Jesus sorgte für ihr Wohlbefinden. Wo war das Problem?

Ist Jesus eigentlich hartherzig? Er hatte ihnen ja schon einiges an den Kopf geworfen. „Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ oder zu dem Mann, der seinen Vater begraben wollte: „Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber folge mir nach.“ Und nun scheint dieser Kerl vollends übergeschnappt zu sein. Sein Fleisch sollen wir essen, sein Blut trinken.

„Ärgert euch das?“ Ja, Jesus, manchmal ärgere ich mich über dich. Im ersten Moment. Weil ich soviel nachdenken muss. Und verstehen.

Beim Schreiben dieser ganzen Andachten habe ich so viele Aha-Erlebnisse. Das ist sehr mühsam. Ich muss viel nachschlagen und davor und danach und quer lesen. Aber dann staune ich immer wieder, dass hier von den grundlegenden Dingen unseres Lebens gesprochen wird. Die ich aus dem Philosophiestudium meines früheren Lebens kenne. Die Bibel ist keine Beruhigungspille für alte Omis.

Jesus Christus zu folgen ist nicht leicht. Jesus füllt weder unsere Mägen noch unsere Schatullen. Jesus Christus füllt unsere Köpfe. Er berührt unsere Seele. Er kümmert sich um unseren Leib, nicht um unseren Körper.

Und da scheidet sich die Spreu vom Weizen. All jene, die ein Schlaraffenland erträumten unter diesem König, werden nun noch enttäuschter. Am Kreuz wird er enden. Und nun treibt er es noch bunter: „Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war?“

Ja, Jesus ist hart. Und manchmal schmerzhaft. Weil wir uns trennen müssen von Gewohnheiten und Dingen, die einst lieb uns waren. Und manchmal auch von Menschen. Ein Sonntagschrist zu sein genügt nicht. Ganz oder gar nicht.

Jesus hält sie nicht zurück, die, die da gehen wollen. Das wirkt verstörend. Wir wollen doch niemanden wegschicken. Da will Jesus auch nicht, aber ihm sind 12 lieber, die glauben und erkennen, als 1000, die Brot und Fisch essen.

In diesen Zeiten ist es äußerst schwierig bis unmöglich, Jesu Fleisch zu essen, Jesu Blut zu trinken. Und doch ist es das, was uns verbindet mit ihm, mit seinem Vater und auch uns untereinander.

Aber wir können daran denken, wenn wir am nächsten Donnerstag einen Gottesdienst feiern zum Fest Jesu Himmelfahrt. In Kösterbeck findet er wieder statt unter freiem Himmel. Man kann mit dem Fahrrad dorthin fahren, um 9.30 Uhr geht es am Pfarrhaus los. Oder privat mit dem Auto. Informationen dazu finden Sie an allen bekannten Stellen.

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

manchmal müssen wir scheiden.

Wahrheit von Unwahrem.

Nützliches von Unnützem.

Gut von Böse.

Geld von Wert.

Du bist der, der weiß,

von Fisch und Brot werden wir nicht satt.

Du bist der König, der kein König ist,

das Lamm, das kein Löwe ist,

der Held, der sich nicht feiern lässt.

Du gibst dein Fleisch,

und es fällt schwer, davon zu essen,

du gibst dein Blut,

und es fällt schwer, davon zu trinken.

Und dann fährst auf  zu dem du,

von dem einst du kamst.

Aber: erstrahlen wird in neuem Glanz

verheißend die neue Welt.

Und immer wieder öffnest deine Arme du

für das, was einst geschieden ward.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Jona Opfer“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 15.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Christe, du Lamm Gottes“

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-       3. Bibeltext Offenbarung 5, 6-14

 

6 Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Wesen und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. 7 Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. 8 Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, 9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen 10 und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. 11 Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Wesen und um die Ältesten her, und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und vieltausendmal tausend; 12 die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. 13 Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! 14 Und die vier Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

 

-       4. Gedanken zum Bibeltext von Stephan Koepke

 

Da ist ein Buch. Groß und schwer. Gewichtig liegt es in der Hand Gottes. Blitze zucken, Stürme fegen. Etwas steht außen auf den Buchdeckeln. Und viel mehr darinnen. Aber verschlossen ist der dicke Foliant. Mit sieben Siegeln. Es donnert. Und es wartet.

Auf den einen. Einer wird der Richtige sein. Einer wird kommen und lesen in dem Buch. Einer wird wissen. Auf den Einen warten so viele. Ein Schwert in einem Felsen in England wartete auf den Einen. Oder eine schlafende Prinzessin in einem Schloss hinter Dornenhecken. Aber Einer wird kommen. Das ist gewiss.

So viele Bücher warten. In Buchläden warten sie, in Universitätsbibliotheken, in verstaubten Kämmerlein, in Felsenverstecken. Einer wird kommen und sie nehmen und aufschlagen und in ihnen zu lesen beginnen. Das ist das erste Siegel. Er wird umblättern und weiterlesen. Das zweite Siegel. Bei Dunkelheit entzündet er ein Licht. Das dritte Siegel. Das Buch rührt ihn an. Er lacht und weint. Das vierte Siegel. Er beginnt, zu verstehen. Das fünfte Siegel. Das Buch wird ihm wert. Zärtlich streicht er über den Einband. Das sechste Siegel. Er schlägt es zu und beginnt zu tun. Das ist das siebte Siegel.

Etwas steht außen und viel mehr darinnen. Wie bei uns Menschen. Und Einer wird kommen und in uns lesen. Die sieben Siegel fallen.

Als Lamm kommt dieser Eine daher. Geschlachtet. Erbärmlich anzuschauen. So verletzlich. So schwach. Das hatten viele nicht erwartet. Der König ist kein Löwe, sondern ein Lamm. So oft im Leben warten wir auf den Falschen, während der Richtige längst an uns vorbei gegangen ist.

Dieser König, der ein Lamm ist, nimmt das Buch. Aus den Händen dessen, der auf dem Thron sitzt. Aus den Händen Gottes. Der Eine, der das Buch nehmen kann, ist endlich da. Halleluja. Was für ein Osterfest.

Und mit diesem König erklingen neue Lieder. Und es sind alles Liebeslieder.

Das alles wird geschehen, wenn jedes Geschöpf lobt und preist, wie Johannes es gesehen hat. Eine Vision.

Bis dahin sind noch viele Bücher zu lesen. Manche sind verstaubt und vergessen und müssen erst wiederentdeckt werden. Manche sind noch nicht geschrieben.

Ostern ist nicht nur einmal im Jahr. Ostern ist immer dann, wenn Einer anfängt zu lesen.

 

-       5. Irisches Gebet

Gott gebe Dir

für jeden Sturm einen Regenbogen,

für jede Träne ein Lachen,

für jede Sorge eine Aussicht,

und eine Hilfe in jeder Schwierigkeit,

für jedes Problem,

das das Leben schickt,

einen Freund, es zu teilen,

für jeden Seufzer ein schönes Lied

und eine Antwort auf jedes Gebet.

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 


(„Jona Wort“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 14.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Strahlen brechen viele aus einem Licht“

EG268

268:2 Zweige wachsen viele aus einem Stamm. Unser Stamm heißt Christus. Zweige wachsen viele aus einem Stamm – und wir sind eins durch ihn.

268:3 Gaben gibt es viele, Liebe vereint. Liebe schenkt uns Christus. Gaben gibt es viele, Liebe vereint – und wir sind eins durch ihn.

268:4 Dienste leben viele aus einem Geist, Geist von Jesus Christus. Dienste leben viele aus einem Geist – und wir sind eins durch ihn.

268:5 Glieder sind es viele, doch nur ein Leib. Wir sind Glieder Christi. Glieder sind es viele, doch nur ein Leib – und wir sind eins durch ihn.

 

-       3. Epistel 1. Korinther 14, 6-9

6 Nun aber, Brüder und Schwestern, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetie oder der Lehre? 7 So verhält es sich auch mit leblosen Instrumenten, es sei eine Flöte oder eine Harfe: Wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird? 8 Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zur Schlacht rüsten? 9 So auch ihr: Wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Kommen Sie bitte mit. Wir gehen in unsere Kirche. Darin sind etwa 50 Personen. (Ich weiß, dass ist derzeit nicht möglich, aber nehmen wir an, es sei so.) Jede Person hält in ihrer Hand ein kleines Schächtelchen. Darin befindet sich etwas, dass wir „Käfer“ nennen. Aber jede Person kann nur in ihr Schächtelchen sehen, nicht in die Schachtel des Nachbarn. Wenn Sprache so funktionierte, wüssten wir nie, was ein Käfer ist.

Dieses Beispiel des Privatsprachenproblems stammt nicht von mir, sondern von Ludwig Wittgenstein aus seinen „Philosophischen Betrachtungen“. Ich weiß, etwas schwer. Nehmen wir ein anderes Beispiel.

Ein Kind sitzt beim Arzt und berichtet von Schmerzen. Der Arzt fragt genau nach: „Wo genau hast du die Schmerzen? Sind die Schmerzen pochend, klopfend oder stechend?“ Das Kind starrt ihn verständnislos an. Dass, was es empfindet, kann es nicht mitteilen. Es hat nur gelernt, dass seine jetzige Empfindung unter dem Begriff „Schmerz“ zusammengefasst wird. Aber genau für seine jetzige leibliche Regung gibt es kein Sprachspiel. Schmerz ist immer privat.

Im Musikunterricht hören die Kinder „Peter und der Wolf“. Sie sollen immer dann den Finger heben, wenn die Flöte erklingt oder die Violine. Einigen Kindern gelingt das nicht. Sie haben solch ein Instrument noch nie gehört.

Wir können nur dann von einem Käfer sprechen, wenn wir lernten, welche Erscheinungen dazu gerechnet werden, nur dann Flöten und Violinen erkennen, wenn wir sie schon einmal hörten.

Wittgenstein verzweifelte so sehr an seinem Problem, dass er es eine Zeit lang aufgab, Philosoph zu sein. Und Friedhofsgärtner wurde.

„Zungenrede“, das ist ein ungewöhnlicher Ausdruck, den wir heute nicht mehr benutzen. Wir reden auch nicht mehr in Zungen. Zu sehr sind wir an das Sprachspiel gewöhnt. Zungenrede, das ist auch die individuelle Kommunikation mit Gott. Die unmittelbare Kommunikation. Die nicht vermittelte. Wenn ich so verzweifelt bin, dass ich mich der Sprache, die ich kenne, nicht bedienen mag. Einer Sprache, die kein Anderer versteht. Außer Gott. Und so mag denn das Medium „Sprache“ auch eines sein, das mich von Gott trennt. Wie merkwürdig.

Wenn meine Sprache aber eine Wirkung erzielen soll beim Anderen, dann soll ich deutlich sprechen. „Was würde ich euch nützen, wenn ich in Zungen redete.“ So sagt Paulus. Wir würden „in den Wind reden“.

Ja, manchmal müssen wir deutlich werden. Sagen, was wir meinen. Die Flöte von der Harfe unterscheiden.

Das ist nicht immer leicht. Weil Wörter auch verletzen können. Weil wir nach den richtigen Wörtern suchen müssen. Weil Sprache nicht immer deckungsgleich ist mit dem, was wir ausdrücken wollen.

Öffnen wir also nun unsere Schächtelchen und zeigen einander, was darinnen ist. Wir werden viele Gemeinsamkeiten feststellen zwischen unseren Käfern. Und doch ist jeder auch höchst individuell.

Sprache ist ein Hilfsmittel, um uns miteinander zu verständigen. Wenn ich aber genau den Schmerz fühlen will, den der Andere hat, dann muss ich er sein.

Ich finde es tröstlich, dass ich zumindest Gott unmittelbar begegnen kann. Gott kennt den Schmerz, den ich fühle. Gott teilt die Freude, die ich meine.

 

-       5. Gebet

Du anrührender Gott!

Manchmal sprechen wir

und hören doch nicht.

Manchmal hören wir

und sprechen doch nicht.

Manchmal verzweifeln wir

und nichts kann uns trösten.

Vor dich wollen wir treten

um zu trauern,

um zu feiern,

um zu singen,

um zu trösten,

um unterzugehen,

um zu fliegen,

um zu fallen und wieder aufzustehn.

Denn du bist der unmittelbare Gott.

Vor dich wollen wir treten,

um die Sprache zu sprechen,

die du meinst.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 9“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – die Hochzeit von Rut und Boas)

-       Andacht am 13.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Aufstehn, aufeinander zugehn“

Aufstehn

-       3. Epistel Römer 15, 14-21

14 Ich weiß aber selbst sehr wohl von euch, meine Brüder und Schwestern, dass auch ihr selber voll Güte seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, sodass ihr euch untereinander ermahnen könnt. 15 Ich habe euch aber zum Teil sehr kühn geschrieben, um euch zu erinnern kraft der Gnade, die mir von Gott gegeben ist, 16 sodass ich ein Diener Christi Jesu unter den Heiden bin, der mit dem Evangelium Gottes wie ein Priester dient, auf dass die Heiden ein Opfer werden, das Gott wohlgefällig ist, geheiligt durch den Heiligen Geist. 17 Darum kann ich mich rühmen in Christus Jesus, dass ich Gott diene. 18 Denn ich werde nicht wagen, etwas zu reden, das nicht Christus durch mich gewirkt hat, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen durch Wort und Werk, 19 in der Kraft von Zeichen und Wundern und in der Kraft des Geistes Gottes. So habe ich von Jerusalem aus ringsumher bis nach Illyrien das Evangelium Christi voll ausgerichtet. 20 Dabei setze ich meine Ehre darein, das Evangelium zu predigen, wo Christi Name noch nicht genannt wurde, damit ich nicht auf einen fremden Grund baue, 21 sondern wie geschrieben steht (Jesaja 52,15): »Denen nichts von ihm verkündigt worden ist, die sollen sehen, und die nichts gehört haben, sollen verstehen.«

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

„Die Chinesen wollen die Weltherrschaft an sich reißen.“ „Bill Gates hat den Virus entwickelt.“ „Gegen Zwangsimpfungen.“ „Die Bundesregierung raubt uns unsere Freiheit.“

Sie stehen auf dem Marktplatz. Einige tragen Masken, andere nicht. Im Verlauf der Demonstration schert sich niemand mehr um den Mindestabstand. Später fliegen sogar Flaschen. Es wird diskutiert, wer da eigentlich demonstriert. Rechte, Linke, AfD, Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger. Irgendwie scheint alles dabei zu sein.

Schütteln wir den Kopf? Gehen wir mit? Oder vorüber?

Haben wir unsere Freiheit geopfert? Viele Theoretiker meinen, dass die Freiheit nicht absent sei, da sie nur vorübergehend eingeschränkt würde. Dann wäre Freiheit die Wiederherstellung all der Rechte, die wir vor der Corona-Pandemie hatten. Die Wiederherstellung des Ausgangszustands.

Unsere Welt aber wird nicht die gleiche sein. Firmen sind geschlossen worden, Menschen haben ihre Arbeit verloren, niemand will mehr Autos kaufen, beim Reisen bleiben wir misstrauisch, Menschen sind gestorben. Wenn die Kirchen wieder offen sind, sind sie nicht gleich wieder voll.

Ja, wir alle opfern etwas. Die Osterfeierlichkeiten waren ein großes Opfer. Der Besuch der Verwandten war ein Opfer. Die Kontaktsperre zu Menschen in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern ist ein Opfer. Der Schulbesuch ist ein Opfer.

Wir alle suchen nun nach Wegen, wie wir sozial, kulturell, auch ökonomisch und eben auch religiös miteinander umgehen wollen in dieser Zeit danach. Es gibt ein Entwicklungspotenzial. Einen „shut down“ hat es nie gegeben, denn es wurde ja nichts ausgeschaltet wie das Licht einer Lampe. Die Lampe war stark gedimmt, aber geleuchtet hat sie immer noch.

Wir haben ja nicht aufgehört, mit Gott zu sprechen, manch einer mag sogar noch mehr gebetet haben. Manchmal tun wir es auch miteinander, nur eben jeder von sich daheim. Eine Flöte erklingt in der Kirche immer noch.

Die Opfer, die wir gaben, waren keine Opfer, die nahmen, sondern Opfer, die etwas gaben. Gesundheit. Sicherheit. Leben. Die Chance auf das Weiter.

Wenn aus einem Heiden ein Christ wird, bedeutet das nicht, dass die Person aufhört zu existieren. Dass ihm jemand das Herz aus der Brust schneidet und auf den Altar legt.

Das Opfer der Heiden ist ein Neubeginn. Ein Anfang. Eine Freiheit zur Gestaltungsmöglichkeit im Horizont dessen, was ich bin. Weil ich etwas hörte und sah. Weil ich etwas hörte und verstand.

Viele haben schon oft gehört. Und wieder vergessen. Einige wissen und handeln nicht immer danach. Da kann es nicht schaden, wenn einer kommt und erinnert. Weil wir fehlbar sind.

Da stehen sie immer noch auf dem Marktplatz und geifern und schimpfen. Sie scheinen darauf zu warten, dass sie erst richtig loslegen können. Viele auch gerade aus meiner Generation. Mit Angst in den Blicken und Sorgen. Was wird morgen sein?

Ich bleibe stehen und denke: Paulus, hier hast du noch einiges zu tun. Hier haben wir noch einiges zu tun.

 

-       5. Gebet

Ewig schöpferischer Gott!

Vor deiner Allmacht erblassen wir,

deine Unendlichkeit macht uns schwindeln.

Deine Türen sind nie verschlossen.

Wenn wir fallen,

richtest du uns auf.

Wenn wir straucheln,

gibst du uns Balance.

Wenn wir blind sind,

bist du uns Licht.

Wenn wir taub sind,

erzählst du es noch mal.

Und wenn wir stumm sind,

zeigst du uns,

wie wir morgen sprechen können.

Deine Türen sind nie verschlossen.

Für jede verschlossene Tür unseres Lebens

öffnest du zwei neue.

Du bist uns unendliche Möglichkeit.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(Pullover von Anita Lasker-Wallfisch aus dem Imperial War Museum London © IWM EPH 7249)

-       Andacht am 12.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Amazing grace“

Amazing Grace

'Twas grace that taught my heart to fear,

And grace my fears relieved.

How precious did that grace appear

The hour I first believed.

 

Through many dangers, toils and snares

I have already come,

'Tis grace has brought me safe thus far

And grace will lead me home.

 

The Lord has promised good to me

His word my hope secures;

He will my shield and portion be,

As long as life endures.

 

Yea, when this flesh and heart shall fail,

And mortal life shall cease

I shall possess within the veil,

A life of joy and peace.

 

-       3. Bibeltext 1. Samuel 16, 14-23

14 Der Geist des HERRN aber wich von Saul, und ein böser Geist vom HERRN verstörte ihn. 15 Da sprachen die Knechte Sauls zu ihm: Siehe, ein böser Geist von Gott verstört dich. 16 Unser Herr befehle nun seinen Knechten, die vor ihm stehen, dass sie einen Mann suchen, der auf der Harfe gut spielen kann, damit, wenn der böse Geist Gottes über dich kommt, er mit seiner Hand darauf spiele, und es besser mit dir werde. 17 Da sprach Saul zu seinen Knechten: Seht nach einem Mann, der des Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir. 18 Da antwortete einer der jungen Männer und sprach: Ich habe gesehen einen Sohn Isais, des Bethlehemiters, der ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön, und der HERR ist mit ihm. 19 Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen: Sende deinen Sohn David zu mir, der bei den Schafen ist. 20 Da nahm Isai einen Esel und Brot und einen Schlauch Wein und ein Ziegenböcklein und sandte es Saul durch seinen Sohn David. 21 So kam David zu Saul und diente ihm. Und Saul gewann ihn sehr lieb, und er wurde sein Waffenträger. 22 Und Saul sandte zu Isai und ließ ihm sagen: Lass David mir dienen, denn er hat Gnade gefunden vor meinen Augen. 23 Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

In London, im Imperial Was Museum, hängt ein roter Pullover. Den hat eine junge Frau gegen ein Stück Brot getauscht. In Auschwitz. Und getragen bis zum Tag ihrer Befreiung. 19 Jahre war sie da. Und fühlte sich wie 90.

„Schick mir keine Kleider, nur Noten für das Cello.“ Das schrieb diese Frau später an ihre Schwester. Bedürfnisse hat sie nur in der Musik. Sie bittet um Verständnis, dass sie kein Verständnis hat für Menschen, die 15 Paar Schuhe besitzen.

Ob die Musik ihr das Leben rettete, wird diese Frau oft gefragt. Anita Lasker-Wallfisch muss diese Frage mit ja beantworten. Angst hatten all die Mädchen in dem Orchester vor Alma Rosè. Die war die Kapellmeisterin. Mit unerbitterlicher Strenge trieb sie die Mädchen zur Musik.

Die Cello-Spielerin stammt aus Breslau. Dort liebte sie die Musik. Sie spielte in jeder freien Minute auf ihrem Cello. Bis sie als Jüdin an diesem grauenvollen Ort landete.

Niemand hat sie je gefragt, ob sie hier die Liebe zur Musik verlor.

Immer wieder mussten die Mädchen dieses eine Lied üben. Schumanns „Träumerei“. Noch einmal. Und noch einmal. Kalt war es. Die Mädchen hatten Hunger und froren. Ihre dünnen Finger verzweifelten an den kalten Instrumenten. Und mussten ihnen doch Töne entlocken. Schumanns „Träumerei“.

Und irgendwann dann tauchte dieser Mann auf. In Uniform. Hohe Stiefel, Reiterhosen. Pistole im Halfter und Totenkopf an der Mütze. Er setzte sich und lauschte. Schumanns „Träumerei“ wollte der Lagerarzt Josef Mengele immer wieder hören.

Was machte diese Musik mit ihm? Vergaß er dann, wer er war und was er tat? Oder ermutigten ihn die Töne zu seinen Taten? Gibt es das Böse in der Musik?

Diese Frage trieb viele Jahrzehnte später Studenten an der Universität Rostock um. Wir hörten und hörten. Alle Wagner dieser Welt. Und sprachen mit Dozenten der HMT. Wir fanden es nicht. Da ist nichts Böses in der Musik. Da sind Töne und Klänge, Gefühle, Lächeln, Tränen, Erinnerungen, Träume. Aber nichts davon tötet.

Die jungen Mädchen in der Kälte hatten Angst vor der Kapellmeisterin. Mehr als vor dem Grauen, dass täglich um sie herum geschah. Und sie sahen nur die Noten. Und hatten keine Kraft mehr, das Grauen zu sehen.

Kantate, so hieß der letzte Sonntag. Singet dem Herrn. Nun ist es nicht gestattet. Und hörte sich auch grauenhaft an hinter Masken gebrummelt. Aber eine Flöte war da und ließ erklingen die Hoffnung, und eine Orgel.

Musik kann Leben retten. Musik kann heilen. Sie gibt Hoffnung.

Die junge Cellistin aus Breslau trug nur einmal in ihrem Leben einen roten Pullover. Bis sie ihren Glauben wieder verlor. An die Menschen und an Gott. Aber nicht an die Musik. Heute trägt sie lieber Noten als rote Pullover.

Mit Musik können wir danken. Und loben. Und preisen.

Solange da noch eine Flöte erklingt in der Kirche sei uns dies ein Zeichen der Hoffnung. Auf mehr. Dass wir die Masken abnehmen und singen. Und loben. Und preisen.

 

-       5. Gebet (aus der Sammlung der VELKD zum Sonntag Kantate)

Neue und alte Lieder wollen wir dir singen, o Gott,

denn unser Glaube lebt in diesen Liedern,

die wir dir singen, als deine Gemeinde.

 

Doch noch müssen wir leben in liedloser Zeit,

verschlossen die Münder, stumm die Instrumente,

hier bei uns und an vielen Orten dieser Erde.

 

Aber unser Gebet können wir dir sagen,

gemeinsam vor dich treten, das vor dich bringen,

was uns bewegt, was dein Geist uns eingibt.

 

So bitten wir für all die Menschen, die krank sind

oder im Sterben liegen. Und für die Menschen,

die anderen dienen in Therapie und Pflege.

 

So bitten wir für all die Menschen, die sich sorgen

um die Seelen der Einsamen, die Verbindungen suchen

und Nähe schaffen, wo Trennung herrscht.

 

So bitten wir für all die Menschen, die in Sorge sind

um ihren Lebensunterhalt. Und für die Menschen,

die Verantwortung übernehmen für das wirtschaftliche Leben.

 

Wir sehnen uns zurück nach einem Leben mit frohen Liedern,

offenen Gesichtern und herzlichen Begegnungen,

so bitten wir dich: Komm uns entgegen, du unser Gott!

 

Amen.

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 1“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – Elimelech geht mit seiner Familie in das Land der Moabiter)

-       Andacht am 11.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Wie ein Licht in Nacht“

Hier der Notensatz <klick>

Wie ein Licht (Friederike Ullmann, Ingo Hassenstein)

Einsame Straßen, menschenverlassen.

Ängstliche Herzen, leuchtende Kerzen.

Teure Geschenke, leere Beschenkte.

Glanzvoller Ausklang, ein neuer Anfang.

Wie ein Licht in der Nacht scheinst du hell mit aller Kraft.

Alles Gold dieser Welt ist ohne dich nichts wert.

Aufbruch zum Frieden, Ängste besiegen.

Nacht überwinden, Helligkeit finden.

Wie ein Licht in der Nacht scheinst du hell mit aller Kraft.

Alles Gold dieser Welt ist ohne dich nichts wert

Denn ein Licht brennt in dir und ich fühle, du bist hier.

Alles Gold dieser Welt ist ohne dich nichts wert.

 

-       3. Bibeltext 2. Mose 1, 1-11

1 Dies sind die Namen der Söhne Israels, die mit Jakob nach Ägypten kamen; ein jeder kam mit seinem Hause: 2 Ruben, Simeon, Levi, Juda, 3 Issachar, Sebulon, Benjamin, 4 Dan, Naftali, Gad, Asser. 5 Und alle zusammen, die von Jakob abstammen, waren siebzig an der Zahl. Josef aber war schon vorher in Ägypten. 6 Und Josef starb und alle seine Brüder und alle, die zu der Zeit gelebt hatten. 7 Die Israeliten aber waren fruchtbar, und es wimmelte von ihnen, und sie mehrten sich und wurden überaus stark, sodass von ihnen das Land voll ward. 8 Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef 9 und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk der Israeliten ist mehr und stärker als wir. 10 Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Land hinaufziehen. 11 Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit schweren Diensten bedrücken sollten. Und sie bauten dem Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratsstädte.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

„Was wolltest du eigentlich werden?“ Verständnislos blickt mein Gegenüber mich an. Die Locken auf seinem Kopf werden schon ein bisschen grau, erste Falten im braunen Gesicht. Nikotingefärbte Finger drehen zitternd eine Zigarette. „Ich hatte doch keine Wahl.“

„Aber, als du ein Kind warst, 14, 15 Jahre alt, da hattest du doch Träume?“ Sinnend sieht Goitom über die vierspurige Fahrbahn vor uns auf die gegenüberliegende Schule. „Eigentlich wollte ich Lehrer werden. Oder vielleicht Arzt.“

Wir stehen auf dem Parkplatz vor dem Verwaltungsgericht in Schwerin. Gleich werden wir hineingehen und ein Richter wird darüber entscheiden, ob Goitom zurück muss nach Italien oder ob sein Asylantrag in Deutschland bearbeitet wird.

Wir haben noch Zeit und Goitom erzählt: Eigentlich wäre ich gern Lehrer geworden und hätte meinen Eltern dann helfen können mit Geld. Wir lebten in einem kleinen Dorf und meine Eltern betrieben eine kleine Landwirtschaft, mit der wir uns mühsam über Wasser halten konnten. Und als ich dann meine Schule fertig hatte, da kamen die Soldaten auch in unser Dorf, um mich zu holen. Weglaufen ist zwecklos, dann können sie einen fangen und einsperren oder erschießen. Wo soll man auch hinlaufen? Und so kam auch ich zur Armee und musste kämpfen.

Eigentlich wäre ich gern Lehrer geworden.

Dann war da dieser furchtbare Krieg mit unserem Nachbarn und die Kugeln pfiffen um unsere Köpfe und Rauch der einschlagenden Granaten verdunkelte die Sonne. Meine Kameraden schossen nicht mehr, denn sie waren tot. Ich war am Bein verletzt und konnte mich nicht bewegen. (Er zieht sein Hosenbein hoch und zeigt mir die Narben.) Dann war es plötzlich ruhig und die äthiopischen Soldaten nahmen mich gefangen.

Sie brachten die, die noch übrig waren, in ein Lager nach Äthiopien. Da war es eigentlich ganz schön. Wir bekamen zu essen und durften Fußball spielen. Dann kamen die Vertreter vom Internationalen Roten Kreuz und sagten, dass wir in unsere Heimat zurückkehren könnten, wir bräuchten keine Soldaten mehr zu sein. Da ging auch ich zurück.

Eigentlich wollte ich Lehrer werden.

Ich wollte zu meinen Eltern und ihnen mit der Landwirtschaft helfen. Und landete wieder bei der Armee. Immer, wenn ich fragte, wie lange ich noch bleiben müsse, schlugen sie mich. Einmal sperrten sie mich auch ein. Das ging 6 Jahre so. Und immer versprachen sie, im nächsten Jahr, da kannst du gehen. Und dann kam das nächste Jahr und sie versprachen es wieder. Und wenn ich erzählte, was das Rote Kreuz gesagt hatte, da schlugen sie mich und sperrten mich ein. Einmal in dieser Zeit durfte ich meine Eltern besuchen.

Eigentlich wollte ich Lehrer werden.

Irgendwann hielt ich das nicht mehr aus und bin fortgelaufen über die Grenze nach Äthiopien. Da gibt es große Lager, da leben viele meiner Landsleute. Aber wenn du dich einrichtest in diesen Lagern, dann kommst du da nicht mehr raus. Dann sitzt du fest. (nach internationalen Schätzungen leben derzeit 750000 Eritreer in äthiopischen Auffanglagern, die Dunkelziffer ist vermutlich viel höher)

Ich wollte nach Europa. Ich hatte gehört, dass man da gut leben kann und sie einen nicht schlagen und ich vielleicht arbeiten kann und Geld verdienen, dass ich dann meinen Eltern schicke.

Eigentlich wollte ich Lehrer werden.

Im Sudan hab ich dann gearbeitet, um das Geld zu verdienen für den Weg nach Europa. Auf dem Bau oder als Taxifahrer oder Straßenfeger. Im Sudan ist es sehr heiß und ich hatte viel Durst.

Dann bin ich nach Libyen. Wie war es da, will ich fragen. Aber an seinen Augen sehe ich, dass ich diese Fragen nicht stellen sollte. Über Libyen reden sie nicht. Keiner von ihnen.

Ich hab nicht gefragt, wie viele sie auf das Holzboot gequetscht haben, ich war froh, dass ich einen Platz hatte. Die Menschen auf dem Boot sprachen nicht und weinten nicht und sangen nicht. Ganz ruhig war es. Nur das Wasser an den Planken plätscherte.

Dann zogen sie unser Holzboot auf das Meer und kappten sie Seile. Dann waren wir allein. Und als die Sonne aufging und wir sehen konnten, wo wir waren, fingen die Leute an zu schreien und zu weinen.

Eigentlich wollte ich Lehrer werden.

Wir hatten Glück, bald tauchte ein Boot der Italienischen Küstenwache auf und zog uns an Land.

Das war nun Europa. Müde, abgezerrt und ausgeweint krabbelten wir auf die hohe Kaimauer. Hier standen Soldaten mit Masken vor den Gesichtern. Die Schlepper hatten uns eingeschärft, dass wir uns auf keinen Fall in Italien registrieren sollten, dann kämen wir da nicht wieder weg. Wenn wir die Hand zur Faust ballten, damit sie die Finger nicht auf den Sensor pressen konnten, dann schlugen sie uns.

Ich weiß nicht mehr, mit wie vielen Zügen oder Bussen wir fuhren. Ich weiß nicht mehr, wie viele Kilometer wir zu Fuß gingen und wie die Länder alle hießen, durch die wir kamen. Aber irgendwann waren wir in Deutschland. Hier wollten wir bleiben.

Alle meine Freunde, mit denen ich diesen Weg gegangen bin, sind längst anerkannte Flüchtlinge. Nur mich wollten sie zurück nach Italien schicken. Irgendwie ging alles schief.

Wir müssen jetzt los, in das Gerichtsgebäude.

Im Verhandlungssaal sitze ich als einziger Zuschauer auf den Stühlen hinter Goitom. Sein Rechtsanwalt ist da und ein Richter. Für das BAMF ist niemand gekommen. Schnell ist klar, dass Goitom nun in Deutschland bleiben darf, nachdem nach Ablauf der Überstellungsfrist, während der Goitom auf kirchlichem Grund unter Schutz stand, bestätigt ist.

Ich sehe den Richter an und denke: eigentlich wollte Goitom Lehrer werden.

Da sind noch viele Goitoms und Brhanes und Samuels und Habens, die wollen auch nach Europa. In den Lagern in Äthiopien träumen sie oder auf einer Baustelle im Sudan oder in den Sklavenlagern in Libyen. Manche auch als Skelett in der Wüste oder ertrunken auf den Gründen der Meere.

Und ich bin nicht Ramses II., der erstarrt vor der Vielzahl all dieser Menschen. Und sich fürchtet.

Denn ich weiß: eigentlich wollten sie alle Lehrer werden.

 

-       5. Gebet

Du leuchtender Gott,

viele Lichter braucht diese Welt.

In der Dunkelheit der Kriege,

in den Verliesen und Kerkern,

auf Wegen durch Wüsten und Meere.

Leuchte du uns, leuchte!

Wir hier haben viele Fragen.

Und noch mehr Antworten.

Leuchte du uns, leuchte!

Schein in die Herzen der Ängstlichen,

der Hartherzigen,

der Hassenden,

der Mutlosen,

der Verzweifelten,

der Einsamen.

Scheine du uns, scheine!

In jeder Sonne,

jedem Mond,

jeder Lampe in der Dunkelheit,

jeder Kerze,

in den Augen der Kinder,

durch die Fenster in unsere leeren Gotteshäuser.

Scheine du uns, scheine!

Und wärme unsere Herzen.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


Kleiner Gottesdienst zum Sonntag Kantate, 10.5., von Vikar Tobias Lorenz

-       10 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

(35 Personen dürfen auch in die Kirche kommen)

 „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Kantate – Singet. So ist der heutige Sonntag nach dem ersten lateinischen Wort von Psalm 98 benannt. Ein fröhliches und jubelndes Frühlingslied.

In unseren Jonah-Andachten singen wir täglich von zu Hause in unsere Nachbarschaft hinaus. Wir singen von unseren Balkonen, Terrassen aus oder über Fensterbänke hinweg. Lassen Sie uns heute besonders achtsam auf die Töne, Melodien und Rhythmen achten – in Texten wie in Liedern.

Unser Singen, Beten und Lesen geschehe im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

-       2. Palm 98

1 Singet dem HERRN ein neues Lied,

denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

2 Der HERR lässt sein Heil verkündigen;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

3 Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

4 Jauchzet dem HERRN, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

5 Lobet den HERRN mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

6 Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem HERRN, dem König!

7 Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

8 Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich

9 vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Amen.

 

-       3. Lied „Ich sing dir mein Lied“

Ich sing dir mein Lied

-       4. Bibeltext: 2.Chronik 5,2-14

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. 6 Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte.

7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, 8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. 9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. 10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen.

11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte –, 12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus Lerfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

-       5. Impuls zum biblischen Text

 

Liebe Gemeinde,

 

der Tempelbau ist vollendet und mit König Salomo versammeln sich alle – die ganze Gemeinde Israels. Es ist ein prächtiger Bau und ein prächtiges Fest. Ich stelle mir ein buntes Treiben vor. Mitwirkende und Schaulustige haben sich gleichermaßen schön gemacht für diesen Tag, die besten und buntesten Kleider aus dem Schrank geholt. Auf den Straßen stehen Händler, die die Menschenmassen mit dem Nötigsten versorgen an Getränken und Essen. Es liegt ein großer Jubel in der Luft. Endlich ist sie wieder da: Eine sichtbare Verbindung zur Quelle und Schöpferkraft des Lebens. Der Tempel, Wohnung Gottes, verdichtete und sichtbare Spur des Heiligen.

Salomo sieht von seinem Thron aus allem gütig zu. War er schon einmal so selig gewesen? So glücklich nach einem großen Bauprojekt? Seine Gedanken spinnen sich in seinem Inneren weiter zu immer größeren Netzen, während vor ihm die Priester die Lade des Bundes an ihre Stätte bringen. Der Bund Gottes mit Israel. So viele Bilder werden in ihm wachgerufen. Es sind Bilder, die er aus Geschichten kennt, die die Priester von alten, staubigen Schriftrollen ablesen und Geschichten, die die Alten am Lagerfeuer schon über viele hundert Jahre in der einen oder anderen Art erzählt haben. Manchmal lustiger, manchmal trauriger oder nachdenklicher. Geschichten vom Regenbogen nach der großen Flut, der Himmel und Erde verbindet. Geschichten vom Segen, der so reich ist, wie die Anzahl der Sterne am Himmel über Abraham. Geschichten von Gott als Hüter Israels, der am Horeb in steinernen Tafeln dafür sorgt, dass ein gutes Miteinander in Israel möglich ist.

 

Und dann dieses Wunder. Es fühlt sich an wie ein Kribbeln in Salomos Körper. Gemeinsam singen sie: „Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“. In einem Moment ist alles erfüllt von etwas ganz anderem. Komisch, Salomo sieht, dass die Priester nicht mehr hinein können ins Allerheiligste. . Aber alle singen weiter. Die Priester, die Ältesten, die Mitwirkenden am Fest, die Schaulustigen, ja auch er selbst. Die Melodie reißt nicht ab. Sie erfüllt alle Anwesenden mit dem Gespür, dass jetzt und hier Abstand zu halten ist vom Heiligsten. Zugleich lässt sie ein Gefühl der Verbundenheit zwischen denen entstehen, die ihre Instrumente spielen und singen. Der Gesang und die Musik berühren die Herzen der Anwesenden, die in diesem Moment merken, dass Gott ihnen als Freundin gegenübersteht und sie in seine Arme schließt.

 

Ja, Salomo weiß, dass sie Gott nicht herbeisingen können, als wäre es Magie. Nein. Aber hier in dieser Melodie, in diesem gesungenen Lied ist etwas passiert. Salomo spürt etwas, was die Alten Herrlichkeit Gottes nannten und bis in ferne Zukunft so nennen werden.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 

-       6. Gebet mit Gebetsruf aus Psalm 118,25

 

Wunderbarer Gott,

mit der ganzen Schöpfung singen wir dein Lob.

Du bist die Quelle des Lebens.

Wir bitten dich:

O Herr hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

 

Wunderbarer Gott,

du schenkst Mut, wo Furcht herrscht.

Wir danken dir für alle,

die gerade in diesen Tagen ihre Interessen zurückstellen und für andere einstehen,

indem sie achtsam und bewusst Abstand wahren.

Wir denken an alle, die gerecht und barmherzig handeln.

Für sie bitten wir dich:

O Herr hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

 

Wunderbarer Gott,

du tröstest die Traurigen.

Wir loben dich und danken dir für alle,

die Kranken und Sterbenden beistehen.

Wir denken an die Kranken und Trauernden.

Für sie bitten wir dich:

O Herr hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

 

Wunderbarer Gott,

mit der ganzen Schöpfung singen wir dein Lob.

Du bist die Quelle des Lebens.

Sei uns Schutz und Schirm,

sei uns Hilfe und Stärke.

Mit allen, die zu uns gehören, bitten wir dich:

O Herr hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

 

Amen.

 

-       7. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Jona Mossul“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 9.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Komm in unsre stolze Welt“

EG428

428:2 Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache, dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache. Schaff aus unserm Überfluss Rettung dem, der hungern muss.

428:3 Komm in unsre laute Stadt, Herr, mit deines Schweigens Mitte, dass, wer keinen Mut mehr hat, sich von dir die Kraft erbitte für den Weg durch Lärm und Streit hin zu deiner Ewigkeit.

428:4 Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen. Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen; denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.

428:5 Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle; dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle, die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.

Noten des Liedes anzeigen

 

 

-       3. Bibeltext 1. Mose 2, 1-3

 

1 So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. 2 Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. 3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Fertig! Geschafft! Puh, war das anstrengend! Und jetzt?

Oh, ich könnte noch…Auf unserer to do Liste herrscht nie tabula rasa. So oft wir auch einen Punkt abgearbeitet haben, tauchen immer wieder gleich zwei neue auf. Ständig so viel zu tun.

Wir leben in einer Zeit, in der das Individuum an dem gemessen wird, was es hervorgebracht hat, nicht an dem, was es nicht hervorgebracht hat. So ist es besser, zwei Bücher zu schreiben als einen Baum nicht zu fällen, ein Auto zu bauen als ein Loch nicht zu graben, eine Straße zu teeren als durch den Staub zu gehen. Oder durch Pfützen.

Und nach Möglichkeit soll in diesem Jahr mehr geschafft werden, als im letzten. Ich verstehe nicht, warum eine Firma, die im letzten Jahr 500 Windräder produziert hat und in diesem 498, Konkurs anmelden muss. Oder warum gilt ein Schüler als faul, der in diesem Jahr 32 Lektionen gelernt hat, im letzten Jahr aber 36?

Worin besteht der Wert der Dinge? Für den Marxisten aus London, der doch keiner sein wollte, besteht der Wert eines Kammes darin, dass er mit ihm sein wildes Haar bändigen konnte. Der Wert eines Kammes ist nicht 1,98 Euro.

Es gibt eine Verkauffsshow auf dem Sender, auf dem man mit dem Zweiten besser sieht. Hier verkaufen Menschen Dinge, die sich nicht mehr benötigen. So manches Schmuckstück wird hier mit seiner Geschichte zu Markte getragen. Mir blutet dann immer das Herz. Ich stelle mir vor: Ein Mann hat lange gespart. Er hat sich zusätzlich zu seiner Arbeit als Heizer noch beim Bauern verdingt. Nun betritt er zum ersten Mal in seinem Leben das Schmuckgeschäft, an dem er so oft vorbei ging. Eine Glocke ertönt, als er die Tür öffnet. Sorgfältig wählt er eine funkelnde Brosche aus. Und bezahlt mit dem ganzen gesparten Geld. Behutsam trägt er sie durch die Dunkelheit nach Hause. Und legt sie in die Hand seiner Liebsten. Mit zittrigen Händen öffnet sie die Schatulle. Tränen in den Augen, als sie die funkelnde Brosche da sieht. Morgen, zur Hochzeit, wird sie sie tragen. Die Jahre vergehen. Eine alte, faltige Hand legt die etwas abgestoßene Schatulle in eine junge, glatte. Und erzählt von diesem einen ganz besonderen Abend. Und hat wieder Tränen in den Augen. Sorgsam wird die Schatulle verwahrt. Und sooft die Brosche hervorgeholt wird, erzählt sie funkelnd diese Geschichte. Wie oft mag dieses Döschen seinen Ort gewechselt haben, durch wieviel Krieg und Unbill hindurch wurde es verwahrt.

Und nun? Hervorgezerrt in kaltes Neonlicht. Mit Lupen begutachtet. Zustand? Materialwert? Wieviel kann ich dafür bekommen? Na gut! Für die Urlaubskasse.

Die Symbiose zwischen den Dingen und den Menschen wird verhökert. In klingende Münze verwandelt. Oder sie entsteht erst gar nicht mehr. Das Radio, dass ich heute kaufte, hat nur kurzes Gastrecht. Weil es morgen eines gibt, das Internet kann. Und mir die Welt noch weiter öffnet. Und noch lauter plärrt.

Und wenn die Alten dann gestorben sind, wird ein Container bestellt und der ganze Krempel hineingeworfen. Denn es ist nichts wert…

Wann haben wir Zeit? Nicht, um Pause zu machen, denn eine Pause ist nur eine kurze Zeit zwischen zwei Beschäftigungen. Nein, Zeit, um inne zu halten. Zur Ruhe zu kommen. Wahrzunehmen. Die Dinge zu betrachten.

Gott schenkt uns diesen Tag der Ruhe.

Ich habe einen Vorschlag für Sie: statt aufzuschreiben, was Sie alles noch erledigen müssen, schreiben Sie heute einmal auf, was Sie alles nicht getan haben. Führen Sie eine not to do Liste.

Und vielleicht lauschen Sie einfach dem Rauschen des Äthers auf der Kurzwelle, auf der längst nichts mehr gesendet wird. Oder Sie hören die 1. Sinfonie von Tschaikovsky mit dem Knacksen der Rillen auf der alten Schallplatte. Oder da ist eine abgestoßene Schatulle in Ihrer Schublade. Holen Sie sie hervor. Machen Sie sie auf. Betrachten Sie das Funkeln. Und erinnern Sie sich.

Es sind die Erinnerungen, die uns mit Gott verbinden. Die Erinnerungen an die Menschen, die vor uns gingen, und die Erinnerungen an die, die uns folgen.

 

-       5. Gebet

 

Ruhender Gott!

Du hast getan und es war gut.

Wir hasten vorüber.

Jede Ruhe wird uns zur Qual.

Jede Rast führt zu Ungeduld.

Und wir fragen verzweifelt:

Wann wird das Land wieder geöffnet?

Dein Sohn steht am Ufer

und lädt uns zum Mahl.

Unsere Netze leer.

Vielleicht war heute gar kein guter Tag zum Fischen?

Ruhender Gott,

schenke uns die Kraft, ruhig zu werden.

Die Kraft, deine Gaben anzunehmen.

Die Kraft,

auf die Erde zu weinen,

das bittere Brot zu schmecken,

und im Wind zu fliegen.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-       Andacht am 8.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich“

EG421

-       3. Gedanken zum 8. Mai von Stephan Koepke

„…und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Lukas 1, 79) So weissagt Zacharias über seinen Sohn Johannes. Nachdem Gott ihm seine Stimme zurückgab.

Wir waren im Winter in Königstein. Eine Festung gibt es dort, die überragt diesen Ort an der Elbe. Im Bielatal hatten wir ein Haus gemietet, an einem Hang. Unter dem Haus stand ein Stein, zwei Meter hoch, viele Namen standen darauf. Und oben am Stein die Inschrift: Die Toten mahnen uns.

Kaum jemand ging vorüber an diesem Stein. Die Leute, die dort wohnen, sind blind für das, was immer da ist. Die alte Fabrik an der Biela ist längst verfallen, die Villa der früheren Besitzer steht leer, durch die leeren Fensterrahmen sieht man abblätternde Tapete.

Wir blieben stehen und lasen die Namen. Herbert Schulz steht dort und auch ein Zacharias findet sich, Neumeier mit Nachnamen. Dieser hat keine Weissagung für das Leben seines Sohnes getroffen.

Heute ist der 8. Mai. Dem Jahrestag wird zum 75. Mal gedacht. Dem Jahrestag wovon? Der Befreiung? Oder der Niederlage? Ein Bundespräsident hat einst dazu gesprochen, aber kam es auch an in den Köpfen der Menschen?

Dieses Datum ist in der Geschichte des Landes, in dem wir leben, so umstritten und schwierig wie es die Einigung zweier Teile zu einem Land ist, in die es einst zerrissen war.

Als ich Kind war, da dachten wir an diesem Tag verordnet an die Befreiung vom Hitlerfaschismus. Russischen Soldaten war hier zu gedenken und Kommunisten, die befreiten in heroischem Kampf.

Der Widerstand aber war vielfältig. Auch ein Pfarrer findet sich unter den Widerstehenden, der sein Leben geben musste im letzten Jahr des furchtbaren, alles verzehrenden Krieges, am 9. April. Und widerstand. Und verbotene Flugblätter wurden heimlich verteilt an einer Münchener Universität.

Widerstand ist vielfältig. Und auch leise. Wieviel Widerstand mag es gegeben haben, der unbekannt bleibt, weil seine Zeugen ausgelöscht wurden. Widerstand ist auch, einem Menschen ein Stück Brot zu geben, der keines haben soll. Widerstand ist auch, einem Menschen einen Blick zu schenken, der ihn bewahrt in seiner Menschlichkeit, der doch kein Mensch mehr sein soll. Widerstand ist auch Barmherzigkeit.

Ein verheerender Krieg war über die Länder der Welt gegangen. Irre, die doch keine Irren waren, sondern systematisch, hatten sich geschworen, ein ganzes Volk zu vernichten. Wie ein blinder und tauber, rasender Sturm fraßen sie sich durch Weizenfelder, hölzerne Dörfer, verbrannten Kirchen mit den Menschen darin und errichteten Lager, in denen die Menschlichkeit vernichtet werden sollte.

Und so mancher Dichter mag in der Todesfuge der Seine ruhen, nachdem er verstummte. Und Ka – Tzetnik mag angesichts des Grauens, das geschah, seinen Namen verloren haben. Und so mancher fragte: Wo war Gott?

Widerstand war möglich. Und geschah. Widerstand ist möglich.

Die Sprache des Krieges aber soll verstummen. Ich mag nicht hören von griechischen Soldaten, die die Grenzen Europas verteidigen. Ich mag nicht hören, die Völker Europas befänden sich im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind.

Eine andere Sprache will ich sprechen. Ich will von einem erzählen, der meine Füße richtete auf den Weg des Friedens. Und das Gebot der Nächstenliebe achten. Und widerstehen, wo Widerstand nötig ist. Das habe ich von einem gelernt, der hingerichtet wurde am 9. April.

Blumen legten wir vor das Mahnmal, an dem die Leute achtlos vorübergingen. Und dachten einen Augenblick an Herbert und Zacharias.

Für mich ist der 8. Mai auch der Tag des Widerstands. Und der Barmherzigkeit. Weil Gott mir eine Stimme gegeben hat.

 

-       4. Sündenbekenntnis nach dem Stuttgarter Schuldbekenntnis

 

Vor Gott, unserem Richter, und voreinander

bekennen wir uns schuldig

des Unglaubens, der Ungerechtigkeit und des Unfriedens,

im Kleinen und Großen.

Wir klagen uns an,

dass wir nicht mutiger bekannt,

nicht treuer gebetet,

nicht fröhlicher geglaubt

und nicht brennender geliebt haben.

Wir bitten Gott um Gnade, um Vergebung unserer Schuld.

Wir hoffen zu Gott, dass er uns trotz unseres Versagens

noch dazu brauchen kann, sein Evangelium zu verkündigen

und an sein Gebot zu erinnern,

bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.

Wir hoffen zu Gott,

dass durch den gemeinsamen Dienst der Kirchen

dem Geist des puren Egoismus, der Gewalt und der Vergeltung,

der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gewehrt werde

und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme,

in dem allein die gequälte Schöpfung Heilung finden kann.

Gemeinsam mit der ganzen Christenheit

bitten wir Gott um sein Erbarmen.

 

Amen.

 

-       5. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Jona Psalm“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 7.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Vertraut den neuen Wegen“

EG395

395:2 Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

395:3 Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

 

-       3. Bibeltext 1. Mose 1, 20-31

20 Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. 21 Und Gott schuf große Seeungeheuer und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden. 23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. 24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so. 25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. 29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. 30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so. 31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

„Putje, putje, timpete, manche, manche, in de See, mine Fru, de Ilsebill, wull nich so, as ik wol will.“

Da stand der alte Fischer nun wieder einsam am Strand und rief nach dem Fisch, der sprechen konnte. Verzweifelt war er. Den Palast, den seine Frau in ihren überzogenen Forderungen verlangte, hatte der Fisch ihnen wieder genommen. Daraufhin war seine Frau fortgelaufen. Die alte Fischerkate, die darauf wieder am Strand stand, hatte der Orkan fortgeweht. Mühsam zog der Alte die leeren Netze aus dem aufgepeitschten Wasser. Seine nackten Füße waren von Ölkugeln verklebt, die auf dem Strand lagen. Als er die Netze aus dem Wasser zog, zerrissen sie an dem Unrat, der aufgetürmt am Ufer lag. In ihnen war nichts als Plastik.

„Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier,…“ Das tut es schon lang nicht mehr. Gottes Wimmelbild ist grau geworden. Und wenn Noah heute ins Wasser geworfen würde, müsste er wohl ertrinken, weil kein Wal mehr da ist, der ihn verschlucken könnte.

„…und herrschet über die Fische im Meer…“ Essen Sie gern Fisch? Lachs auf dem Frühstücksbrot, ein Fischbrötchen in Warnemünde, etwas Räucherfisch zum Abendbrot? Ich war im Februar in Ahrenshoop auf dem Darß. Bei einer Wanderung fanden wir einen Fischer, der frisch geräucherten Fisch verkaufte. Ich fragte, woher der Fisch denn käme. Es gab keinen Fisch aus der Ostsee.

Wieso ist das so? Heißt die Herrschaft über die Fische, dass wir mit Fischverarbeitungsfabriken vor die Küsten Afrikas fahren und Fischstäbchen fischen? Gott gab uns die Erde, auf dass wir sie uns untertan machen. Aber er gab uns auch Pflanzen zur Speise. Und es gibt auch weise Herrscher, sie sorgsam mit den ihnen anvertrauten Gütern umgehen.

Längst gibt es ein ökologisches Umdenken in der Kirche. Kirchgemeinden können sich von einer Arbeitsstelle im Zentrum Kirchlicher Dienste beraten lassen. Und auch die Mitarbeitenden unserer Kirchengemeinde haben beschlossen, beim Einkauf von Tee, Kaffee, Seife, Reinigungs- und Waschmitteln auf Umweltverträglichkeit und Produktionsbedingungen zu achten.

Gott wird die Welt kein zweites Mal erschaffen. Es liegt an uns, wie wir mit ihr umgehen. Wenn wir alle darauf achten, welche Äpfel im Supermarkt wir kaufen, muss kein Obst aus Neuseeland eingeflogen werden.

Ich schicke Ihnen heute einen Link mit zum Fischführer des wwf: https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Einkaufsratgeber_Fische_und_Meeresfruechte.pdf. Hier können Sie nachsehen, welchen Fisch sie ruhigen Gewissens essen können. Essen Sie gern Fisch, aber achten Sie doch bitte darauf, woher er kommt.

Viele Bauern aus der Umgebung verkaufen ihre Produkte auch auf ihrem Hof. Vielleicht kennen Sie ja einen.

Wir werden die Welt nicht von heute auf morgen ändern. Es ist mühsam, ein guter Herrscher zu sein.

Aber wenn wir uns alle bemühen, dann kann auch mein Enkel noch mit Regenwürmern und Schnecken spielen. Und ich kann ihm noch das Märchen vom Fischer und seiner Frau erzählen.

 

-       5. Fürbitte (von Brot für die Welt)

 

Gott, am fünften Tag hast du gesagt: „Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier“ (1. Mose 1,20).

 Wir denken, dass unsere Meere überfischt sind und dass die großen Fischereiflotten den kleinen Fischern die letzten Fische wegfangen. Wir beten für die Fischer und FischhändlerInnen, deren Fangmenge immer kleiner wird: Lass sie Möglichkeiten finden, sich und ihre Familien zu ernähren. Wir beten für die Vielfalt des Lebens in den Meeren, dass wir Wege finden, sie zu erhalten. Lass die Verantwortlichen in Politik mutig sein und die richtigen Fangquoten durchsetzen. Und lass uns verzichten lernen um des Lebens Willen.

Wir bitten dich: Herr, erbarme dich

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-       Andacht am 6.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Kanon „Sende dein Licht und deine Wahrheit“

EG172

-       3. Bibeltext 1. Mose 1, 9-19

9 Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. 10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war. 11 Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist auf der Erde. Und es geschah so. 12 Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 13 Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag. 14 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht. Sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre 15 und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. 16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. 17 Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde 18 und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war. 19 Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

„Da staunste aber, was?“ Lächelnd steht der kleine Mann vor mir, eine Schaufel in seinen schmutzigen Händen, ein Lächeln um den verkrusteten Mund. In der anderen Hand hält er die Schnur zu meinem alten Kipper, den nun er stolz durch Opas Garten zieht. Darin präsentiert er mir seine Schätze.

Ein Regenwurm im Fahrerhaus lenkt das nachgebildete Baustellenfahrzeug. Er hat sich um das Plastiklenkrad gekringelt. Die Beifahrerin hat sich in ihr Haus verkrochen, nur die vorsichtigen Fühler sind zu sehen.

Auf der Ladefläche findet sich die zu transportierende Fracht. Stöckchen, mit Grashalmen verbunden, dienen als Hauswand des zu errichtenden Gebäudes. Sorgfältig abgezupfte Blütenblätter sollen das Mosaik des Fußbodens bilden. Das Dach ein Rhabarberblatt, der gerade beginnt zu wachsen. Eine Tür braucht das Haus nicht, denn es hat Betten aus Moos. In die Fensterluken legt der kleine Mann gelbe Löwenzahnblüten.

Nach der Arbeit dürfen dann auch Schnecke und Regenwurm das Führerhaus verlassen. Der Regenwurm soll in der Hosentasche auf seinen morgigen Arbeitseinsatz warten. Unter Hinweis auf seine wartende Ehefrau und den ungedeckten Abendbrottisch für seine Kinder kann ich das gerade noch verhindern.

Ja, da staune ich. Was Opas Garten doch alles für Beschäftigungsmöglichkeiten für den kleinen Mann bereithält. Und wie unvoreingenommen er damit umgeht. In zehn Jahren wird Opa den Wurm auf den Angelhaken fädeln müssen. Und eine Schnecke am Wegesrand entlockt ihm nicht mal mehr ein Achselzucken. Und Rhabarber mag er längst nicht mehr.

Aber ich stehe im Garten mit offenen Augen und staune, was Gott alles aus der Erde hervorbrechen lässt. Aus den Samen und Knollen und Wurzeln. Ein Regen ging über das Land, auf den es so lang wartete. Das Rasenmähen hab ich aufgegeben und erfreue mich stattdessen an Butterblumen und Gänseblümchen. Unter den Weiden leuchtet blau das Vergissmeinnicht. Ich habe es nicht gepflanzt, es hat sich seinen Platz selbst gesucht. Wenn es trocken ist, dann trag ich Wasser in meinen Garten. Wenn ich die Zeit finde, lockere ich die Erde. Schwere Rosenblüten stütze ich. Der Knöterich am Carport öffnet seine Blüten und umrankt den Schaukasten, der von Jonah-Andachten kündet.

Im hohen Baum hinter meinem Garten haben die Elstern wieder ihr Nest bezogen. Die Nachbarn beobachten sie argwöhnisch. Nesträuber schimpfen sie sie und ihr Knarzen stört ihre Ruhe. In den vergangenen Jahren kappten die Nachbarn heimlich einen Baum, um das Elsternest zu zerstören. In diesem Jahr ist der Baum mächtig gewachsen und die Elstern können in Ruhe ihr Tagwerk verrichten.

Ich habe aufgegeben, die strenge Ordnung in meinem Garten aufrecht zu erhalten. Und erfreue mich an dem, was da wächst. Was er wachsen lässt. Und staune über mein Staunen.

 

-       5. Gebet

Schöpferischer Gott,

geöffnet hast du den Raum,

in dem wir leben.

Geschaffen Horizont und Himmel und Boden,

auf dem wir gehen.

Geschenkt uns Wasser und Pflanzen

und Tier.

Auf dass wir staunend stehn vor deinem Angesicht.

Schenke uns Ruhe und Rast, die es braucht,

um Räume zu vermessen,

schwindelig zu werden vor Horizont und Himmel,

ehrfürchtig zu bleiben vor Erde und allem,

was darauf lebt.

Und bewahre uns vor der Habsucht.

Deine Gaben sind kein Besitz!

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-       Andacht am 5.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Laudate omnes gentes“

EG181

-       3. Impuls zur Tageslosung von Vikar Tobias Lorenz

Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.

Kolosser 1,15-16

 

Vorzeichen helfen das einzuordnen, was danach kommt. Ich denke hier zum Beispiel an Vorzeichen in der Musik. Der wie ein schnell hingezeichnetes Ohr aussehende Bassschlüssel, der mich darauf aufmerksam macht, dass der Ton F auf der 4. Notenlinie sitzt. Eine andere Realität schafft der Violinschlüssel, der zum geschwungenen Symbol für Musik auf Schildern von Musikschulen oder Klaviergeschäften zu sehen ist. Hier denke ich auch an die in der Musiktheorie als Vorzeichen bestimmenden Kreuze und Bs, die die Tonart des Musikstücks angeben, die den Charakter des Musikstücks von vornherein mitprägen. Auch kommen mir viele Verkehrsschilder in Gedanken, die mir ausreichend zuvor ankündigen, dass jetzt Tempo 130 gilt oder eine scharfe, serpentinenartige Kombination aus Kurven folgt und ich doch jetzt bitte viel langsamer fahren sollte. Oder die einfachsten Vorzeichen aus dem Mathematikunterricht. + und – schaffen eigene Zahlenwelten.

Vorzeichen definieren Räume. Sie setzen Regeln und Grenzen um bestimmte Bereiche meines Lebens, seien es greifbare – wie Straßenabschnitte oder ungreifbare – wie Ton- oder Zahlenabstände. Zugleich eröffnen sie mir erst einen Möglichkeitsraum, den ich mir vom Vorzeichen her handelnd und denkend erobern kann. Die klare Benennung eines Vorzeichens eröffnet auch eine Kommunikation auf Augenhöhe, bei der sich die Teilnehmenden verstehen können.

In der heutigen Tageslosung des Kolosserbriefs wird mir als Hörerin und Hörer ein solcher Raum eröffnet, ein Denk- und Glaubensraum. Das Hinweisschild an der Tür dieses Raumes bekommt im Kolosserbrief den Namen Jesus Christus, Erstgeborener vor aller Schöpfung, Er in allem. Wenn ich in diesen Denk- und Glaubensraum eintrete, wage ich einen besonderen Blick auf meine Mitwelt, Mitmenschen und mich selbst. Der Kolosserbrief stellt vor unsere Welt das Vorzeichen Jesus Christus, so ähnlich wie wir vor einem Musikstück Kreuze, B’s oder nichts davon finden.

Das Vorzeichen Jesus Christus bringt eine besondere Tonart hervor, mit einer stärkenden und tröstenden Melodie.

Es ist eine Melodie, die mich nicht in Eitelkeit oder Größenwahn führt. Es ist eine Melodie, die mich an die Würde jedes einzelnen Lebens erinnert und die mich gerade heraus dazu aufruft, für die Würde jedes einzelnen Lebens einzutreten, wo auch immer ich es kann. Es ist eine Melodie, die mir davon erzählt, dass Gott mich nicht verlässt, sondern selbst in den schwersten Momenten des Lebens an meiner Seite steht. Tröstend und Stärkend.

 

Amen.

 

-       4. Gebet

Guter Gott,

bleibe bei uns.

Erinnere uns daran, dass du

das Vorzeichen unseres Lebens bist.

Erinnere uns daran, dass wir Grund

zum Jubeln haben, trotz Allem.

Bleibe Bei uns,

guter Gott.

Amen.

 

-       5. Vater unser

Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-       Andacht am 4.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „So lang es Menschen gibt auf Erden“

EG427

427:2 Solang die Menschen Worte sprechen, solang dein Wort zum Frieden ruft, solang hast du uns nicht verlassen. In Jesu Namen danken wir.

427:3 Du nährst die Vögel in den Bäumen. Du schmückst die Blumen auf dem Feld. Du machst ein Ende meinem Sorgen, hast alle Tage schon bedacht.

427:4 Du bist das Licht, schenkst uns das Leben, du holst die Welt aus ihrem Tod, gibst deinen Sohn in unsre Hände, er ist das Brot, das uns vereint.

427:5 Darum muss jeder zu dir rufen, den deine Liebe leben lässt: Du, Vater, bist in unsrer Mitte, machst deinem Wesen uns verwandt.

 

-       3. Bibeltext 1. Mose 1, 6-8

6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. 7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. 8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Geöffnet ist das Tor zum Horizont, seine Boote losgemacht. („Open are the double doors oft the horizon, unlocked are it`s boats.“ aus der Oper „Akhnaten“ von Philip Glass)

Da ist das Nichts. Und dann kommt einer und spricht. Und es geschieht. Der Anfang der Welt besteht aus Nichts und aus Sprache. Der Sprache Gottes. Was für eine schöpferische Gewalt Sprache doch hat.

Der Beginn von Allem ist für uns Christen nicht kontingent. So bezeichnet die Wissenschaft den Zufall und erhebt ihn manchmal auch zum Wirkprinzip. Zufällig war eine bestimmte Materie an einem bestimmten Ort und es herrschten bestimmte Drücke und Verwerfungen und aus der Ansammlung von Zufällen entsteht ein Prinzip. Und der Beweis für dieses kontingent entstandene Prinzip besteht in der Wiederholbarkeit. Wenn all die Bedingungen, die Wissenschaft für die Entstehung der Erde annimmt, noch einmal herrschten, entstünde eine zweite Welt.

Der Beginn der Welt ist nicht wiederholbar. Und Gott sah, dass es gut war. Was Gott schuf, bedarf keiner Wiederholbarkeit oder Korrektur. Es entstand aus seinem Wort und ist uns zum Besten.

Hier, im 1. Buch Mose, gibt es einen Plural für das Wasser. Die Wasser. Die deutsche Grammatik kennt keinen Plural für Flüssigkeiten. Wasser ist Wasser. Hier aber liegt im Wasser ein schöpferischer Akt begründet. Denn Gott schied die Wasser und schuf etwas dazwischen. Die Feste. Einen Raum. Eine Begrenzung des Nichts.

So, wie Gott aus dem Licht die Zeit schuf in Form von Tag und Nacht, so schuf er aus der Scheidung der Wasser Raum. Ein Ort war entstanden, ein Platz für Leben.

Diese Zeiten, die für so Viele leidvoll sind, können auch Zeit und Ort sein für Neuentdeckungen. So war ich oft am Strand in Warnemünde. Und all das, was sonst durch Menschen und Betriebsamkeit, Sonnencremedüfte und Stimmengewirr überdeckt wird, dass lag nun seltsam still vor mir. Es gab kaum Andere, und wenn, dann nur in isolierter Form. Die Winde eingeschlafen, keine Boote rissen die Schaumkronen, die Wasser schlugen träge die Ufer. Mein Blick ging weit durch die klare Luft gen Horizont, wo Frachter stumm blieben in verbotener Hafeneinfahrt. Und ich vermisste nichts. Diese Wasser möcht ich suchen.

Gott lädt mich ein. Er schafft eine Welt für mich und sieht, dass es gut ist. Gott öffnet die Tore zum Horizont und losgemachte Boote stehen bereit für mich als Mensch.

In Sprache ist auch immer ein schöpferischer Akt enthalten. Wie oft meinen wir, gesprochenes Wort sei irgendwie minderwertig. Das hat er ja nur gesagt und nicht gemacht. Das tut ja nicht weh. Und ein gegebenes Wort ist schnell gebrochen. Noch ehe der Hahn dreimal kräht.

Worte verletzen oft mehr als Schläge und Tritte. Was gesagt wird, wurde zuvor gedacht und später in Tat umgesetzt.

So, wie bei Gott. Und da wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind, öffnet auch unsere Sprache Räume und Horizonte. Es ist an uns, eine Sprache zu sprechen, die nicht verletzt.

Gottes Wort ist eine Einladung. Er öffnet uns die Horizonte. Es ist an uns, die Boote zu besteigen und loszufahren.

 

-       5. Gebet

Du sprechender Gott,

du sprachst und es ward.

Und es war gut.

Waren deine Sätze zu hören?

Hast du laut oder leise gesprochen?

Waren deine Sätze zu sehen?

Du sprechender Gott,

sprich mich an!

In jedem Wasser will ich dich hören,

in jedem Wind von dir berührt sein,

in jedem Licht dich sehen,

in jeder Dunkelheit auf dich hoffen.

Dein Wort ist zu sehen,

jeden Tag.

Und ich will es achten,

denn alle Wasser bist du,

jeder Wind bist du,

jedes Licht bist du.

Die Hoffnung bist du.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-       Gottesdienst zum Sonntag Jubilate, 3.5. (von Vikar Tobias Lorenz)

-       10 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

 „Iubilate Deo, omnis terra“ – „Lobt Gott, alle Welt“. So beginnt der Psalm 66 in lateinischer Sprache. Nach dem ersten Wort dieses alten Liedes ist der heutige Sonntag benannt: Jubilate – Jubelt! Jetzt jubeln? In dieser krisenhaften Zeit? Der Psalmtext ermutigt dazu, auf die Suche nach dem zu gehen, wofür wir dankbar jubeln – sei es gut erkennbar oder unscheinbar.

So sitzen oder stehen wir nun in unseren Wohnungen, an den Fenstern, vor flackerndem Kerzenlicht und sind trotz Entfernung vereint in der gemeinsamen Feier - im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

 

-       2. Psalm 66, 1-9: Dank für Gottes wunderbare Führung

 

1 Jauchzet Gott, alle Lande! 2 Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich! 3 Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht. 4 Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen. Sela. 5 Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern. 6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land, sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen. 7 Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,  seine Augen schauen auf die Völker. Die Abtrünnigen können sich nicht erheben. Sela. 8 Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, 9 der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.

 

-       3. Lied „Jubilate Deo“

Jubilate Deo

-       4. Evangelium Johannes 15, 1-8

 

Der wahre Weinstock

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

-       5. Predigt

Liebe Gemeinde,

 

ich lade Sie heute dazu ein, mit mir in eine orthodoxe Kirche zu gehen. Ob in Russland, Griechenland, hier in Deutschland oder anderswo auf der Welt, spielt dabei keine große Rolle. Schon kurz nach dem Betreten der Kirche nehmen Sie die Gerüche und Farbtöne im Raum wahr. In der Kirche ist es recht dunkel. Vielleicht ist dadurch der Geruch von Weihrauch und Kerzenwachs so intensiv. Vielleicht liegt der letzte Gottesdienst noch nicht lange zurück. Beim langsamen Durch-den-Raum-Gehen erinnern Sie sich daran, dass hier der Gottesdienst im Stehen gefeiert wird und deshalb die Bankreihen fehlen, die Ihnen aus unserer Kirche vertraut sind. Besonders ins Auge fällt die große Wand, mit der der Altarraum vom Rest der Kirche getrennt ist: Eine aus dunklem Holz bestehende Wand mit vielen Bildern, den Ikonen. Es sind Bilder von Menschen aus vorherigen Generationen, von Heiligen bis hin zu biblischen Motiven.

Vor dieser Wand möchte ich Ihren Blick auf ein ganz bestimmtes Bild lenken . Auf goldenem Hintergrund erhebt sich ein großgewachsener Weinstock. Der Weinstock ist sogar so groß, dass in ihm mehrere Personen Platz finden. Zentral und mit dem Weinstock verbunden sehen Sie Jesus Christus, die aufgeschlagene Bibel auf seinem Schoß liegend. An den einzelnen Ästen finden sich die 12 Jünger Jesu als Reben. Sie sehen die bildliche Ausgestaltung des Spitzensatzes unseres heutigen Predigttextes, in dem Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht“.

Die Bewegung meiner Augen und der Augen der Jünger richtet sich auf das Zentrum des Bildes, auf das Zentrum meines Glaubens: Jesus Christus. Im ersten Moment fühle ich mich etwas unwohl bei dem Gedanken. Ist das doch nur der Blick einer Gemeinde, die nicht über den eigenen Kirchturm hinaus denkt? Ist das nicht eine Bewegung meines Blicks, der alles andere außen vor lässt und sich nur auf sein Eigenes konzentriert? In einem zweiten Hinsehen wird es mir klarer. Denn das Zentrum meines Glaubens in Jesus Christus bleibt bei längerem Betrachten nicht eng. Es ist der Glauben an den, der mit den Menschen am Tisch sitzt, zu denen sonst nur wenige kommen. An einen, der keinesfalls nur bei sich selbst bleibt und um sich besorgt ist. Hier ist der Blick ins Zentrum einer, der auf paradoxe Art und Weise immer wieder mein Herz weitet. 

Der mit offenen Armen im Zentrum sitzende Jesus stärkt in mir die Sehnsucht, dass ich auch mitten in tiefen Krisen nicht ausschließlich an mich selbst denke, sondern gestärkt aus der Mitte meines Glaubens das suche, was dem Andern dient. Mit offenen Armen, Augen und einem offenen Herzen.

Amen.

 

-       6. Canon „Ich will den Herrn loben, allezeit“

EG170

-       7. Gebet

 

Gott, wir danken dir;

für deine offenen Arme, mit denen du uns empfängst;

für deine gütigen Augen, mit denen du uns ansiehst;

und für dein weites Herz, in das du uns hineinnimmst, ohne dass wir etwas dafür tun müssten.

Gott, wir danken dir,

dass du nicht nur verborgen bleibst in deiner unendlichen Tiefe,

sondern dich uns in Jesus Christus als Liebe gezeigt hast,

die nicht vergehen wird.

Gott, wir danken dir,

dass du uns den Blick für das Gute auch in schweren Zeiten erhältst,

dass du uns darauf stößt, inne zu halten und das zu finden,

was uns jubeln lässt.

Amen.

 

-       8. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 


-       Andacht am 2.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow

-       2. Lied „Komm, Herr, segne uns“

EG170

170:2 Keiner kann allein Segen sich bewahren. Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

170:3 Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden. Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen – die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

170:4 Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen. Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

 

-       3. Bibeltext 1. Petrus 3, 8-12

8 Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. 9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. 10 Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. 11 Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. 12 Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber sieht auf die, die Böses tun« (Psalm 34,13-17).

 

-       4. Gedanken zum Text von Prädikantin Birgit Hakenberg

„Mahnungen an die ganze Gemeinde“ – so hat Martin Luther diesen kleinen Abschnitt im 1. Petrusbrief überschrieben.  Er wurde zu Ende des 1. Jahrhunderts an Christen geschrieben, die zunehmend unter Anfeindungen in ihrer heidnischen Umwelt lebten. Zusammenhalten, geschwisterlich miteinander umgehen sollten sie und- ja – nicht Böses mit Bösem vergelten sondern vielmehr segnen, die ihnen Böses wollten.

Ein hoher Anspruch , der direkt auf Jesus zurück geht: „Liebt Eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen“ sagt Jesus in der Bergpredigt und Paulus packt diesen Anspruch in die eingängigen Worte: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12,21).

Längst zeigt uns die Welt, die 2000 Jahre später weiter  in endlosen Kriegen liegt, dass Gewalt nur Gegengewalt provoziert und Frieden der einzige Weg zum Frieden ist. Doch wie sollte Frieden im Großen gelingen, wenn er uns im Kleinen schon so schwer fällt? Andererseits: was kann ich denn dafür, dass mich der Nachbar jedesmal abgrundtief ärgert, wenn er in meiner Mittagsruhe den Rasenmäher anwirft? Die alleinerziehende Mutter im 4. Stock bis zum heutigen Tag ihre brüllenden Kinder nicht im Griff hat? Das Home Schooling meiner Kinder in den letzten Wochen verbunden mit Kontaktsperre und abgesperrten Spielplätzen meine letzten dünnen Nerven aufgefressen hat? Die Mutter, weit weg in häuslicher Quarantäne sich angwöhnt hat, 2 mal täglich anzurufen? Oder das Jobcenter meinen Antrag auf Kostenübernahme meiner Monatsfahrkarte ablehnt, obwohl ich sie dringend brauche, um meinen Sprachkurs zu besuchen?

Nichts da – keine Entschuldigung, mahnt Petrus. Niemand hat gesagt, dass das Christsein leicht sein wird! Bei aller Freiheit, die es uns schenkt, verlangt es uns viel ab: Selbstdisziplin, vorbildhaftes Verhalten, Überwindung des eigenen Egos (oder Schweinehunds), obwohl einem angesichts des Gegenübers das Messer in der Tasche aufgeht! Das mit dem Guten klappt eben nicht immer. Wir machen Fehler, reagieren emotional, müssen uns hinterher entschuldigen.  Und wir merken:  So ein christlicher Lebenswandel bedarf der täglichen Übung!

Der Jesuitenpater Thomas Gertler SJ gibt uns heute den kleinen Taschensegen mit. Er sagt dazu: „Der kleine Taschensegen ist das Gegenteil von dem, was viele Menschen aus Wut oder Enttäuschung oder aus Beleidigtsein in ihrer Tasche machen. Das ist die Faust in der Tasche. Allerdings kann ich, statt die Faust in der Tasche zu machen, in der Tasche den kleinen Segen geben. Das mache ich gern. Und wie geht das? Ich zeichne einfach in meine Handfläche mit dem Daumen ein Kreuz und sage dazu innerlich: Gott segne Dich.“  Er empfiehlt dies für alle, die ihm begegnen, und sein Herz anrühren wie die Dame im Rollstuhl, den Bettler und die fröhlichen Kinder. Aber genauso für die, die ihn ärgern, provozieren und beleidigen. Immer den kleinen Taschensegen.

Er schreibt: „Der kleine Taschensegen verändert. Er schenkt all diesen Menschen Gottes Segen. Aber er macht auch mich froh. Er gibt mir einen anderen Blick auf die Menschen. Er verwandelt meine Weltsicht hin zum Positiven, zur Barmherzigkeit und Liebe. Versuchen Sie es mit dem kleinen Taschensegen, wenn Sie unterwegs sind. Er kommt zu ihnen zurück.“

Vielleicht eine tägliche Übung für uns? In jedem Fall auch in Coronazeiten geeignet: nah, zugewandt und doch völlig kontaktlos. Bleiben Sie gesegnet!

 

-       5. Segen aus Irland

Der Herr sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.

    Der Herr sei neben dir,

   um dich in die Arme zu nehmen,

   um dich vor Gefahren zu schützen.

Der Herr sei hinter dir,

um dich vor der Heimtücke des Bösen zu bewahren.

    Der Herr sei in dir,

   um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Der Herr sei unter dir,

um dich aufzufangen, wenn du fällst.

    Der Herr sei über dir,

   um dich zu segnen.

So segne dich der gütige Gott, heute und morgen und immer.

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Jona Wort“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 1.5.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Atme in uns“ (Taize)

Atme in uns

-       3. Evangelium Matthäus 26, 30-35

30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Die Ankündigung der Verleugnung des Petrus

31 Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir; denn es steht geschrieben (Sacharja 13,7): »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.« 32 Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa. 33 Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sich auch alle an dir ärgern, so will ich doch mich niemals ärgern. 34 Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 35 Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle Jünger.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Ein Versprechen ist eine Zusage an die Zukunft. Wir alle haben schon viele Versprechen gegeben. Uns zu bemühen. Etwas zu ändern. Und unser Versprechen wieder gebrochen.

Ich verspreche, dass ich…Und dann bin ich wieder verwirrt. Dann steh ich wieder unter Stress. Dann verfüge ich wieder nicht um die Mittel, um mein Versprechen zu halten.

Wenn ich heute eine Zusage treffe, weiß ich nicht, was morgen sein wird. Wenn die Welt so bliebe, wie sie heute ist, dann mag es gewiss sein, dass ich mein Versprechen halte. Aber das tut sie nicht.

Wie schwer es ist, ein Versprechen zu halten, sehen wir an Petrus. Hatte er sein Versprechen leichthin gegeben? „Nein, Jesus, ich doch nicht…“

Und Jesus weiß. Weil er Petrus kennt. Weil er seine Jünger kennt. Weil er weiß, wie schwer es ist, wenn er selbst als Mensch nicht mehr unter ihnen ist.

Eine Welt ohne Jesus ist schwer. Wie einfach war es doch, ihm zu folgen, ihm zuzuhören, seinen Wundern beizuwohnen und sich von ihm immer wieder aufs Neue begeistern zu lassen.

Und nun? Ist das derselbe Jesus, der da sagt, er werde den Hirten schlagen? Ist das derselbe Jesus, der mir den Bruch meines Versprechens zusagt? Das muss die Jünger sehr verunsichert haben. Und dieses vielleicht leichtfertig gegebene Versprechen sollte ein wenig die Verunsicherung wieder wettmachen: ach Quatsch, Jesus, wir doch nicht.

Doch. Das werdet ihr tun. Ich weiß es.

Denn meine Aufgabe an euch ist groß. Meine Aufgabe ist schwer. Ihr müsst tun, was noch niemand tat. Eure Schultern werden gebeugt sein unter der Last, die ihr tragt, eure Kehlen trocken, eure Füße wundgerieben. Ihr werdet bespuckt, beschimpft, vertrieben. Ich kann das Kreuz einmal tragen. Danach müsst ihr es tun.

Haben Sie sich etwas vorgenommen für dieses Jahr? Galt Ihr Versprechen Ihnen selbst? Oder jemand Anderem? Wie viele Vorsätze haben Sie wieder verworfen? An welche Versprechungen haben Sie sich gehalten?

Unsere Versprechungen sind längst nicht so radikal, so grundlegend lebensverändernd, wie das Versprechen der Jünger an Jesus Christus.

Aber ein Versprechen sollte wohl überlegt sein. Und durchdacht. Schnell waren die Jünger mit ihrer Beteuerung bei der Hand. Und als Petrus sein Versprechen gegeben hatte, da fiel es den Anderen leicht, sich ihm anzuschließen.

Ich kann mir vorstellen, dass sie es taten, weil sie Angst hatten vor dem Schmerz, der sein wird, wenn Jesus nicht mehr unter ihnen ist.

Und wie enttäuscht muss Petrus von sich selbst gewesen sein, als er sein Versprechen dann brach.

Ich fasse keine Vorsätze für das Neue Jahr. Zu viele sind bereits gebrochen. Und vielleicht liegt der Zweifel längst schon im Versprechen.

Jesus verspricht nicht. Jesus sagt zu. Jesus gibt uns sein Wort. „Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen…“

 

-       5. Gebet

Erkennender, sehender Gott.

Mit all unseren gebrochenen Versprechen stehen wir vor dir.

Und dein Sohn gab uns dein Wort.

Mit unseren Zweifeln stehen wir vor dir.

Und dein Sohn gab uns deine Zuversicht.

Mit unseren Ängsten stehen vor dir.

Und dein Sohn gab uns die Hoffnung.

Mit Neid und Missgunst stehen wir vor dir.

Und dein Sohn gab uns deine Liebe.

Ich will keine Versprechen mehr geben,

aber mein Wort.

Ich will keine Zweifel mehr sähen,

sondern Gewissheit.

Ich will nicht mehr ängstlich sein,

sondern Hoffnung verbreiten.

Und mein Neid soll der Liebe weichen.

Noch ehe der Hahn kräht,

will ich dich dreimal bekennen.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-       Andacht am 30.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzündern der Kerzen

-       2. Lied „Gott gab uns Atem, damit wir leben“

EG432

432:2 Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

432:3 Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

-       3. Bibeltext Epheser 4, 8-16

8 Darum heißt es (Psalm 68,19): »Er ist aufgefahren zur Höhe, hat Gefangene mit sich geführt und den Menschen Gaben gegeben.« 9 Dass er aber aufgefahren ist, was heißt das anderes, als dass er auch hinabgefahren ist in die Tiefen der Erde? 10 Der hinabgefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, damit er alles erfülle. 11 Und er selbst gab den Heiligen die einen als Apostel, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, 12 damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, 13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi, 14 damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch das trügerische Würfeln der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen. 15 Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. 16 Von ihm aus gestaltet der ganze Leib sein Wachstum, sodass er sich selbst aufbaut in der Liebe – der Leib, der zusammengefügt und gefestigt ist durch jede Verbindung, die mit der Kraft nährt, die jedem Glied zugemessen ist.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Jesus hat seine Schafe beieinander. Aber Schafe sollen sie nicht bleiben. Sondern Apostel, Evangelisten, Propheten, Lehrer und Hirten werden.

Jesus hat uns als Gefangene, als Schafe, mit sich geführt. Und hat uns als Menschen Gaben gegeben. Auch das bedeutet Pfingsten für mich. Das Empfangen und Annehmen der Gaben Jesu Christi.

Paulus schreibt seinen Brief an die Epheser aus der Gefangenschaft heraus. Und nennt sich selbst einen Gefangenen im Herrn.

Schwierig war die Zeit des Paulus. Es galt, die Frohe Botschaft zu tragen in die Welt. Aber nicht viele wollten sie hören. Es war gefährlich, von Jesus zu erzählen. Und gleichzeitig galt es, den Leib Christi zu errichten.

Dieser Leib ist nicht aus Stein, man braucht keine Steine und Kies und Schubkarren und Maurerkellen. Dieser Leib wird errichtet aus Aposteln, Evangelisten, Propheten, Hirten und Lehrern.

Jesus sieht die Menschen an. Er blickt in sie hinein. Er fühlt meine Verwirrtheit und meinen Schmerz. Er liebt vor der Grundlegung der Welt. Und beschenkt uns mit Gaben. Auf das aus den Schafen Menschen werden. Vollendete Menschen.

„Was willst du, dass ich für dich tue?“, fragt Jesus den Bettler von Jericho. Was würden Sie antworten, wenn Jesus Ihnen diese Frage stellte? Diese Frage ist so schwer zu beantworten für uns heute. Weil die Welt längst grundgelegt ist. Und es gibt so viele Wünsche. Aber der Bettler ist nicht der Fischer aus dem Märchen, der sich im Namen seiner Frau zuerst ein Haus, dann ein Schloss und schließlich einen Palast wünscht. Der Bettler fordert für sich die Gabe des Sehens. Und Jesus gibt sie ihm.

So soll der Leib Christi entstehen. Aus den Gaben Jesu Christi an die Menschen. Welche Gabe haben Sie empfangen? Und ist es Ihnen gelungen, Sie dankbar anzunehmen?

Aus der Gnade unseres Schmerzes gelangen wir zur Mündigkeit. Auf dass wir uns nicht mehr umhertreiben lassen durch den Wind einer jeden Lehre. Auf dass wir dem trügerischen Spiel der Menschen mit ihrer Arglist nicht mehr anheimfallen.

Oje, das ist so schwer in dieser Zeit. Selten war zu erleben, wir bereitwillig und ohne Widerstand sich die Menschen in ihren Rechten einschränken ließen. Und immer wieder gibt es neue Lehrsätze. Das Kontaktverbot. Die Abstandsregel. Das Betretungsverbot. Das Maskengebot. Die Quarantäne.

Und meine Gabe sitzt zu Hause im homeoffice und kann nicht weitergegeben werden. Ich hadere. Das fällt mir schwer.

Als Jonah schließlich Ninive erreichte, da sah er keine Menschenseele. Kein Markt wurde gehalten, kein Vieh durch die Straßen getrieben, die Türen der Geschäfte waren verschlossen. Wo sind all die Menschen hin?, fragte sich Jonah. Da wurde im 5. Stock des Hauses neben ihm ein Fenster geöffnet und aus einem Stofftuch heraus erschall die gedämpfte Antwort: im homeoffice. Dann wurde das Fenster schnell wieder geschlossen.

Auch ich möchte nicht, dass sich der Virus weiterverbreitet, dass Menschen krank werden oder gar sterben. Aber zu meiner Mündigkeit gehört auch, selbst verantwortlich zu sein. Nicht Andere für mich entscheiden zu lassen.

Wenn Jesus mich in diesem Jahr zu Pfingsten fragte: „Was ist es, dass ich für dich tun kann?“, dann antwortete ich ihm: „Gib mir Gottvertrauen.“

 

-       5. Gebet

Lass wehen Gott!

Fragen zu Antworten,

Zweifel zu Gewissheiten,

Freude über geängstigtes Land.

Lass wehen, Gott, wo du willst.

Und kümmere dich nicht um Wetterberichte,

die Sonnenschein verkünden

über Neid und Missgunst,

Angst und Verzweiflung,

Krankheit und Tod,

Isolation,

Sorge um die Zukunft.

Lass wehen, Gott, und reiß uns mit.

Wirf uns um.

Zeig uns Leben.

Und lass uns begeistert danken.

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 10“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – die Frauen preisen die Geburt von Obed, Noomis Sohn)

-       Andacht am 29.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Deinetwegen“

        Hier der Notensatz <klick>

-       3. Evangelium Johannes 17, 20-26

20 Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. 21 Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. 22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, 23 ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast. 24 Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt. 25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Warum mach ich das eigentlich alles hier? Warum steh ich jeden morgen auf? Warum versuch ich jeden Tag für jene da zu sein, die unserer Hilfe bedürfen? Warum richte ich jeden Tag mein Heim und meinen Garten? Warum denke ich jeden Tag an jene, die nicht mehr hier sind? Und an jene, zu denen ich keinen Kontakt haben darf? Warum denke ich daran, woher ich kam? Und an das Morgen?

In meinem Garten wachsen verschiedene Pflanzen. Und zu vielen kann ich eine kleine Geschichte erzählen. Da ist der Efeu, der dunkel und grün den Carport umrankt. Die erste Pflanze buddelten wir einst auf dem Friedhof in Biestow aus. Hinter dem Carport steht die Fichte. Omi schenkte sie uns zum ersten Weihnachtsfest in unserem neuen Heim. 1999 war das und die Fichte 30 cm groß. Heute ist sie knapp 4 Meter. Da ist die Rose, die meine Eltern mir in dem Jahr zum Geburtstag schenkten, in dem meine Mutter starb. Vor dem Haus stehen zwei Rosenstöcke. Einen schenkte ich meiner Frau zum Geburtstag und einen schenkte sie mir.

So viele Spuren. Sie führen aus der Vergangenheit in die Zukunft und ein kurzes Stück wandele ich auf ihnen. Ich bin kein Nichts, kein isoliertes Unikat.

„Alle sollen eins sein.“ bittet Jesus seinen Vater. Wir sind keine Stecknadelköpfe, die auf einer Karte um ein Zentrum positioniert, jede durch einen Bindfaden mit dem Zentrum verbunden ist. So ein Bindfaden ist dünn und wenn die Schnur gespannt ist, dass kann sie reißen. Aber durch die Verbundenheit aller, die erkannt und bekannt haben, wird daraus ein undurchtrennbares Tau.

In dieser Bitte Jesu liegt aber auch eine Vision, eine Verpflichtung an uns. „Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, damit sie eins sind.“ Jesus spricht von Vollendung. Das ist sein Plan für uns. Die verstreuten Schafe, die wir gestern noch waren, seien geeint durch das Wort der Einzelnen an Jesus Christus. Ein Wort genügt.

Das sind alles hehre Worte. Und wenn ich mir meine Gemeinde ansehe und mir vorstelle, jede dieser Personen ist eins mit mir, dann bin ich nicht sicher, ob das wirklich immer so ist. Und wenn ich mir die Kirche ansehe, dann werde ich manchmal traurig. Und ich frage mich, was mich, was uns fernhält von der Einheit, für die Jesus in der Gewissheit seines Todes Fürbitte gehalten hat. Fragen Sie sich das auch manchmal? Fragen Sie es sich doch einmal! Was hält uns fern?

Lieben Sie Ihre Eltern? Gewiss, gewiss doch, sind wir schnell mit der Antwort bei der Hand. Aber da sind Enttäuschungen, unerfüllte Sehnsüchte, bittere Worte. Und so manches mal straften wir ein vermeintliches Fehlverhalten mit dem Entzug von Liebe.

Gott hat seinen Sohn geliebt vor Grundlegung der Welt. Und diese Liebe gibt er durch Jesus Christus an uns weiter. Eine Liebe davor. Das ist die schwerste und einfachste Liebe zugleich. Aber lassen Sie es uns versuchen.

In meinen Garten da pflanzten wir auch zwei Eichenbäume für unsere Kinder. Und ich weiß, dass unsere Kinder eines Tages etwas für uns pflanzen werden. Vielleicht nicht in diesen Garten, aber irgendwo auf der Welt werden sie es tun.

Und dass, was ich tu jeden Tag, das mache ich für die, von denen ich kam, und für die, zu denen ich geh, und für die, die nach mir in meinen Spuren gehen.

Dass, was ich mach jeden Tag, das mach ich auch für dich. Deinetwegen.

 

-       5. Gebet

 

Gerechter Vater,

die Welt hat dich nicht erkannt.

Und deinen Sohn ließt du Mensch werden,

und wir haben nicht erkannt.

Deine Liebe erstrecke sich auf alle,

die ihrer bedürfen.

Auf die Hilflosen.

Auf die Verzweifelten.

Auf die Wartenden.

Auf die Hoffenden.

Auf die Suchenden.

Auf die Kommenden.

Auf die Gehenden.

Auf die Verirrten.

Gerechter Vater, deine Liebe ist die Liebe vor Gründung der Welt.

So liebst du deinen Sohn.

Und so liebt dein Sohn uns.

Dieses Band reiße nicht ab.

Ein Wort genügt.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 1“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – Elimelech und Noomi gehen mit ihren Söhnen in das Land der Moabiter)

-       Andacht am 28.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Gib Frieden, Herr, gib Frieden“

EG430

430:2 Gib Frieden, Herr, wir bitten! Die Erde wartet sehr. Es wird so viel gelitten, die Furcht wächst mehr und mehr. Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein. Hilf, wenn wir weichen wollen, und lass uns nicht allein.

430:3 Gib Frieden, Herr, wir bitten! Du selbst bist, was uns fehlt. Du hast für uns gelitten, hast unsern Streit erwählt, damit wir leben könnten, in Ängsten und doch frei, und jedem Freude gönnten, wie feind er uns auch sei.

430:4 Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt! Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt, und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt.

 

-       3. Evangelium Matthäus 9, 35-10, 1-7

 

35 Und Jesus zog umher in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. 36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. 37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. 38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.

1 Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. 2 Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: zuerst Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, sein Bruder; 3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus; 4 Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn verriet.

5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht nicht in eine Stadt der Samariter, 6 sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. 7 Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Stellen Sie sich eine Welt vor der Welt vor. Eine Welt ohne Gesetze, Grenzen, Bündnisse, ohne Besitz und Haben. Thomas Hobbs nennt das den Naturzustand. Das ist sein zumindest gedanklicher Ausgangspunkt zur Schaffung der Welt, wie wir sie heute kennen. Der Welt, die einer Ordnung unterliegt.

Für Hobbs ist dieser Naturzustand eine furchtbare und gefährliche Welt. Es regiert das Recht des Stärkeren. Wenn mein Nachbar, einen Kopf größer und 30 kg schwerer, mir mit einer Keule auf den Kopf schlägt, mir mein Heim und die Früchte meines Feldes nimmt, dann ist niemand da, der mich schützt, der anklagt oder richtet. Ich bin dem Stärkeren gnadenlos ausgeliefert.

Nun, so schrecklich müssen wir uns diese Welt gar nicht denken. John Rawls schlägt etwas eleganter den Schleier des Nichtwissens vor. Sehen Sie also ab von allem, dass Sie ausmacht, von Ihrem Beruf, Ihrem Besitz, Ihrem Geschlecht, Alter, Familienstand, Ihrer Eingebundenheit in die Soziale Welt und folgen Sie mir unter den Schleier des Nichtwissens. Sind Sie dort? Gut.

Nun sind wir also hier wie die Schafe, von denen Matthäus berichtet. Ungeordnet, durcheinander. Und vielleicht sind auch die Wölfe, die Hobbs meint, hier.

Und dann ist da einer, der sieht. Jesus. Und als er sieht, da barmt es ihn. Da jammert es ihn. Das ist ein anderes Sehen als das Leidtun. Wir tun Jesus nicht leid. Das Barmen ist ein Sehen, das Jesus auch körperlich, physisch bewegt. Das ihn innerlich schmerzt. Für das Barmen mit dem Anderen braucht es kein Wissen, keine gelernten Grundsätze. Ich sehe den Anderen und bin tief in meinem Herzen bewegt. Barmen ist Sehen mit dem Herzen.

Und unserer sind viele. Die Ernte ist reich. Zusammen mit dem Blinden sind wir vor den Mauern Jerichos. Aus seinem Erbarmen heraus wendet sich Jesus an die Jünger, als Erntehelfer, und erteilt ihnen Vollmacht in seinem Namen zu wirken. Zu verkünden und zu heilen.

Was hatte Jesus zu dem Bettler gesagt? Wir haben es wohl gehört. „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Das ist es, was Jesus immer wieder sagt. Jesus ist kein Arzt, der Covid 19 heilt, der eine Krankheit aus dem Menschen nimmt, Jesus ist ein Arzt, der etwas aus den Menschen hervorholt. Ihren Glauben. Unser Glauben ist immer mit uns. Auch unter dem Schleier des Nichtwissens. Der Glaube ist fundamental. Er ist das Gefühl der Verbundenheit mit der unzerstörbaren Macht Gottes. Der Glaube gibt Würde. In seinem Erbarmen würdigt Jesus diejenigen, die sonst keiner würdigt. Und diese Würde ist da, immer schon und in jedem Menschen. Sie ist die Voraussetzung für die Errichtung der Welt, die Jesus meint.

Aber da sind noch Geister (Dämonen), die die Jünger austreiben sollen. Mit der Macht, die Jesus ihnen verlieh. Das klingt befremdlich. Vom Geist besessen sein. Das sagen wir heute nicht mehr.

Aber das Gefühl kennen wir durchaus. Zwei Mächte, die in uns widerstreiten. Entweder aus unserem Inneren heraus oder von außen. Die wie ein schwarzes Tuch überdecken. Die lähmen können. Oder blind machen. Die unsere Würde verhüllen. Und so kann das Austreiben dieser Dämonen auch ein Beistand sein, zu sein, was wir sind. Uns unserer Würde auch wieder bewusst zu sein, auch und gerade in unserer Verletzlichkeit.

Ist die Welt, die Jesus errichten will, dann eine Welt ohne Macht? Keinesfalls. Es ist eine Welt, in der die Macht Gottes über seinen Sohn an die Jünger übertragen wird. Und damit an uns. Die Macht Gottes ist keine Macht, die herrscht. Von oben nach unten. Die unterdrückt. Die Macht Gottes ist eine Macht, die freisetzt und aufnimmt, was in uns allen vorhanden ist: unsere Würde.

Sind Sie noch da? Konnten Sie mir noch folgen? Nun, wir kehren jetzt zurück in unsere Welt. Der Kontaktsperren. Der Maskenpflicht. Des lockdowns. Aber unsere Würde, die in unserer Verletzlichkeit begründet ist, die nehmen wir mit.

 

-       5. Gebet

Du Gott der Barmherzigkeit,

durch deinen Sohn Jesus Christus

siehst du uns an in all unserem Jammer.

Und verleihst uns Würde.

Gib, dass auch wir die Würde im Anderen sehen.

Die Würde des Bettlers.

Die Würde des Obdachlosen.

Die Würde der Prostituierten.

Die Würde der Kranken und Sterbenden.

Die Würde der Einsamen.

Die Würde der umherirrenden Kinder.

Die Würde derer, die jeden Tag an ihre Grenzen gehen.

Das ist das Feld, auf dem du erntest.

Und die Ernte ist reich in dieser Zeit.

Wir danken dir, dass das Leid dir ein Gut ist.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


-       Andacht am 27.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Es kennt der Herr die Seinen“

358:1 Es kennt der Herr die Seinen und hat sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land; er lässt sie nicht verderben, er führt sie aus und ein, im Leben und im Sterben sind sie und bleiben sein.

358:2 Er kennet seine Scharen am Glauben, der nicht schaut und doch dem Unsichtbaren, als säh er ihn, vertraut; der aus dem Wort gezeuget und durch das Wort sich nährt und vor dem Wort sich beuget und mit dem Wort sich wehrt.

358:3 Er kennt sie als die Seinen an ihrer Hoffnung Mut, die fröhlich auf dem einen, dass er der Herr ist, ruht, in seiner Wahrheit Glanze sich sonnet frei und kühn, die wunderbare Pflanze, die immerdar ist grün.

358:4 Er kennt sie an der Liebe, die seiner Liebe Frucht und die mit lauterm Triebe ihm zu gefallen sucht, die andern so begegnet, wie er das Herz bewegt, die segnet, wie er segnet, und trägt, wie er sie trägt.

358:5 So kennt der Herr die Seinen, wie er sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land am Werk der Gnadentriebe durch seines Geistes Stärk, an Glauben, Hoffnung, Liebe als seiner Gnade Werk.

358:6 So hilf uns, Herr, zum Glauben und halt uns fest dabei; lass nichts die Hoffnung rauben; die Liebe herzlich sei! Und wird der Tag erscheinen, da dich die Welt wird sehn, so lass uns als die Deinen zu deiner Rechten stehn.

 

-       3. Evangelium Johannes 10, 1-10

 

1 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. 3 Dem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. 4 Wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. 5 Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht. 6 Dies Gleichnis sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was er ihnen damit sagte. 7 Da sprach Jesus wieder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8 Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. 9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden. 10 Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

 

Hat Ihr Haus oder hat ihre Wohnung eine Tür? Dumme Frage. Natürlich gibt es eine Tür. Welche Farbe hat Ihre Tür? Aus welchem Material ist Sie? Wie ist Ihr Türdrücker beschaffen? Quietscht Ihre Tür? Gibt es ein Guckloch? Wie kann man Sie abschließen? Ertönt eine Glocke, wenn man die Tür öffnet? Schließen Sie Ihre Tür nachts ab?

Jedes Haus, jedes Zimmer, Keller, Abstellraum, Kammer hat eine Tür. Wir benutzen sie täglich. Aber unsere Aufmerksamkeit gilt ihr nicht. Wir sind gefangen im Woher und Hinein.

In dieser als Gleichnis vom Guten Hirten bekannten Textstelle gibt es mehrere Bilder. Da gibt es den Hirten, dessen Stimme die Schafe kennen und dem sie folgen.

Jesus Christus ist die Tür. Ein kaum beachteter Gegenstand. Eine Tür schafft Räume. Eine Tür grenzt ab. Sie bietet Schutz in der Nacht. Manchmal ist sie auch hinderlich. Wenn ich die Hände voll habe. Wenn ich es eilig habe.

Es gibt Türen, durch die ich nicht so gern gehe. Aus denen ich lieber hinaus gehe denn hinein. Die Tür zum Krankenhaus etwas. Oder die Tür einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete. Oder die Gefängnistür. Es gibt Türen, die sperren ein. Oder es gibt Türen, die mir versperrt bleiben, durch die ich nicht hindurch gehen darf.

Jesus Christus ist die Tür des Ein- und Ausgangs. Wenn ich mich hinter ihr befinde, bin ich gewiss, den Raum jederzeit verlassen zu können. Und wenn ich mich vor ihr befinde, wie weit weg ich auch war und welche Zeit auch sein mag, früh am morgen oder spät in der Nacht, ich bin gewiss, durch diese Tür finde ich immer Einlass.

Ich werde ein- und ausgehen und Weide finden. Das ist das Versprechen an mich, dass Jesus mir gibt. Ich werde finden, was ich brauche. Was gut ist für mich.

Ich bin kein Schaf. Und diese Textstelle ist keine Empfehlung für die Schafaufzucht. Ich bin für mich selbst verantwortlich. Das bedeutet für mich, dass ich auf der Weide, die Jesus für mich bereithält, nehme, was ich brauche. Nicht mehr. Auf dass die Anderen auch finden, was sie brauchen. Auf dass ich auch morgen noch Weide finde.

Jesus ist keine Einbahntür. Keine Tür, die vernichtet, die stiehlt, die vernichtet, die umbringt. Jesus ist meine Tür der Freiheit. Jesus ist meine Tür der Verantwortung.

Meine Tür zu Jesus ist eine Doppeltür. Sie ist weiß. Weiße Vierecke sind eingelassen in sie. Darüber Fenster. Wenn ich die Tür öffne, erklingt ein Glockenspiel. 2016 bin ich das erste Mal hindurchgegangen. Pfarrhaus Biestow steht darüber.

Wie sieht Ihre Tür zu Jesus aus? Ist sie aus Holz, alt und knorrig? Hängt sie schief in den Angeln? Ist sie aus Glas, modern, öffnet sich von allein, wenn Sie auf sie zugehen?

Und ist meine Haustür auch eine Tür zu Jesus? Und die Türen zu den Zimmern in meinem Haus? Stelle ich mir vor, dass ich jedes Mal auch durch die Tür Jesus gehe.

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

wir sind so oft auf dem Weg.

Am Morgen verlassen wir unser Häuser.

Auf dem Weg zur Arbeit, oder zu Freunden.

Am Abend kehren wir zurück.

Manchmal sind wir kraftlos,

können die Tür kaum öffnen.

Manchmal schlagen wir die Tür im Zorn.

Manchmal verschließen wir Türen.

Gib, dass wir Türen offen stehen lassen.

Gib, dass deine Tür uns schützt, nicht einsperrt.

Gib, dass deine Tür offen steht für alle Menschen.

Auf dass alle Weide finden, so oft sie ein- und ausgehen.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


Fotografie von Mathias Bigge CC BY-SA 2.5

Andacht am 26.4.2020, Sonntag Misericordias Domini

-       10 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

Misericordias Domini so heißt der heutige Sonntag, aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet das „die Barmherzigkeit des Herrn“. Gott geht mit uns mit wie ein guter Hirte, auf einfachen Wegen und erst recht auf unwegsamem Gelände. Darauf deutet der Wochenspruch hin: „Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ Solches Vertrauen wünsche ich uns, dass wir heute von Herzen sagen können: Der Herr ist mein Hirte, er ist auferstanden und erbarmt sich meiner.

 

-       2. Lied „Misericordias Domini“

Von der Gnade des Herrn will ich immer singen.“

Misericordias Domini

„Von der Gnade des Herrn will ich immer singen.“

 

-       3. Bibeltext Petrus 2, 21-25

Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheim-stellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

-       4. Gedanken zur Barmherzigkeit von Pastorin Asja Garling

 

Ist Gott barmherzig? Das darf man fragen angesichts der derzeitigen Krisensituation, die weltweit herausfordert, die ängstigt, verunsichert, belastet und nicht fassbar ist. Langsam wächst die Ungeduld, einige sehnen sich nach ihrem normalen Alltag zurück, andere klagen und jammern, nicht ohne Grund. Was oder wer kann helfen? Ist Gott barmherzig?

Barmen, das ist ein Verb, das wir heute kaum noch verwenden. Du barmst mich, sagt heute kein Mensch mehr. Wir unterstreichen dann eher, wie empathisch wir sind. Aber es bedeutet beinahe das gleiche, nämlich Mitgefühl mit einem anderen Menschen zu haben und ihm zu helfen. Eine zweite Bedeutung dieses Verbes soll besonders in Norddeutschland verbreitet gewesen sein: „jammern, betteln klagen, lamentieren“. Wenn wir also beim Barmen stehen bleiben, sind wir ungetröstet. Nehmen wir unser Herz dazu, werden wir tätig, barmherzig und können helfen, Leid zu lindern.

Es zeigt sich schon in kleinen Gesten, wenn jemand barmherzig ist: Dann wird das Herz weit, die Hände offen, der Blick freundlich, und das Beharren darauf, Recht zu haben und zu behalten, ist verschwunden. Manchmal merke ich es erst später, wenn mir Barmherzigkeit widerfahren ist. Dann hat ein anderer nicht viel Gewese um seine Unterstützung gemacht, es war beinahe selbstverständlich für ihn.

Von einem kleinen Gegenstand möchte ich erzählen, der dazu diente, andere zu (unter)stützen. Er heißt sogar Misercordie, also Barmherzigkeit, aber er ist kaum bekannt. Wenn Sie irgendwann in der Zukunft beispielsweise ins Doberaner Münster oder in den Ratzeburger Dom gehen, dann können Sie mehrere davon entdecken und sogar ausprobieren.

Im Altarraum standen sich im Mittelalter die Mönche beim Singen der Psalmen gegenüber. Sie saßen nicht im Chorgestühl, sondern standen aus Ehrfurcht während des Gottesdienstes. Vielleicht auch deshalb, weil die Stimme im Stehen meist schöner klingt. Die damaligen Andachten waren nicht nach einer Stunde beendet, sie konnten sich über mehrere Stunden hinziehen. Dabei kann einem das Stehen immer schwerer fallen. Zwischenzeitlich konnte man die Ellenbogen etwas abstützen, aber um das Gebetsbuch zu halten, brauchte man auch beide Arme. Die Sitze hinter den Mönchen klappten wie bei Stühlen im Theater oder im Kino hoch, wenn sie nicht darauf saßen. Aber an der vorderen Kante des jeweiligen Sitzes gibt es bis heute ein kleines angebautes Stützbrett. Darauf konnten sie sich etwas hinsetzen und ausruhen. Mit einer weiten Kutte bekleidet, sah man nicht, wenn jemand diese kleine Unterstützung in Anspruch nahm. Ursprünglich waren sie wohl nur für ältere, kranke oder geschwächte Mönche gedacht. So sah diskrete Barmherzigkeit aus, man konnte sie nutzen, ohne Schwäche zeigen zu müssen. Was für eine Gnade!

Schaut man genauer hin, dann sind diese Misericordien an der Unterseite der Sitze mit Schnitzereien verziert. Bei diesen haben sich Künstler die Freiheit herausgenommen, keine religiösen Verzierungen abzubilden. Sie stellten stattdessen negative oder gar obszöne Verhaltensweisen dar. In der Marienkirche zu Dortmund etwa einen Mönch, der auf dem Boden liegend ein Weinfass umklammert. Das war dann sozusagen die Kehrseite dieser Barmherzigkeit oder vielleicht ein ironisches Augenzwinkern derer, die die Misercordien geschnitzt haben. Manchmal muss man sich hinknien oder einen Perspektivwechsel vornehmen, um die Hilfe zu entdecken, die sich bietet, selbst wenn sie auf den ersten Blick nicht so aussehen mag.

Wie kreativ sind wir, um andere zu unterstützen?

 

-       5. Gebet

 

Barmherziger Gott,

Du bist Hirte und Schaf zugleich, ein Wegweiser und ein treuer Begleiter. Du forderst heraus und stützt uns zugleich. Anspruch und Zuspruch bietest Du. Dazu müssen wir genauer hinschauen, manchmal sogar auf die Knie gehen, um die Unterstützung wahrzunehmen, die Du für uns bereithältst.

Selbst kleine Hilfen können wirkungsvoll und hilfreich sein. Wir können sie einander geben und annehmen. Dazu braucht es auch mal ungewohnte Wege, lass sie immer wieder zu Dir zurückführen. Schließ uns in dein Herz und schenke uns getrosten Mut.

Mag auch in notvollen Zeiten unser Herz in unserer Mitte bleiben und mögen wir nicht herzlos handeln.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 5“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – Boas spricht zu Rut)

-       Andacht am 25.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Die Gedanken sind frei“

die Gedanken sind frei

Ich denke, was ich will,

und was mich beglücket,

doch alles in der Still,

und wie es sich schicket.

Mein Wunsch und Begehren

kann niemand verwehren,

es bleibet dabei:

die Gedanken sind frei.

 

Ich liebe den Wein,

mein Mädchen vor allen,

sie tut mir allein

am besten gefallen.

Ich bin nicht alleine

bei meinem Glas Weine,

mein Mädchen dabei:

die Gedanken sind frei.

 

Und sperrt man mich ein

im finsteren Kerker,

das alles sind rein

vergebliche Werke;

denn meine Gedanken

zerreißen die Schranken

und Mauern entzwei:

die Gedanken sind frei.

 

Drum will ich auf immer

den Sorgen entsagen

und will mich auch nimmer

mit Grillen mehr plagen.

Man kann ja im Herzen

stets lachen und scherzen

und denken dabei:

die Gedanken sind frei.

 

-       3. Evangelium Lukas 18, 31-43

 

31 Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. 32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, 33 und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. 34 Sie aber verstanden nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie begriffen nicht, was damit gesagt war.

 

Die Heilung eines Blinden bei Jericho

 

35 Es geschah aber, als er in die Nähe von Jericho kam, da saß ein Blinder am Wege und bettelte. 36 Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre. 37 Da verkündeten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorüber.

 

38 Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 39 Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 40 Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu sich zu führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn: 41 Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann. 42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. 43 Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Wie oft haben Sie gebetet in der letzten Zeit für die Gesundheit, Ihre eigene, die Ihrer Liebsten, derjenigen, die Ihnen am Herzen liegen? Hauptsache gesund! Und: „Lass diesen Kelch an Ihnen vorüber gehen.“

Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Ein triumphaler Einzug soll das werden. Der Messias ist gekommen. Hosiana. So stellen die Jünger sich das vor.

Jesus aber berichtet von dem Gegenteil. Angespien werde ich werden, verspottet, gekreuzigt. Das können, das wollen die Jünger nicht glauben. Du doch nicht.

Und dann sitzt da einer am Wegesrand. Es ist heiß, die Sonne brennt, Staub legt sich auf alle Gewänder. Vor den Mauern Jerichos sitzt er. Wie so viele. Die Bettler, die Aussätzigen, die Hungernden, die Irren, die Witwen und Waisen, die Aussortierten.

Musste Jesus ausgerechnet hier entlang gehen? Hätten wir nicht einen anderen Weg nehmen können?

Da sitzen sie und strecken ihre Hände aus nach Almosen, vollführen allerlei Kunststücke, die keine sind oder starren einfach vor sich hin. Tumb und taub. Die Augen blind. Hauptsache gesund gilt für sie schon lang nicht mehr.

Und da ist einer, der Jesus anspricht: „Jesus, du Sohn Davids, erbarm dich meiner.“ Eine Stimme aus dem Staub der Niedergeworfenen dringt zu Jesus. Und Jesus bleibt stehen.

Was würden Sie fragen, wenn ein Penner mit Alkoholfahne sich an Sie wendet? Oder einer mit einem Hund vor dem Kaufhaus sitzt? Warum hörst du nicht auf zu trinken? Warum wäschst du dir nicht die Haare und gehst zum Jobcenter? Warum gibst du den Hund nicht weg, da du nicht für ihn sorgen kannst?

Hauptsache gesund wird hier zum Normativ einer gesamtgesellschaftlichen Entsprechung. Wenn du so bist wie alle, dann musst du hier nicht sitzen und Alkohol trinken und betteln. Dann kannst du Futter kaufen für deinen Hund.

Oft sind wir wie die Jünger, die die Kranken daran hindern, zu Jesus zu gelangen.

Was fragt Jesus? „Was willst du, dass ich für dich tu?“ So einfach. So geradlinig. So frei von Vorurteil.

Und Jesus machte den Blinden wieder sehend. Der Glaube des Blinden hatte geholfen. In dem Anruf an Jesus Christus liegt bereits die Gewissheit der Hilfe. Der Bettler wusste, wen er bitten muss.

Sind wir die Richtigen, die um Hilfe angerufen werden? Sind wir die, die helfen, ohne zu fragen nach dem Warum der Hilfsbedürftigkeit?

Krankheit ist immer Abweich von einer gesellschaftlich festgelegten Norm. Sie wird per Definition festgelegt und unterliegt historischen Wandlungen. Einst war der Narr der liebenswerte Dorftrottel, der von der Dorfgemeinschaft versorgt wurde, bevor er in die Irrenhäuser ausgesondert wurde.

In unserer Kirchengemeinde gibt es ein älteres Ehepaar. Ich habe sie oft beobachtet beim Einkauf im Südstadtcenter, wie sie nicht achtlos vorbei gingen an dem Mann, der dort die Obdachlosenzeitung verkauft. So oft er da war, blieben die beiden stehen, gaben ihm etwas Geld und sprachen freundlich mit ihm.

Ich habe das lange Zeit nicht verstanden. Und viele Jahre gab ich niemandem, der darum bat. Heute gehe auch ich nicht mehr achtlos vorüber.

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

du hast die Wege zu den Kranken und Schwachen nicht gescheut.

In dieser Zeit bitten wir für die,

die kein Heim haben,

für die, die auf der Straße leben,

die kein Geld haben, Nahrung zu kaufen,

für die Drogensüchtigen,

für die, die Krankenhäuser und Heime nicht verlassen können.

Geh nicht achtlos vorüber an ihnen.

Lass sie zu dir kommen wie den Blinden vor Jericho.

Gib, auf dass ihr Blick wieder klar werde,

stärke uns, dass auch wir nicht achtlos vorüber gehen.

Der blinde Bettler stand auf und folgte dir.

Im Tross der Jünger, die nicht verstanden.

Gib, dass noch viele dir folgen.

So, wie wir.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 7“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – Rut schläft am Fußende des Boas)

-       Andacht am 24.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“

Ins Wasser fällt ein Stein


Ins Wasser fällt ein Stein,

ganz heimlich, still und leise;

und ist er noch so klein,

er zieht doch weite Kreise.

Wo Gottes große Liebe

in einen Menschen fällt,

da wirkt sie fort

in Tat und Wort

hinaus in uns're Welt.

 

Ein Funke, kaum zu seh'n,

entfacht doch helle Flammen;

und die im Dunkeln steh'n,

die ruft der Schein zusammen.

Wo Gottes große Liebe

in einem Menschen brennt,

da wird die Welt

vom Licht erhellt;

da bleibt nichts,

was uns trennt.

 

Nimm Gottes Liebe an.

Du brauchst dich nicht allein zu müh'n,

denn seine Liebe kann

in deinem Leben Kreise zieh'n.

Und füllt sie erst dein Leben,

und setzt sie dich in Brand,

gehst du hinaus,

teilst Liebe aus,

denn Gott füllt dir die Hand.

 

-       3. Bibeltext 1. Petrus 2, 1-10

 

1 So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede 2 und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil, 3 da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. 4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. 5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. 6 Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.« 7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist »der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, 8 ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Psalm 118,22; Jesaja 8,14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind. 9 Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; 10 die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25).

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Ein Stein des Anstoßes. Ein Stein, über den man stolpert. An dem man sich stößt. Sich die Knie aufschrammt.

So mag Jesus für manche daherkommen. Ein Störenfried. Die Welt war wohlgeordnet, die Tempel errichtet, die Liturgie geschrieben.

Wie oft sind wir eingerichtet in unserer Welt? Und wenn es einmal eine Ordnung gibt, fällt nichts leichter, als ihr zu folgen. Nicht zu fragen oder zu zweifeln, sondern zu tun, was der Andere tut, um zu haben, was er hat.

Und dann ragt da ein Stein aus der Mauer, an der wir täglich entlang gehen. Was tun wir? Weichen wir aus, um dann den gewohnten Gang weiter zu gehen? Schimpfen wir, wenn wir uns daran stießen? Rufen wir das Bauamt, auf das die Mauer wieder glatt gemeißelt werde?

Manchmal tut es gut, zu verharren. Den Stein zu betrachten. Sich zu fragen, woher er kommt, war er doch gestern noch nicht da. Ihn zu berühren. Zu fragen, wer ihn da so in die Mauer eingefügt haben mag.

Dann kann aus dem Stein des Anstoßes ein Stein des Anstoßens werden. Des neu Beginnens.

Das ist die Möglichkeit, die Jesus Christus uns gibt. Wir können Steine sein, die ins Wasser geworfen werden und viele Kreise ziehen. Und dann kommt der Stein ins Rollen. Und manchem mag ein Stein vom Herzen fallen.

Wachen wir auf aus unseren Träumen, in denen wir schlafen wie ein Stein. Manchmal müssen wir auch weit gehen über Stock und Stein. Aber wenn der erste Stein gelegt ist, dann kann darauf ein Gebäude errichtet werden. Jesus Christus ist der Grundstein.

Wir waren nicht dabei bei der Grundsteinlegung. Und viele Gebäude, die einst errichtet waren, sind längst wieder verschwunden. Aber unsere Kirche ist noch immer da. Wie in Stein gemeißelt ist sie weithin zu sehen. Nicht nur, wenn ich von der Autobahn komme, ist sie meine Orientierung.

Lassen Sie uns die Steine ruhig einmal umdrehen, um zu sehen, was darunter ist. Wir können Baumeister sein oder Nutzer errichteter Bauwerke. Aber in dem Vertrauen darauf, dass der Stein vor Jesu Grab schon beiseite geräumt ist, sind wir lebendige Steine.

 

-       5. Gebet

Guter Gott,

mit Steinen können wir Gutes und Böses tun.

Wir können Anderen Steine in den Weg legen.

Mit einem Herzen aus Stein können wir unserem Nächsten begegnen.

Wir können mit Steinen werfen.

Aber wir können auch Brücken bauen mit Steinen.

Wir können Häuser errichten,

die vor Kälte und Nässe schützen.

Wir können ein Fels sein,

an dem Seeleute sich retten,

der fest steht und unerschütterlich,

der Orientierung ist und Wegmarke,

der Kraft spendet und Mut.

So wie Petrus.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„ohne Namen“ von Ghasem Parsianrad)

Andacht am 23.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Wohl denen, die da wandeln“

EG295

295:1 Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit, nach seinem Worte handeln und leben allezeit; die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugniss' halten, sind stets bei ihm in Gnad.

295:2 Von Herzensgrund ich spreche: dir sei Dank allezeit, weil du mich lehrst die Rechte deiner Gerechtigkeit. Die Gnad auch ferner mir gewähr; ich will dein Rechte halten, verlass mich nimmermehr.

295:3 Mein Herz hängt treu und feste an dem, was dein Wort lehrt. Herr, tu bei mir das Beste, sonst ich zuschanden werd. Wenn du mich leitest, treuer Gott, so kann ich richtig laufen den Weg deiner Gebot.

295:4 Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich, so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich; dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erden, durch deine Hand bereit'.

 

-       3. Evangelium Johannes 17, 9-19

9 Ich bitte für sie. Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. 10 Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht. 11 Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir. 12 Solange ich bei ihnen war, erhielt ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, und ich habe sie bewahrt, und keiner von ihnen ist verloren außer dem Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde. 13 Nun aber komme ich zu dir, und dies rede ich in der Welt, auf dass meine Freude in ihnen vollkommen sei. 14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. 15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. 16 Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. 17 Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. 18 Wie du mich gesandt hast in die Welt, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. 19 Ich heilige mich selbst für sie, auf dass auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

Was sehen Sie? Wenn Sie das Foto zur heutigen Andacht betrachten, was sehen Sie?

„Ich bitte für sie. Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du mir gegeben hast,…“

Jesus spricht mit seinem Vater. Ein intimer Moment, an dem wir teilhaben dürfen. Ein wunderschönes Gebet.

Und doch auch rätselhaft. Jesus bittet nicht für die Welt? Er bittet nicht für die Städte und Länder, die vom Krieg verzehrt werden? Er bittet nicht für die Öffnung von Schulen, Kitas und Geschäften? Nein. Er bittet für die, die Gott ihm anvertraut hat.

Der auferstandene Jesus hat noch etwas zu erledigen. Er hat noch zu trösten, sich zu zeigen, zu überzeugen. Und er, der bald an der Seite seines Vaters sein wird, überantwortet jene, die erkannt haben und glauben, dass die Worte Jesu direkt von Gott kommen, dass Jesus von Gott zu den Menschen gesandt wurde, seinem Vater. Jesu Zeit auf Erden ist vorbei. Aber: „Von dort wird er kommen…“

Jesus bittet für die, die auf ihn hören, ihm folgen, in seinem Namen wirken. Für Maria von Magdala, für die Emmaus-Jünger, für die, die da fischten, für die, die erschraken in der Nacht. Und für all die, da danach folgen werden. Jesus bittet für uns.

Aber er bittet nicht für die Welt. Denn diese Welt ist nicht seine Welt. „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Jesus ist nicht der Juden König, wie es Pontius Pilatus höhnisch und mit Bedacht an dem Kreuz verkünden ließ, an dem Jesus gekreuzigt wurde. Jesus ist kein Präsident oder Kanzler.

Jesus ist ein Bauer. Ein Bauer, der säht, und fortgeht, wenn das Feld Früchte trägt. Fortgeht zum nächsten Feld und erneut säht. Und das, was da wächst, ist nicht von dieser Welt, wie auch Jesus nicht von dieser Welt ist.

Die, die Jesus folgen, sind nicht von dieser Welt. Manchmal werden sie sogar gehasst. Aber dass Christen nicht von dieser Welt sind, heißt nicht, dass sie weltfremd sind. Und sie sollen nicht fortgenommen werden von dieser Welt, sondern vor dem Bösen bewahrt.

Christen leben irgendwie in zwei Welten. Die Welt, in der wir leben, die verzehrt wird von Leid und Tod, von Verzweiflung und Hunger, ist die tägliche Welt. Sie ist so real und plakativ, als ob ein Maler sie mit dicker schwarzer Tinte auf Leinwand gebannt hätte.

Und dann ist da noch die verheißene Welt, die versprochene, die, an die wir glauben. Sie changiert, sie schimmert hindurch zwischen den dicken Pinselstrichen. Von den Geboten Gottes gehen wir aus, mit dem Denken Jesu gehen wir in diese Welt. Und oft verzweifeln wir ob der Schwierigkeit, manchmal sogar Unmöglichkeit, unsere Werte in die Welt zu tragen.

Aber sie schimmern hindurch. Manchmal tut es gut, nicht auf die schwarzen Pinselstriche zu achten, sondern auf das, was dazwischen ist. Was sehen, wenn Sie das Foto betrachten?

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

dein Reich ist nicht von dieser Welt.

Und doch leben wir täglich darin.

Dein Wort ist nicht von dieser Welt.

Und in all dem Getön fällt es schwer,

auf dich zu hören.

Und in all dem Tun fällt es schwer zu sehen,

welche Taten in deinem Namen vollbracht werden.

Wir bitten für die, die Barmherzigkeit zeigen in deinem Namen.

Die Trost spenden in deinem Namen.

Die handeln in deinem Namen.

Nimm sie nicht fort von dieser Welt!

Und bewahre sie vor dem Bösen.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 4“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – Rut klaubt die Ähren des Boas)

Andacht am 22.4.

19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Meine Hoffnung und meine Freude“

die Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke, mein Licht:

Christus meine Zuversicht,

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht,

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

-       3.  Bibeltext Jesaja 66, 6-13

6Horch, Lärm aus der Stadt! Horch, vom Tempel her! Horch, der HERR vergilt seinen Feinden! 7Ehe sie Wehen bekommt, hat sie geboren; ehe sie in Kindsnöte kommt, ist sie eines Knaben genesen. 8Wer hat solches je gehört? Wer hat solches je gesehen? Ward ein Land an einem Tage geboren? Ist ein Volk auf einmal zur Welt gekommen? Kaum in Wehen, hat Zion schon ihre Kinder geboren. 9Sollte ich das Kind den Mutterschoß durchbrechen und nicht auch geboren werden lassen?, spricht der HERR. Sollte ich, der gebären lässt, den Schoß verschließen?, spricht dein Gott. 10Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an dem Reichtum ihrer Mutterbrust. 12Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Ihre Kinder sollen auf dem Arme getragen werden, und auf den Knien wird man sie liebkosen. 13Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

-       4. Gedanken zum Text

„Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom,…“

Was für eine schöne Weissagung von Jesaja. Ich stelle mir vor, wie der Strom namens Frieden entspringt, vielleicht irgendwo in den Bergen, wie er erst plätschert als kleiner Bach, unterwegs kommen viele Seitenarme und andere Gewässer dazu, aus dem Bach wird ein Fluss, dann ein mächtiger Strom, der mäandernd die Stadt, von Jerusalem ist hier die Rede, umschließt.

Einschließt und beschützt, auf dass diese Stadt keine Mauern braucht. Und der Strom fließt weiter, nach Jerusalem umschließt er Betlehem, Ramallah, Hebron, Tel Aviv, Gaza, Haifa, Damaskus, Beirut, Sues, Homs….

Jede Stadt kann von dem Strom Frieden umschlossen werden. Und wenn sie es ist, dann können ihr Bewohner wieder ein bisschen leben wie Kinder. Sorglos. Ohne Bedrohung von außen oder innen. Eine Zeit ist das, in der ich mich nähren kann am Frieden wie an der Brust einer Mutter. Diese Städte brauchen keine kriegerischen Attribute wie Stärke oder Wachsamkeit oder Misstrauen oder Intoleranz.

Denn sie sind vom Frieden umschlossen. Vom Frieden Gottes, der hier bei Jesaja als Frau daherkommt. Der gebiert. Dessen Schoß nicht verschlossen ist. Dieser Frieden ist freigiebig. Er hat den Mutterschoß schon längst durchbrochen. Seit mindestens 2000 Jahren. Aber ist er auch schon geboren?

Viele der oben genannten Städte sind heute vom Frieden weiter entfernt denn je. Sie liegen unter Beschuss von außen, ihre Bevölkerung wird mit Giftgas ermordet, unfähig, jemals vollständig zu begreifen, wer eigentlich alles gegen sie kämpft. Auch innerhalb dieser Städte gibt es viel Zwietracht, gerade in Jerusalem ist es nicht einfach, die Heiligen Stätten allen Religionsgemeinschaften zugänglich zu machen. Um jeden Zoll Boden wird in der Grabeskirche erbittert gefeilscht, und wer nicht aufpasst, landet auf dem Dach, wie die Äthiopische Orthodoxe Kirche.

Und dieses Gebiet soll das Saatkorn meines Friedens sein? Ja! Vielleicht gerade deshalb, weil die Weissagung des Propheten noch lang nicht erfüllt ist. Weil ich weiß, was noch alles zu tun ist. Aber auch, wie es sein kann.

Und durch Jesus Christus weiß ich, aus einem Korn wird ein Feld und aus einem Rinnsal ein mächtiger Strom und aus einer Weissagung eine Wahrheit. Aus einem Schoß wird ein Kind geboren und aus vielen Schößen ein Volk. Und aus vielen Völkern kann der Frieden geboren werden.

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet,…“ Das war die Jahreslosung 2016. In diesem Jahr lautet sie „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben.“ Ja, wir Christen zweifeln auch oft. Und wenn ich mir Jerusalem heute betrachte, dann überkommen mich Zweifel.

Aber weil in Jerusalem geschah, was geschah, kann ich meinen Zweifel überwinden und wieder dem kindlichen Gutglauben anheimfallen. Jerusalem ist mein Saatkorn. Und trägt längst Früchte überall auf der Welt. Weil wir weiter säen.

-       5. Gebet

Jesus Christus,

die Stätten deines Wirkens, deines Todes und deiner Auferstehung

sind heute umkämpfter denn je.

Und auch unsere Städte leben nicht nur im Frieden.

So sei in dieser Zeit gerade an der Seite der Menschen,

in deren Städten der Krieg nicht enden will.

Sei den Menschen Trost, Hoffnung und Zuversicht.

Auch ihre Städte sollen dereinst vom Frieden umschlossen werden.

Schenke den Menschen die Einsicht und die Fähigkeit,

in Frieden zu leben.

Überwinde den Zorn, Hass und Neid.

Wir wollen Trost finden an der Brust deines Friedens.

Auf dass wir uns nähren und wachsen.

Wie dein Frieden.

Amen

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 2“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – die Beerdigung von Machlon und Kijon)

Andacht am 21.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Die Gedanken sind frei“

die Gedanken sind frei

Die Gedanken sind frei,

wer kann sie erraten,

sie fliehen vorbei,

wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

kein Jäger erschießen.

Es bleibet dabei:

Die Gedanken sind frei.

 

Ich denke, was ich will,

und was mich beglücket,

doch alles in der Still,

und wie es sich schicket.

Mein Wunsch und Begehren

kann niemand verwehren,

es bleibet dabei:

die Gedanken sind frei.

 

Ich liebe den Wein,

mein Mädchen vor allen,

sie tut mir allein

am besten gefallen.

Ich bin nicht alleine

bei meinem Glas Weine,

mein Mädchen dabei:

die Gedanken sind frei.

 

Und sperrt man mich ein

im finsteren Kerker,

das alles sind rein

vergebliche Werke;

denn meine Gedanken

zerreißen die Schranken

und Mauern entzwei:

die Gedanken sind frei.

 

Drum will ich auf immer

den Sorgen entsagen

und will mich auch nimmer

mit Grillen mehr plagen.

Man kann ja im Herzen

stets lachen und scherzen

und denken dabei:

die Gedanken sind frei.

 

-       3. Evangelium Hiob 42, 7-13

 

7 Als nun der HERR diese Worte mit Hiob geredet hatte, sprach er zu Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt über dich und über deine beiden Freunde; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob. 8 So nehmt euch nun sieben junge Stiere und sieben Widder und geht hin zu meinem Knecht Hiob und opfert Brandopfer für euch; aber mein Knecht Hiob soll für euch bitten; denn ihn will ich erhören, dass ich euch nichts Schlimmes antue. Denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob. 9 Da gingen hin Elifas von Teman, Bildad von Schuach und Zofar von Naama und taten, wie der HERR ihnen gesagt hatte. Und der HERR erhörte Hiob. 10 Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde bat. Und der HERR gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte. 11 Und es kamen zu ihm alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle, die ihn früher gekannt hatten, und aßen mit ihm in seinem Hause und sprachen ihm zu und trösteten ihn über alles Unglück, das der HERR über ihn hatte kommen lassen. Und ein jeder gab ihm ein Goldstück und einen goldenen Ring. 12 Und der HERR segnete Hiob fortan mehr als zuvor, er besaß vierzehntausend Schafe und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Eselinnen. 13 Und er bekam sieben Söhne und drei Töchter

 

-       4. Gedanken zum Text

 

Wofür lieben Sie Gott?

Ich mag den Anfang der Hiob-Geschichte nicht so gern. Ich mag nicht, dass Gott mit dem Teufel persönlich eine Wette abschließt. Wetten, dass ich Hiob mit noch so furchtbaren Schicksalsschlägen versuchen kann, er wird nicht aufhören, mich zu lieben? Das erinnert mich ein wenig an den Goetheschen Mephistopheles.

Und doch zeugt es auch vom Vertrauen, dass Gott in seinen Diener hat. Gott ist sich der Liebe Hiobs gewiss und weiß im Voraus, dass nichts diese erschüttern kann.

Woher kommt all das Leid dieser Welt? Woher kommt dieser Virus? Warum müssen so viele Menschen krank werden, so viele Menschen sterben? Warum haben wir kein Mittel dagegen?

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie wir als Christen mit dieser Zeit umgehen wollen? Ist das alles eine Strafe Gottes?

Da kommen all die vielen Freunde zu Hiob, um zu trösten und zu raten. Und ihr Rat besteht darin, all das Leid, das Hiob erfahren hat, als Strafe Gottes anzusehen. Sie drängen Hiob, die Schuld zu suchen bei sich. Worin hat er gefehlt, gesündigt, dass Gott ihm alles, was er einst besaß, genommen hat? Und Hiob? Bleibt fest. Fast erscheint mir Hiob an dieser Stelle ein wenig wie Forrest Gump, der auch so eine komplett andere Wahrnehmung hat der Welt, die uns täglich umgibt. Nein, für Hiob ist der Verlust keine Strafe, denn er liebt Gott nicht um den Reichtum, den er einst besaß, nicht einmal um das Leben seiner Liebsten. Hiob liebt Gott. Punkt.

Und was macht Hiob, als er nicht mehr tiefer fallen kann, als sogar seine eigene Gesundheit und sein eigenes Leben bedroht sind? Er hält Fürbitte für seine Freunde.

Nein, Covid 19 ist keine Strafe Gottes. Es ist ein Virus, gegen den wir kein Heilmittel besitzen. Wir Menschen müssen begreifen, dass wir nicht allmächtig sind. Ein Virus genügt, um all das zu erschüttern, was wir für unerschütterlich hielten.

Unerschütterlich ist die Liebe Hiobs zu Gott. Auch, als sein Körper mit Aussatz übersät ist, liebt er Gott.

Was Gott uns nicht geschenkt hat, kann er uns nicht nehmen. Der vermeintliche Reichtum dieser Welt ist kein Geschenk Gottes. Unser Streben nach mehr ist kein Geschenk Gottes. Die rasende Geschwindigkeit des Konsums ist kein Geschenk Gottes.

Die Liebe ist ein Geschenk Gottes. Die Barmherzigkeit, Großmut, Freigiebigkeit und das Mitfühlen mit dem Schwächeren sind Geschenke Gottes. Und sie bleiben es für Hiob auch in seinen schwersten Zeiten.

Die Fürbitte Hiobs für seine Freunde ist ein Wendepunkt in dieser Geschichte. Danach kommt das orientalisch anmutende kunterbunte Ende, in dem Hiob mit Reichtum nur so überschüttet wird. Das mag symbolisch gemeint sein. Die Gottestugenden mögen den damaligen Zeitgenossen so viel wert gewesen sein, wie all der Reichtum, der da aufgelistet wird.

Entscheidend für mich ist das Ende. Hiob starb lebenssatt. Hiob starb, als sein Leben voll war, erfüllt, als es nichts mehr zu tun gab für ihn. Zufrieden, satt.

So mag denn diese Zeit auch eine sein, in der wir nachdenken über unser Ende. Wir sind sterblich. Und alle Intensivmedizin wird daran nichts ändern. Den Tod als Teil des Lebens zu begreifen und doch darin auch Trost zu erfahren, darin liegt auch ein Versprechen Gottes.

Wofür lieben Sie Gott?

 

-       5. Gebet

Guter Gott,

wir barmen in dieser Zeit ob unseres Schicksals.

Was wurde uns nicht alles genommen?

Wie müssen wir uns einschränken.

Und über allem: Wofür? Warum?

Lass uns annehmen, was wir nicht ändern können.

Lass uns einsehen, dass wir nicht herrschen.

Und beschenke uns ein wenig

mit dem treuen Glauben Hiobs in dich.

Die Liebe zu dir kann uns niemand nehmen.

Die Barmherzigkeit kann uns niemand nehmen.

Und das Mitfühlen mit dem Nächsten,

der noch viel ärger bedroht ist.

Und lass uns einsehen, dass wir endlich sind.

Die Zufriedenheit in unserem Ende

liegt in der Liebe zu dir.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


(„Rut 3“ von Gerhard Schneider aus Krümmel – Noomi und Rut kehren zurück nach Betlehem)

Andacht am 20.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Die Gedanken sind frei“

die Gedanken sind frei

Die Gedanken sind frei,

wer kann sie erraten,

sie fliehen vorbei,

wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

kein Jäger erschießen.

Es bleibet dabei:

Die Gedanken sind frei.

 

Ich denke, was ich will,

und was mich beglücket,

doch alles in der Still,

und wie es sich schicket.

Mein Wunsch und Begehren

kann niemand verwehren,

es bleibet dabei:

die Gedanken sind frei.

 

Ich liebe den Wein,

mein Mädchen vor allen,

sie tut mir allein

am besten gefallen.

Ich bin nicht alleine

bei meinem Glas Weine,

mein Mädchen dabei:

die Gedanken sind frei.

 

Und sperrt man mich ein

im finsteren Kerker,

das alles sind rein

vergebliche Werke;

denn meine Gedanken

zerreißen die Schranken

und Mauern entzwei:

die Gedanken sind frei.

 

Drum will ich auf immer

den Sorgen entsagen

und will mich auch nimmer

mit Grillen mehr plagen.

Man kann ja im Herzen

stets lachen und scherzen

und denken dabei:

die Gedanken sind frei.

 

-       3. Evangelium 1. Mose 32, 22b-32

 

23 Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog durch die Furt des Jabbok. 24 Er nahm sie und führte sie durch den Fluss, sodass hinüberkam, was er hatte. 25 Jakob aber blieb allein zurück. Da rang einer mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 26 Und als er sah, dass er ihn nicht übermochte, rührte er an das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. 27 Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 28 Er sprach: Wie heißt du? Er antwortete: Jakob. 29 Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. 30 Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißt du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst. 31 Und Jakob nannte die Stätte Pnuël: Denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet. 32 Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.

 

-       4. Gedanken zum Text

Ein Ringkampf mit Gott?

Da ist also Jakob, der zurück kehren will in seine Heimat. Und doch ist da auch diese Angst an seiner Seite. Die Rückkehr in die Heimat scheint Anlass zu Freude und zu Furcht zugleich.

Denn vor langer Zeit kehrte Jakob seinem Vater und seinem Zwillingsbruder unter Betrug den Rücken. Stahl sich fort, wie ein Dieb in der Nacht. Mit nichts als einem Stab in der Hand.

Reich geworden und mit der Verheißung Gottes versehen kehrt er nun zurück. Aber die Furcht nagt an seinem Herzen. Wie wird sein Bruder ihn aufnehmen? Und auch ein reißender Fluss ist zu überqueren. Wird das ohne Schaden gelingen für all die Menschen, die ihn begleiten und die Viehherden, die sein Reichtum sind?

Je näher Jakob der Heimat kommt, desto mehr Furcht scheint er zu verspüren. Er gerät immer näher an sein Epizentrum, an dem sich alles entscheiden wird.

Als all seine Begleiter und sein Hab und Gut glücklich den Fluss gequert haben und Jakob allein zurückblieb, der nähert sich ihm ein Unbekannter, der ihn in einen Ringkampf verwickelt. Ein langer Kampf scheint das zu sein, denn die Morgenröte beginnt bereits zu dämmern, und der Kampf ist immer noch nicht entschieden. Es gibt keinen Sieger. Jakob geht hervor aus diesem Kampf mit einer Blessur, einem neuen Namen und einer Erkenntnis: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“

Manchmal müssen wir uns unserer Angst stellen, so verzweifelt sie auch sei. Irgendwann kehren wir zurück an den Punkt, an dem unsere Flucht begann, vor unseren Problemen, vor uns selbst oder so wie Jonah auch vor Gott. Und je länger wir fort waren, desto schwieriger wird die Rückkehr. Zwanzig Jahre waren es bei Jakob.

Wovor laufe ich davon? Wie lange bin ich schon auf der Flucht? Laufe ich noch davon oder bin schon umgekehrt, auf dem Weg zurück? Nicht immer kann ich diese Fragen klar beantworten. Nicht immer weiß ich um mich selbst. Und woher weiß ich, wo der Punkt ist, von dem aus ich fortlief?

Als Orientierung mag uns der gestrige Sonntag dienen, die Erinnerung an unsere Taufe. Der Tag, an dem wir uns bekannten zu Gott und zu unserer Gemeinde. Vielleicht haben auch Sie gestern Ihre Taufkerze entzündet und sich an Ihren ganz besonderen Tag erinnert. Und vielleicht haben sich auch schon die Blütenblätter des Gänseblümchens blau gefärbt.

Schön, wenn es eine Orientierung gibt, ein Licht, das leuchtet in der Dunkelheit.

Und so ist es die Morgenröte, die den Kampf endigt zwischen Jakob und dem Unbekannten, der Jakob dann aufklärt: „…denn du hast mit Gott gekämpft und mit Menschen und gewonnen.“

Auf meinem Weg zurück, dahin, wo ich herkam, kämpfe ich vor allen Dingen mit mir selbst. Mich mit meinen Problemen auseinanderzusetzen ist oft schwieriger, als davon zu laufen. Mich mit mir auseinanderzusetzen ist oft schwieriger, als vor mir selbst davon zu laufen.

Aber der Punkt, zu dem ich auf dem Weg bin, ist die Bank, auf der ich ausruhen kann, ist der Brunnen, aus dem ich Wasser schöpfe, ist die Gemeinschaft mit Gott, die vergibt, damit ich mir selbst vergebe.

Und so mag der Kampf Jakobs mit dem Unbekannten auch ein Kampf mit sich selbst gewesen sein. Ja, wir werden Blessuren davon tragen aus dem Kampf mit uns selbst. Wir werden hinken und der Staub wird knirschen zwischen unseren Zähnen, wenn die Sonne wieder aufgeht. Und der Ringkampf mit Gott ist vor allen Dingen ein Kampf mit uns selbst. Aber: Ich lasse mich nicht, es sei denn, ich segne mich selbst.

 

-       5. Gebet

Guter Gott,

wir laufen fort

und kehren zurück.

In unseren Herzen die Angst.

Was wird sein?

Wird es so sein, wie es war, als wir gingen?

Sind wir die, die wir waren, als wir gingen?

Wie werden uns die begegnen, die wir verließen?

Guter Gott!

Sei du uns ein Licht in der Dunkelheit,

dass wir nicht fehlgehen.

Sei du das Licht, das leuchtete,

als wir fortgingen.

Nimm uns die Angst,

die an unseren Herzen nagt.

Mach uns stark in Kämpfen,

die wir zu bestreiten haben.

Und lass uns erkennen,

dass Feinde nicht immer unsere Feinde sind.

Amen

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.


Andacht zur Tauferinnerung am 19.04.2020 von Gemeindepädagogin Barbara Brede

-       10 Uhr: Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen in der Kirche und der Taufkerzen zu Hause

-       2. Evangelium (Matthäus 28, 18-20)

Jesus trat auf die Apostel zu und sagte zu ihnen: "Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch gesagt habe.“

-       3. Gedanken zum Bibeltext

Nach Ostern brauchen die Jünger ein neues Ziel. Sie sind getröstet und schöpfen Hoffnung aus der Auferstehung Christi, aber so weitergehen wie bisher kann es nicht. Jesus macht ihnen Mut und gibt ihnen einen wichtigen Auftrag, nämlich weiterzusagen, was sie von ihm über Gott gelernt haben und die Menschen zu taufen.

Auf dem Bild ist unser Taufbecken zu sehen. Es ist schön geschmückt, aber das Wichtigste fehlt noch: Das Wasser zur Taufe.

Wo kommt Wasser überall vor? Und für welche lebenswichtigen Tätigkeiten wird Wasser benötigt? Bei uns wird es zum Beispiel zur Taufe aus dem Brunnen am Pfarrhaus gepumpt. Die Taufe ist etwas Lebenswichtiges und deshalb erinnern wir uns jedes Jahr in einem besonderen Gottesdienst daran.

Wasser kann den Tod bedeuten, wie die Wellen in einem Sturm auf dem Meer, aber es ist gleichzeitig lebenswichtig, reinigt und erfrischt wie ein Getränk nach einem langen Tag am Strand. Das Wasser der Taufe verbindet uns mit Jesus Christus, weil er für uns den Tod besiegt hat. Durch das Wasser der Taufe erfahren wir Gottes Zuwendung, Nähe und Segen. Mit dem Wasser der Taufe wird unsere Schuld von uns abgewaschen, wir werden erlöst von Sünde und Tod. Gott schenkt uns ein neues, ewiges Leben in der Taufe. Sie macht lebendig, schenkt neue Kraft und erfrischt. Darauf dürfen wir uns verlassen, auch und gerade in schwierigen Situationen wie jetzt gerade.

So wie wir Wasser zum Leben brauchen, brauchen wir auch Jesus Christus.

 

-       4. Aktion für die Kinder

Nehmt eine weiße Blume (z.B. ein Gänseblümchen) und stellt sie in ein Gefäß mit Wasser und etwas Tinte. Dann sieht man gut, dass das Wasser die Blume bis ins letzte Blütenblatt durchdringt. So wollen wir uns von Gottes Liebe erfüllen lassen.

 

-       5. Lied Ins Wasser fällt ein Stein

Ins Wasser fällt ein Stein

Ins Wasser fällt ein Stein,

ganz heimlich, still und leise;

und ist er noch so klein,

er zieht doch weite Kreise.

Wo Gottes große Liebe

in einen Menschen fällt,

da wirkt sie fort

in Tat und Wort

hinaus in uns're Welt.

 

Ein Funke, kaum zu seh'n,

entfacht doch helle Flammen;

und die im Dunkeln steh'n,

die ruft der Schein zusammen.

Wo Gottes große Liebe

in einem Menschen brennt,

da wird die Welt

vom Licht erhellt;

da bleibt nichts,

was uns trennt.

 

Nimm Gottes Liebe an.

Du brauchst dich nicht allein zu müh'n,

denn seine Liebe kann

in deinem Leben Kreise zieh'n.

Und füllt sie erst dein Leben,

und setzt sie dich in Brand,

gehst du hinaus,

teilst Liebe aus,

denn Gott füllt dir die Hand.

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

(sprechen Sie es gern mit Gesten, dann erfahren Sie es mit dem ganzen Körper)

 

 -       7. Fürbitte

Allmächtiger Gott, wir bitten dich,

sei bei allen, denen das Wasser bis zum Hals steht,

bei denen, die krank sind,

bei denen, denen zu Hause und im Beruf alles über den Kopf wächst in dieser ungewöhnlichen Situation

bei denen, die das Alleinsein nicht aushalten

erfrische die, die in Krankenhäusern, Pflege, Supermärkten, Polizei und Behörden weit mehr leisten müssen als in normalen Zeiten,

die, die für Schüler, Studenten und Angestellte ganz neue Formen der Zusammenarbeit finden müssen

Tröste die Trauernden und Verzweifelten und sei bei allen, die sich vergessen fühlen.

Schenke uns allen Geduld, Zuversicht und Phantasie.

 

-       8. Segen

Der Herr segne uns,

wie er es in der Taufe getan hat

er sei das lebensspendende Wasser für uns,

das unsere Schuld abwäscht

das uns trägt, erfrischt und stärkt für jeden neuen Tag.

Amen


(„Jona auf dem Weg“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

Andacht am 18.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Der Mond ist aufgegangen“ 

Der Mond ist aufgegangen Notenblatt

   1. Der Mond ist aufgegangen

    die goldnen Sternlein prangen

    am Himmel hell und klar.

    Der Wald steht schwarz und schweiget,

    und aus den Wiesen steiget

    der weiße Nebel wunderbar.

   2. Wie ist die Welt so stille

    und in der Dämmrung Hülle

    so traulich und so hold

    als eine stille Kammer,

    wo ihr des Tages Jammer

    verschlafen und vergessen sollt.

   3. Seht ihr den Mond dort stehen?

    Er ist nur halb zu sehen

    und ist doch rund und schön.

    So sind wohl manche Sachen,

    die wir getrost belachen,

    weil unsre Augen sie nicht sehn.

   4. Wir stolzen Menschenkinder

    sind eitel arme Sünder

    und wissen gar nicht viel.

    Wir spinnen Luftgespinste

    und suchen viele Künste

    und kommen weiter von dem Ziel.

   5. Gott, lass dein Heil uns schauen,

    auf nichts Vergänglichs trauen,

    nicht Eitelkeit uns freun;

    lass uns einfältig werden

    und vor dir hier auf Erden

    wie Kinder fromm und fröhlich sein.

   6. Wollst endlich sonder Grämen

    aus dieser Welt uns nehmen

    durch einen sanften Tod;

    und wenn du uns genommen,

    lass uns in’ Himmel kommen,

    du unser Herr und unser Gott.

  7.  So legt euch denn, ihr Brüder,

    in Gottes Namen nieder;

    kalt ist der Abendhauch.

    Verschon uns, Gott, mit Strafen

    und lass uns ruhig schlafen.

    Und unsern kranken Nachbarn auch!

 

Text: Matthias Claudius 1779

Melodie: Johann Abraham Peter Schulz 1790

-       3. Evangelium Lukas 24, 1-12

 

1Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. 2Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab 3und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. 4Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. 5Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: 7Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. 8Und sie gedachten an seine Worte. 9Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den andern allen. 10Es waren aber Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern mit ihnen; die sagten das den Aposteln. 11Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. 12Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.

 

-       4. Gedanken zum Text

 

Da machen sich also die Frauen auf, nach dem Grab zu sehen. Da machen sich welche auf, zu sehen.

Sehen heißt nicht, die Augen zu öffnen und zu schauen. Sehen heißt hingehen, auch dahin, wo es schmerzt. Zu einem Grab zu gehen ist Schmerz. Sehen ist beschwerlich. Manchmal muss man sich auch bücken, so wie Petrus, um in den Abgrund zu sehen.

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Für das Sehen ist auch entscheidend, wo ich suche. Oft suchen wir an der falschen Stelle. Oft sehen wir an der falschen Stelle.

Da sind sie, die ersten Zeuginnen der Auferstehung. Vielleicht ängstlich und verschüchtert. Sie haben auch nicht darüber nachgedacht, wie sie den schweren Stein beiseite wälzen wollen. Aber sie haben sich aufgemacht. Sie bleiben nicht sitzen und hadern ob des Todes Jesu wie die Jünger es tun, sie gehen los.

Wann machen wir uns auf? Wann gehen wir los, auch dahin, wo es schmerzt, auch dann, wenn wir traurig sind, auch dann, wenn wir Angst haben?

Auch das ist die Osterbotschaft für mich: Geh los! Bleib nicht sitzen und hadere! Geh los und mach was!

Ja sicher, manchmal kann ich scheitern. Es können mir Felsen im Weg stehen, die ich nicht beiseite räumen kann. Aber wenn ich nicht losgehe, erfahre ich nie, ob da ein Fels ist. Und manchmal ist er schon aus dem Weg geräumt für mich.

Wie schön, dass die Frauen losgegangen sind. Sie hätten auch sitzen bleiben können und beten für Jesus. Aber beten reichte ihnen nicht. Sie sind losgegangen und haben etwas getan.

Manchmal reicht beten nicht aus. Das habe ich in meiner Arbeit oft erfahren. Vom Beten bekommt kein Geflüchteter einen Aufenthaltstitel oder eine Arbeit, vom Beten wird kein Hungernder satt und kein Trauriger fröhlich. Wenn ich nur bete, überlasse ich das Tun den Anderen.

Christ sein heißt für mich auch aktiv sein. Losgehen. Und oft mögen wir dabei für naiv gehalten werden. Ja, es mag sein, dass wir in unserem Tun von der Gnade und Barmherzigkeit geleitet werden. Und manche mögen das für naiv halten. Aber manchmal passiert das Unmöglich dann doch. Weil wir losgegangen sind. Weil wir daran geglaubt haben, dass der Stein vor dem Grab schon beiseite gerollt worden ist.

Gern erinnern wir uns an das letzte Osterfest. Da geschah es, dass ein Vater mit drei Kindern nach langer Zeit aus Eritrea zu seiner Frau und seinem anderen Kind nach Deutschland kommen durfte. Eigentlich ein aussichtsloser Fall. Vergebliche Mühe. Und unendliche Stunden der Arbeit.

Aber da sind welche losgegangen. Bleiben Sie nicht sitzen! Und folgen Sie auch gern mal den Frauen, sie waren die ersten, die losgegangen sind.

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

du bist losgegangen.

Und hast getan.

Und wurdest verraten.

Und dann waren da welche,

die sind nach dir losgegangen.

Lass uns nicht sitzen bleiben.

Lass uns nicht hadern in schweren Zeiten.

Lass uns aufstehen, wenn wir stolpern.

Lass uns den Mut nicht verlieren.

Leite uns in deiner Zuversicht.

Lass uns denen folgen, die dir folgten.

Amen

 

-       6. Vater unser


(„Jona losen“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 17.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Der Mond ist aufgegangen“

Der Mond ist aufgegangen Notenblatt

   1. Der Mond ist aufgegangen

    die goldnen Sternlein prangen

    am Himmel hell und klar.

    Der Wald steht schwarz und schweiget,

    und aus den Wiesen steiget

    der weiße Nebel wunderbar.

   2. Wie ist die Welt so stille

    und in der Dämmrung Hülle

    so traulich und so hold

    als eine stille Kammer,

    wo ihr des Tages Jammer

    verschlafen und vergessen sollt.

   3. Seht ihr den Mond dort stehen?

    Er ist nur halb zu sehen

    und ist doch rund und schön.

    So sind wohl manche Sachen,

    die wir getrost belachen,

    weil unsre Augen sie nicht sehn.

   4. Wir stolzen Menschenkinder

    sind eitel arme Sünder

    und wissen gar nicht viel.

    Wir spinnen Luftgespinste

    und suchen viele Künste

    und kommen weiter von dem Ziel.

   5. Gott, lass dein Heil uns schauen,

    auf nichts Vergänglichs trauen,

    nicht Eitelkeit uns freun;

    lass uns einfältig werden

    und vor dir hier auf Erden

    wie Kinder fromm und fröhlich sein.

   6. Wollst endlich sonder Grämen

    aus dieser Welt uns nehmen

    durch einen sanften Tod;

    und wenn du uns genommen,

    lass uns in’ Himmel kommen,

    du unser Herr und unser Gott.

  7.  So legt euch denn, ihr Brüder,

    in Gottes Namen nieder;

    kalt ist der Abendhauch.

    Verschon uns, Gott, mit Strafen

    und lass uns ruhig schlafen.

    Und unsern kranken Nachbarn auch!

 

Text: Matthias Claudius 1779

Melodie: Johann Abraham Peter Schulz 1790

-       3. Evangelium Lukas 24, 36-47

 

36Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 37Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. 38Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? 39Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. 40Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße. 41Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? 42Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. 43Und er nahm's und aß vor ihnen. 44Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. 45Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden, 46und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; 47und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern.

 

-       4. Gedanken zum Text

 

Was soll das eigentlich sein, die Auferstehung Jesu Christi? Ist er wieder lebendig? War er gar nicht tot? Treibt er gar einen Schabernack mit den Jüngern?

Da hasten zwei, die auf dem Weg nach Emmaus waren und eigentlich ein Nachtlager nehmen wollten, mitten in der Nacht zurück nach Jerusalem zu den anderen Jüngern, um von ihren Erlebnissen zu berichten. Zwei, die zweifelten und es nun doch nicht mehr tun. Und mitten in deren Erzählung platzt nun einer herein und sagt: Seht, hier bin ich. Und das Maria Magdalena noch ausgesprochene Berührungsverbot gilt nun auch nicht mehr: Fasst mich an! Und seht meine Hände und Füße! Und dann isst er auch noch gebratenen Fisch. Lauter Beweise. Oder Ermahnungen?

Glaubt ja nicht, ich sei tot! Glaubt ja nicht, der Tod sei das Ende!

Wir heutigen wissen, wie es weiter geht. Aber die Jünger damals fürchteten sich und erschraken. War hier ein Geist erschienen? Wollte er ihnen etwas antun?

Ja, Jesus will uns etwas antun! Er will nicht, dass wir glauben an seinen Tod. Er will nicht, dass wir glauben an unseren Tod.

Jesus Christus als Überwinder des Todes. Nichts ist je zu Ende.

Aber dass Jesus auferstanden ist, heißt nicht, dass er nun wieder bei uns ist. Er wird nicht ewig fassbar, fühlbar sein, mit uns essen. Für uns hängt er am Kreuz in der Kirche.

Und von dort ruft er uns sein „Schalom alächem!“ zu. Friede sei mit euch, wenn ihr euch meiner Taten und Worte erinnert. Friede sei mit euch, wenn ihr euch meines Leids erinnert. Friede sei mit euch in der dunkelsten Stunde, der Stunde eures Todes, denn sie ist nicht mehr dunkel.

Und doch ist da diese Trauer in uns ob des Todes, des Abschieds, des Vorbei seins. Und manchmal auch die Enttäuschung. Das kann doch nicht wahr sein, dass Jesus Christus, der Erlöser, der Erretter, der die Wahrheit nicht nur spricht, sondern sogar ist, gekreuzigt wird! Wir wollten doch noch so viel von dir hören. Wir wollten doch noch deine Taten sehen. Du gabst uns doch den Mut!

Und nun? Alles aus? Nein. Nun müssen wir selbst von Jesus und seinen Worten und Taten künden, müssen selbst in seinem Namen handeln, Mut spenden den Mutlosen und barmherzig sein mit den Harten. Auch das bedeutet Auferstehung für mich.

Die Auferstehung Jesu Christi hat Bedeutung, weil da eine geweint hat am Grab, weil da zwei gingen nach Emmaus und einem dritten begegneten, weil welche fischten im See und erfolglos waren und weil welche erschraken in der Nacht.

Und weil wir weinen am Grab und gehen nach Emmaus und erfolglos fischen und erschrecken in der Nacht. Und weil wir Jesus Christus immer wieder begegnen.

 

-       Gebet

Jesus Christus,

so viel Hoffnung liegt über dem Land.

Und so viel Furcht vor Enttäuschung.

Auch wir waren enttäuscht ob deiner Kreuzigung.

So sprich auch uns wieder zu

dein „Friede sei mit euch!“

Stärke uns in dem Glauben,

dass der Tod nicht das Ende ist,

dass der Abschied keiner auf ewig ist,

dass vorbei eben nicht vorbei ist.

Gewissheiten sind so gewiss

und es ist so bequem, darin zu leben.

Nichts ist mehr gewiss

und wir sind gerissen aus unserer Bequemlichkeit.

Aber du bist auferstanden,

des sind wir gewiss.

Amen

 

-       6. Vater unser


(„Jona im Meer“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

-       Andacht am 16.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Der Mond ist aufgegangen“

Der Mond ist aufgegangen Notenblatt

   1. Der Mond ist aufgegangen

    die goldnen Sternlein prangen

    am Himmel hell und klar.

    Der Wald steht schwarz und schweiget,

    und aus den Wiesen steiget

    der weiße Nebel wunderbar.

   2. Wie ist die Welt so stille

    und in der Dämmrung Hülle

    so traulich und so hold

    als eine stille Kammer,

    wo ihr des Tages Jammer

    verschlafen und vergessen sollt.

   3. Seht ihr den Mond dort stehen?

    Er ist nur halb zu sehen

    und ist doch rund und schön.

    So sind wohl manche Sachen,

    die wir getrost belachen,

    weil unsre Augen sie nicht sehn.

   4. Wir stolzen Menschenkinder

    sind eitel arme Sünder

    und wissen gar nicht viel.

    Wir spinnen Luftgespinste

    und suchen viele Künste

    und kommen weiter von dem Ziel.

   5. Gott, lass dein Heil uns schauen,

    auf nichts Vergänglichs trauen,

    nicht Eitelkeit uns freun;

    lass uns einfältig werden

    und vor dir hier auf Erden

    wie Kinder fromm und fröhlich sein.

   6. Wollst endlich sonder Grämen

    aus dieser Welt uns nehmen

    durch einen sanften Tod;

    und wenn du uns genommen,

    lass uns in’ Himmel kommen,

    du unser Herr und unser Gott.

  7.  So legt euch denn, ihr Brüder,

    in Gottes Namen nieder;

    kalt ist der Abendhauch.

    Verschon uns, Gott, mit Strafen

    und lass uns ruhig schlafen.

    Und unsern kranken Nachbarn auch!

 

Text: Matthias Claudius 1779

Melodie: Johann Abraham Peter Schulz 1790

 

-       3. Evangelium Johannes 21, 1-14

 

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. 8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. 9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. 12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch den Fisch. 14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

 

Ostern ist vorbei, wir haben Halleluja gerufen, und was machen die Jünger? Sie gehen fischen.

Der Hunger mag sie getrieben haben und die Notwendigkeit zum Gelderwerb. Wir machen weiter. Wie vorher. Ostern ist vorbei.

Die Netze aber bleiben leer. Na gut, das mag ja mal vorkommen. Nicht jede Anstrengung ist von Erfolg gekrönt. Aber merkwürdig ist es schon. Und die Mägen knurren.

Wonach knurrt Ihnen der Magen? Was vermissen Sie an diesem Osterfest, wie es sicher noch keines gab?

Manch einer wird den Kontakt zu seinen Liebsten vermissen. Telefonate, SMS, Videoanrufe sind kein vollwertiger Ersatz für ein Gespräch, für Augenkontakt, eine liebevolle Umarmung. Das digitale Leben basiert auf dem analogen. Vergessen wir das nie.

Manch einer wird den Kirchgang vermissen. Sicher, viele Gemeinden versuchen was möglich ist, um den Kontakt zu uns Gläubigen zu halten. Liebevoll, mit viel Enthusiasmus, manchmal auch übereifrig und vielleicht auch ein wenig dilettantisch werden Gottesdienste aufgezeichnet und über Internetplattformen verbreitet, Briefe verschickt, es gibt Andachten zum Mitnehmen und viele andere Ideen. Aber die Kreuzigungsgruppe hängt in meiner Kirche und nicht bei mir daheim.

Und so mancher mag auch seine Arbeit vermissen nach dieser langen Zeit des homeoffice und der Videokonferenzen. Fische fangen kann ich nur im See.

Und einige werden vielleicht auch etwas vermisst haben, von dem sie gar nicht wussten, dass sie es vermissen so lange sie die Möglichkeit dazu hatten.

Und nun? Corona ist vorbei, es ist Zeit für den Exit? Volle Fahrt voraus und den Fisch wieder in die Netze gepresst?

Wie gut, dass die Netze leer bleiben. Ein so weiter wird es wohl nicht geben. Ostern ist nicht vorbei. Es ist nie vorbei.

Wie gut, dass da einer steht am Ufer und nach uns sieht. „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Nein, die Netze sind leer.

Sicher, mein Küchenschrank ist voll, da sind Mehl und Eier und Konserven und Spagetti und Eier…Ich habe vorgesorgt.

Aber ich habe Hunger. Das, was ich brauche, findet sich nicht in meinem Küchenschrank. Das hält der am Ufer für mich bereit. Das Feuer ist längst angezündet. Ich muss nur zu ihm gehen.

Ostern ist nicht vorbei. Es ist nie vorbei.

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

du wurdest gekreuzigt.

Dein Grab ist leer.

Und du erscheinst uns.

Lass die Freude in uns nicht verblassen.

Lass uns stolpern, wenn wir laufen.

Lass uns stumm sein, wenn wir sprechen,

blind sein, wenn wir sehen.

Lass die Achtsamkeit für unsere Nächsten nicht wieder verblassen.

Lass uns weiter dankbar sein für Arbeit, die wir so selten sehen.

Nimm uns den Glauben, Meister in allem zu sein.

In der Stunde der geschäftigsten Betriebsamkeit,

der größten Hektik

will ich aufschauen,

auf das Ufer sehen,

mich an dein Feuer setzen,

dir folgen.

Es ist alles bereit.

Amen

 

-       6. Vater unser


(„Jona Mossul“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

Andacht am 15.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Der Mond ist aufgegangen“

Der Mond ist aufgegangen Notenblatt

   1. Der Mond ist aufgegangen

    die goldnen Sternlein prangen

    am Himmel hell und klar.

    Der Wald steht schwarz und schweiget,

    und aus den Wiesen steiget

    der weiße Nebel wunderbar.

   2. Wie ist die Welt so stille

    und in der Dämmrung Hülle

    so traulich und so hold

    als eine stille Kammer,

    wo ihr des Tages Jammer

    verschlafen und vergessen sollt.

   3. Seht ihr den Mond dort stehen?

    Er ist nur halb zu sehen

    und ist doch rund und schön.

    So sind wohl manche Sachen,

    die wir getrost belachen,

    weil unsre Augen sie nicht sehn.

   4. Wir stolzen Menschenkinder

    sind eitel arme Sünder

    und wissen gar nicht viel.

    Wir spinnen Luftgespinste

    und suchen viele Künste

    und kommen weiter von dem Ziel.

   5. Gott, lass dein Heil uns schauen,

    auf nichts Vergänglichs trauen,

    nicht Eitelkeit uns freun;

    lass uns einfältig werden

    und vor dir hier auf Erden

    wie Kinder fromm und fröhlich sein.

   6. Wollst endlich sonder Grämen

    aus dieser Welt uns nehmen

    durch einen sanften Tod;

    und wenn du uns genommen,

    lass uns in’ Himmel kommen,

    du unser Herr und unser Gott.

  7.  So legt euch denn, ihr Brüder,

    in Gottes Namen nieder;

    kalt ist der Abendhauch.

    Verschon uns, Gott, mit Strafen

    und lass uns ruhig schlafen.

    Und unsern kranken Nachbarn auch!

 

Text: Matthias Claudius 1779

Melodie: Johann Abraham Peter Schulz 1790

 

-       3. Evangelium Johannes 20, 11-18

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab 12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. 13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. 16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! 17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. 18 Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

 

Was ist das eigentlich für eine Zeit? Jesus ist auferstanden, Halleluja. Ist Jesus auferstanden?

Im Roman „Der Aufenthalt“ von Herman Kant soll dessen Held, Mark Niebuhr, seinen Namen sagen. Auf seine Antwort hin wird er durch den polnischen Offizier immer wieder gefragt: „Woher weiß ich?“

Woher weiß ich, dass Jesus Christus auferstanden ist? Maria Magdala weint ob des leeren Grabes und geht von einem Diebstahl des Leichnams aus. Und dann ist da einer, den sie für den Gärtner hält mit seinem „noli me tangere“.

Das Grab ist leer. „Woher weiß ich?“

Die Engel verkünden es. „Woher weiß ich?“

Jesus erscheint. „Woher weiß ich?“

Für mich gehören das Auffahren Jesu Christi zu seinem Vater und das Überkommen des Heiligen Geistes auf die Jünger zur Auferstehung dazu. Und auch für Jesus selbst scheint das so zu sein, spricht er Maria Magdala doch ein Berührungsverbot aus.

Und wie ist das eigentlich mit uns heutigen? Die wir doch die ganze Geschichte längst kennen und sie nicht in „Echtzeit“ erleben. Bedarf es für unsere Freude der ganzen Geschichte oder freuen wir uns über ein leeres Grab?

Aber da sind ja noch die Prophezeiungen. Das leere Grab ist die Erfüllung eines Teils der Prophezeiungen und damit die Übereinstimmung einer Vorhersage mit einem Ereignis. Aber ist das alles?

Nein, sicher nicht. In der Auferstehung liegt begründet die Gewissheit, dass der Sohn Gottes der Sohn Gottes ist. Der, der da gekreuzigt wurde, war eben nicht nur ein Mensch.

Für mich ist das Heilsversprechen für die Zeit nach meinem Tode einer der schwierigsten Glaubensteile. Und aus vielen Gesprächen in Taizè weiß ich, dass es vielen anderen Christen auch so geht. Das mag darin begründet liegen, dass wir heutige sind, dass wir mit einem Wissensvorteil an die Sache heran gehen. Und für mich ist diese Schwierigkeit auch begründet in meiner Fehlbarkeit.

Ich kann Jonah so gut verstehen, der nicht nach Ninive gehen mag um den Einwohnern mit dem Untergang ihrer Stadt zu drohen. Irgendwie scheint er zu ahnen, dass am Ende Gott mit seiner Barmherzigkeit um die Ecke kommt und Jonahs Reden Lügen straft. Wollte Jonah den Untergang der Stadt? Hielt er es für besser, den Sündenpfuhl untergehen zu sehen? Und dann klagte er Gott das Eingehen einer schattenspendenden Pflanze, die von einer Raupe gestochen ward.

Welches Leid hat Jesus getragen? Und welches Leid bringe ich vor Gott? Das Leid, das mir am nächsten ist? Oder kann ich auch mal einfach eine neue Pflanze pflanzen?

Worüber freuen Sie sich zu Ostern? Ich freue mich jedes Jahr darauf, wieder über die Auferstehung nachzudenken und meine Gewissheiten und Zweifel immer wieder aufs Neue vor mich und vor Gott bringen zu können.

 

-       5. An Stelle eines Gebets lesen wir heute ein Gedicht von Dorothee Sölle, dass mir mein Taufpate zu Ostern schenkte

 

Über  Auferstehung

 

Sie fragen mich nach der Auferstehung

sicher sicher gehört hab ich davon

daß ein Mensch dem Tod nicht mehr entgegenrast

daß der Tod hinter einem sein kann

weil vor einem die Liebe ist

daß die Angst hinter einem sein kann

die Angst verlassen zu bleiben

weil man selber gehört hab ich davon

so ganz wird daß nichts da ist

das fortgehen könnte für immer

 

Ach frag nicht nach Auferstehung

ein märchen aus uralten zeiten

das kommt dir schnell aus dem Sinn

ich höre denen zu

die mich austrocknen und kleinmachen

ich richte mich ein

auf die langsame Gewöhnung ans totsein

in der geheizten Wohnung

den großen Stein vor der Tür

Ach frag du mich nach der Auferstehung

Ach hör nicht auf mich zu fragen

 

(Dorothee Sölle)

 

-       6. Vater unser


(„Jona Ninive“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

Andacht am 14.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Der Mond ist aufgegangen“

Der Mond ist aufgegangen Notenblatt

   1. Der Mond ist aufgegangen

    die goldnen Sternlein prangen

    am Himmel hell und klar.

    Der Wald steht schwarz und schweiget,

    und aus den Wiesen steiget

    der weiße Nebel wunderbar.

   2. Wie ist die Welt so stille

    und in der Dämmrung Hülle

    so traulich und so hold

    als eine stille Kammer,

    wo ihr des Tages Jammer

    verschlafen und vergessen sollt.

   3. Seht ihr den Mond dort stehen?

    Er ist nur halb zu sehen

    und ist doch rund und schön.

    So sind wohl manche Sachen,

    die wir getrost belachen,

    weil unsre Augen sie nicht sehn.

   4. Wir stolzen Menschenkinder

    sind eitel arme Sünder

    und wissen gar nicht viel.

    Wir spinnen Luftgespinste

    und suchen viele Künste

    und kommen weiter von dem Ziel.

   5. Gott, lass dein Heil uns schauen,

    auf nichts Vergänglichs trauen,

    nicht Eitelkeit uns freun;

    lass uns einfältig werden

    und vor dir hier auf Erden

    wie Kinder fromm und fröhlich sein.

   6. Wollst endlich sonder Grämen

    aus dieser Welt uns nehmen

    durch einen sanften Tod;

    und wenn du uns genommen,

    lass uns in’ Himmel kommen,

    du unser Herr und unser Gott.

  7.  So legt euch denn, ihr Brüder,

    in Gottes Namen nieder;

    kalt ist der Abendhauch.

    Verschon uns, Gott, mit Strafen

    und lass uns ruhig schlafen.

    Und unsern kranken Nachbarn auch!

 

Text: Matthias Claudius 1779

Melodie: Johann Abraham Peter Schulz 1790

 

-       3. Evangelium Johannes 20, 1-10

1 Am ersten Tag der Woche kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen war. 2 Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus, und sie kamen zum Grab. 4 Es liefen aber die beiden miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam als Erster zum Grab, 5 schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. 6 Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab und sieht die Leinentücher liegen, 7 und das Schweißtuch, das auf Jesu Haupt gelegen hatte, nicht bei den Leinentüchern, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. 8 Da ging auch der andere Jünger hinein, der als Erster zum Grab gekommen war, und sah und glaubte. 9 Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste. 10 Da gingen die Jünger wieder zu den anderen zurück.

 

-       4. Gedanken zum Text von Stephan Koepke

 

Warum eigentlich Jonah? Sicher werden auch Sie sich schon gefragt haben, warum hier immer wieder Skizzen zum Buch Jonah auftauchen. Und wer ist eigentlich Gerhard Schneider?

Nun, die zweite Frage ist schnell beantwortet. Ich lernte Gerhard kennen im Jahr 2017 auf einer Veranstaltung, die sich da nennt „Kirche stärkt Demokratie“. Alle, die dort mitmachen wollen, treffen sich viermal im Jahr irgendwo in MV und berichten von der Arbeit in ihren Gemeinden und was ihnen am Herzen liegt. Gerhard kommt aus Krümmel und berichtete auf einem der ersten Treffen von seiner Lektüre von Bulgakows „Meister und Margarita“. Das weckte mein Interesse, denn nicht viele haben dieses Buch wirklich gelesen.

Dann brachte er immer wieder Auszüge seiner Werke mit zu unseren Treffen und spätestens bei der „Judith“ war ich Feuer und Flamme und wollte ihn mit seinen Blättern nach Biestow holen. Leider hat das noch nicht geklappt, aber kurz vor Corona standen wir in intensiven Verhandlungen zum „Jonah“. Und weil das nun nicht geht, hat Gerhard uns seine Blätter für unsere Andachten zur Verfügung gestellt.

Warum aber taucht der Jonah nun so oft in unseren Andachten auf? Nun, am bekanntesten am Jonah ist sicher sein Aufenthalt im Bauch eines Fisches, wobei dahingestellt sein bleibe, um war für eine Art von Fisch es sich handelt. Auch ich habe oft darüber nachgedacht, was für eine merkwürdige Art von Rettung dies ist. Da spricht Jonah zu den Seeleuten auf dem in Seenot geratenen Schiff, dass sie ihn denn über Bord werfen sollten, um sich selbst zu retten. Und dann landet er im stinkenden, schleimigen Schlund eines Seewesens, dass dann auch noch abtaucht in die Tiefen des Meeres. Und salziges Wasser wird zu Jonah gespült mit allerlei verschlucktem Getier und Jonah ist nass und friert und die Luft wird knapp. Und dann dringt sein Gebet aus den Tiefen des Meeres und durch die Speckschichten des Bauches des Ungetüms doch zu Gott.

So mag es in diesen Zeiten auch dem einen oder anderen von uns gehen. Eingeschlossen in die eigenen vier Wände, von allerlei Unbill umspült und  immer wieder abtauchend in noch schlimmere Nachrichten dringen unsere Gebete doch zu Gott. Weil wir sie auch gemeinsam sprechen.

Vielleicht gibt es auch jemanden, der sich wohlfühlt in seinem Fischbauch? Der sich geborgen fühlt, bewahrt, denn die Isolation bietet ja auch Schutz. Und so ist auch diese Zeit für Jonah eine, in der er verharren kann, vielleicht ausruhen und nachdenken.

Ansonsten ist Jonah ein Getriebener, einer, der immer auf dem Weg ist, immer in Eile. Zunächst versucht er, der Aufgabe Gottes zu entkommen und hastet zum Hafen und springt auf dieses Schiff und sucht die Weite des Meeres. Hier mag Gott ihn nicht finden, die Meere sind weit und die Schiffe klein.

Nach der Erlösung aus dem Bauch des Fisches muss er nach Ninive eilen, verkünden soll er im Auftrag Gottes den Untergang des Reiches. Und Ninive ist groß und viel Getümmel ist in dieser Stadt und Jonah muss aufmerksam machen auf sich und seine Botschaft.

Und auch der Ostermorgen scheint einer zu sein, an dem viel gelaufen wird. Zuerst hastet Maria Magdalena nach Entdeckung des leeren Grabes zurück zu den Jüngern und berichtet außer Atem von der Wegnahme des Leichnams Jesu. Und dann hasten die Jünger zum Grab um zu schauen. Und einer ist schneller als der andere, am Grab aber hält er inne und lässt Petrus den Vortritt.

Und auch wir sind ständig auf dem Weg. Da ist noch etwas zu erledigen, noch etwas zu besorgen, noch ein Wille in die Tat umzusetzen. Und nun sind wir zwangsgebremst. Aber haben wir auch aufgehört zu laufen und zu eilen? Unsere Gedanken sind längst im Danach angekommen und das alles wieder so wird wie es war und die Wirtschaft soll wieder wirtschaften und die Schulen wieder beschulen und die Konsumenten wieder konsumieren und die Reisenden wieder reisen.

Aber jetzt ist auch die Zeit, wirklich inne zu halten und das Gebet zu sprechen, das Jonah sprach in seiner Verzweiflung. Und zu überlegen, was ich brauche von dem, was ich jetzt nicht hab. Und zu sortieren, vielleicht auch auszusortieren. Und vielleicht auch mal wieder den Jonah zur Hand zu nehmen.

 

-       5. Gebet

Jesus Christus,

das Grab war leer.

Die Leinentücher ordentlich gefaltet.

Und wir hasten um zu schauen.

So oft laufen wir und sind getrieben.

Und haben nicht die Zeit zu sehen.

Zum Sehen bedarf es nicht nur der Augen.

Zum Hören nicht nur der Ohren.

Zum Sprechen nicht nur des Mundes.

Jesus Christus,

gib uns die Ruhe, ruhig zu werden.

Lass uns in Gewissheit verharren an deinem leeren Grab.

Lass uns einmal nicht an das Danach denken, an das Morgen.

Lass unsere Gedanken einmal nicht auf den Nachrichten im Fernseher verweilen.

Lass uns ruhig sein und Kraft schöpfen.

Für das Danach, das Morgen, die Nachrichten.

Auf das wir nicht nur mitmachen, sondern gestalten.

In deinem Namen.

Amen

 

-       6. Vater unser


(„Jona Wort“ von Gerhard Schneider aus Krümmel)

Andacht zu Ostermontag, 13.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Christ ist erstanden“

EG99

99:1 Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

-       3. Evangelium Lukas 24, 13-35

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus. 14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. 15 Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. 17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. 18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk; 20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. 21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. 22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, 23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. 24 Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht. 25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! 26 Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? 27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war. 28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. 29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. 30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. 31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. 32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? 33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; 34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen. 35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach.

 

-       4. Gedanken zum Bibeltext von Stephan Koepke

Manchmal frage ich mich, worum ich Jesus bitten kann in meinen Gebeten. Gerade in diesen Zeiten. Worum bitten Sie Jesus? Um Gesundheit für Ihre Liebsten? Um Kraft für all die, die die Gesellschaft jetzt am Laufen halten? Um Trost für die Einsamen, Verzweifelten?

Und wenn meine Liebsten dann krank werden? Wenn die Verkäuferin im Supermarkt an der Ecke keine Kraft mehr hat, ihr täglichen Aufgaben zu erfüllen? Wenn die Einsamen und Verzweifelten keinen Trost finden? Habe ich dann nicht genug gebetet? Oder hat Jesus mich nicht erhört oder gar versagt?

Jesus ist kein Wunscherfüller, kein Geist aus der Flasche, keiner, der mit dem Finger schnippt.

So viel Hoffnung war eingezogen mit Jesus in Jerusalem. Das Volk der Juden wartete gespannt auf die Errichtung des Königreichs. Und dann endet Jesus am Kreuz.

Aber dies ist eben nicht das Ende. Es gibt ein leeres Grab, Engel, die von der Auferstehung künden. All dies genügt nicht, um zu überzeugen.

Und dann tappern da zwei Enttäuschte nach Emmaus. Sie gehen schnell und diskutieren die ganze Zeit. Was ist da passiert? Haben die Frauen doch recht?

Und dann taucht da noch einer auf. Hat er denn noch nicht gehört von der Kreuzigung? Und dann diese Antwort: „Musste Christus dies nicht alles erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Was sollte dies nun wieder bedeuten?

Am Ende werden die beiden, die da hastig nach Emmaus eilten zu Zeugen der Auferstehung Christi. Aus Zweiflern werden Überzeugte.

Auch ich zweifle oft. Was passiert hier gerade nicht alles. Aber ich bitte Jesus, mir die Kraft zu geben, seine Aufgaben zu erfüllen. Ich bitte ihn darum, ganz bei mir sein zu dürfen. Ich bitte ihn, anderen die Kraft zu schenken, ihr Los und Schicksal zu tragen. Aber auch darum, die Kraft zu finden, Aufgaben, die das Leben für sie bereithält, zu meistern.

Nein, Jesus ist kein Wunscherfüller. Kein Reichtum kündet von meiner tiefgründigen und vollkommenen religiösen Praxis. Der neue Bund, den Gott durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes mit uns schmiedet, ist einer, der uns verbindet mit den Armen und Bedürftigen.

Aber dieser neue Bund ist auch die Hoffnung und Zuversicht. Die Hoffnung darauf, dass ich sein darf, was ich bin. Und die Zuversicht, zu sein was ich bin.

Ich weiß, dass diese Zeit einmal vorbei sein wird. Aber ich weiß auch, dass es meine Aufgabe ist, auch in dieser Zeit nicht nur den Tod und die Verzweiflung zu sehen, sondern sie auch als eine Chance zu begreifen. Eine Chance darauf, bei mir zu sein und gerade zu Ostern auch bei Jesus Christus. Er ist auferstanden, halleluja.

Amen

-       5. Gebet

Jesus Christus,

auch ich gehe oft nach Emmaus.

Enttäuscht bin ich ob deiner Kreuzigung.

Du bist auch nur ein Mensch.

Und dann ist da wieder diese Hoffnung.

Und das leere Grab.

Und die kündenden Engel.

Und du hast es wieder geschafft, dass ich zweifele an meinem Zweifel.

Lass mich weiter zweifeln!

Lass mich zweifeln an Gewissheiten.

Lass mich zweifeln an Wahrheiten.

Lass mich zweifeln an der Aussichtslosigkeit.

Lass mich zweifeln an Verzweiflung und Trostlosigkeit.

Lass mich zweifeln an deinem Tod.

Denn aus Zweifel entsteht Zuversicht.

Halleluja!

Amen

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

 


(„Ostersegen“ von Adolf Wolf)

Andacht am Ostersonntag, 12.4.

-       19 Uhr Glockengeläut der Kirche Biestow, Entzünden der Kerzen

2. Lied „Christ ist erstanden“

EG99

99:1 Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

-       3. Worte zum Bild „Ostersegen“ von Pastorin Asja Garling

Osterbunt ist dein Segen

Groß und leuchtend stehst Du in der Mitte, Jesus, aufrecht wie eine Kerze. Jeden Einzelnen schaust Du an, stehst uns gegenüber, willst er-muntern, schenkst jedem seine eigene Farbe. Aber es gibt keinen Kontakt, weder in Blicken, noch in einer Berührung. Wir können Dich nicht (be-)greifen. Deine Hände empfangen Segen und geben ihn zugleich weiter.

Arme wie Flügel breitest Du über uns allen aus: Über den Fröhlichen, über den Nachdenklichen, über den Einsamen, den Sorgenden, auch über denen, die kritisch sind und über denen, die einfach mal genießen. Über denen, die von Herzen froh singen und sich mitreißen lassen von der Freude anderer. Niemand ist außerhalb deines Schutzes.

Füreinander singen als Dank für unermüdlichen Einsatz, das haben wir in den zurückliegenden Wochen erlebt. Wenn man nicht zusammen-kommen kann, dann wird man erfinderisch und singt von den Balkonen oder spielt in seiner Wohnung, hört aufeinander und stimmt sich mit an-deren ab, so dass es zuletzt trotz Abstand ein harmonischer Klang wird.

Drei Sonnen sind zu entdecken: eine geht unter, eine steht hoch am Himmel und in einer leuchtest Du mit Deinem liebenden Schutz. Welche nehmen wir wahr, wenn es in uns dunkel ist?

Der Weg vor den Häusern spiegelt den Himmel wider. Wir brauchen festen Boden unter den Füßen, gerade jetzt in der Verunsicherung. Wie setzen wir unsere Schritte, welche Richtung nehmen sie?

Lila-rosa leuchtet der Himmel. Manchmal sehen wir alles wie durch eine rosarote Brille, oftmals sehen wir nur schwarz, sind ängstlich und fühlen uns bedroht. Du schaust uns an, bist ein Gegenüber, hältst es aus, wenn wir dir unsere Fragen und Unsicherheiten entgegenwerfen. Deine Umarmung will uns trösten und stärken. Schenke uns Mut, unsere eigene Farbe zu finden und mit dieser Gabe aufrecht zu sein. So malen wir zusammen Gottes Bogen und sind miteinander verbunden.

Amen

-       4. Worte zum Osterfest

Liebe Gemeinde!

„Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!“

Ja, wir feiern Ostern. Dennoch. Trotzdem. In der Angst. Trotz der Krise, von der unsere Welt betroffen ist. Auch wenn uns dieser österliche Gruß in diesem Jahr schwerer über die Lippen kommt...

Das Halleluja klingt vielleicht leiser, nachdenklich oder traurig. Vieles ist in diesen Tagen ungewohnt und anders, es verunsichert und stellt unseren gewohnten Alltag auf den Kopf. Wir sind herausgefordert und wünschen uns Zuversicht, Sicherheit, brauchen Geduld.

Mir ist das Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“ in den Sinn gekommen, darin kommt die ganze Welt zur Ruhe. „Wo bist du, Sonne blieben? Die Nacht hat dich vertrieben.“ Dunkel ist es um den Dichter Paul Gerhard geworden. Er vertraute darauf, dass „ein andre Sonne, mein Jesu, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint.“ Unser öffentliches Leben ist zum Schutz und zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus auch still geworden, hat sich verfinstert. „Breit aus die Flügel beide, o Jesu meine Freude... Dies Kind soll unverletztet sein.“ In dieses Vertrauen möchte ich einstimmen und darauf hoffen, dass das Leben für jedes Menschenkind stärker ist als die Bedrohung. Mag das österliche Licht als heller Schutz in uns hineinscheinen und uns stärken.

Als Gruß bekommen Sie eine Osterpostkarte, die Adolf Wolf (1938-2018) aus Biestow gemalt hat. In alle Farben hat er seinen Pinsel getaucht und die Vielfalt aufgenommen. Ob Sie in der österlichen Zeit etwas von dieser Leuchtkraft entdecken?

Wir wünschen Ihnen gesegnete Ostertage. Seien Sie behütet!

Im Namen der Mitarbeitenden, des Vikars und des Kirchengemeinderates der Kirchengemeinde Biestow

Pastorin Asja Garling

-       5. Gebet zum Ostersonntag aus der Sammlung der VELKD

Noch umgibt uns der Tod.

Aber du bist auferstanden, Christus.

Du bist das Leben und nimmst den Tod die Macht.

Du bist auferstanden und teilst dein Leben mit uns.

Komm mit deinem Leben in diese geplagte Welt.

Teile dein Leben

mit denen, die mit dem Tod ringen.

Teile dein Leben

mit denen, die von der Angst verschlugen werden.

Teile dein Leben

mit den Einsamen,

mit den Verzweifelten,

mit den Geschlagenen.

 

Du bist auferstanden und teilst dein Leben mit uns.

Komm mit deinem Leben in diese geplagte Welt.

Teile dein Leben

mit denen, die sich für andere hingeben.

Teile dein Leben

mit denen, die für dieses Leben kämpfen.

Teile dein Leben

mit denen, die uns lieb sind und nach denen wir uns sehnen.

 

Du bist auferstanden, Christus,

du besiegst den Tod, damit wir leben.

Teile dein Leben mit uns

und lass uns aufleben

heute und in diesen österlichen Tagen.

Noch umgibt uns der Tod,

aber wir beten dich an,

denn du bist das Leben.

Halleluja.

 

Amen.

 

-       6. Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

Andacht am Karsamstag, 11.4.

-       19 Uhr Entzünden der Kerzen

-       2. Lied „Christus, dein Licht“

Christus dein Licht

-       3. Matthäus 27, 57-61

57 Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. 58 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm den geben. 59 Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch 60 und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon. 61 Es waren aber dort Maria Magdalena und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.

 

-       4. Worte zur Osternacht von Pastorin Asja Garling

Taizélieder:

Jesus, dein Licht verklärt unsre Schatten, lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht. Jesus, dein Licht erstrahlt auf der Erde und du sagst uns, auch ihr seid das Licht.

Im Dunkel unsrer Nacht, entzünde das Feuer, das nie mehr verlöscht, das niemals mehr verlöscht.

Dieses Lied wird in Taizé, in Südfrankreich, immer wieder und wieder gesungen, aber nicht nur dort, sondern an vielen Orten der Welt, heute auch bei uns. Wie die Glut in einem Feuer geschürt wird, so schürt dieses Lied die Hoffnung, dass Gottes Liebe weiter brennt, sie ist unauslöschlich.

 

Osterfeuer am Karsamstag

 

Der Karsamstag ist ein stiller Tag. Jesus ist tot, spürbar deutlich ist die Einsamkeit und der Schmerz über den Verlust. Gefühle der Verlassenheit, der Klage, der Trauer, des Kummers stiegen bei denen auf, die ihm nah waren, bei allen, denen er wichtig war. Ausharren und warten - das ist den Freunden Jesu schon immer schwergefallen, erst recht in den letzten Stunden seines Lebens. Wacht doch mit mir, hatte Jesus sie gebeten, aber sie konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten. Jesus betete zu seinem Vater in diesen dunklen Stunden. „Nicht wie ich will, sondern wie du es vorgesehen hast, so geschehe es.“  Wie viel Vertrauen braucht es, diese Worte auszusprechen und Geist und Seele Gott in die Hände zu legen!

Um sich wachzuhalten, wilde Tiere von der Herde fernzuhalten und der Kälte der Nacht zu trotzen, zündeten Hirten Feuer an und hielten abwechselnd Nachtwache.

Jugendliche haben oftmals solche langen Nächte auf sich genommen, haben sich um das Osterfeuer versammelt, haben miteinander gegessen, gesungen, geredet, die ganze Nacht hindurch. Stellvertretend harrten sie aus und erwarteten die Morgenröte, die mit Anbruch eines neuen Tages von der Auferstehung kündet. In diesem Jahr wird es solche Gemeinschaft nicht geben können. Ein Osterfeuer wird im Pfarrgarten dennoch lodern. Im Feuer verbrennt dann alles, was sich angesammelt hat an Totholz, an Resten, an Sorgen hoffentlich auch, an alten Lasten. Es wandelt sich in Wärme und wird zu Asche, mit dem Rauch steigen Bitten und Gedanken auf.

Inmitten unserer Dunkelheit wird ein kleiner Hoffnungsfunke entzündet. Wir besinnen uns auf den Zuspruch Jesu. Hat er nicht gesagt, dass er auferstehen wird? Er wird also dennoch da sein, selbst wenn er nicht körperlich neben uns steht. Wie kann er da sein, auch wenn er nicht sichtbar ist? Das ist schwer zu (be-)greifen. Jesus begleitet uns über seinen Tod hinaus und lässt uns nicht im Dunkel stehen.

Vom Osterfeuer wird die Osterkerze entzündet. Ich werde die Laterne nutzen, in die wir in der Adventszeit das Friedenslicht aus Jerusalem gestellt haben, das Pfadfinder gebracht haben. Dieses Licht aus der Osternacht erleuchtet die Trauer, es bringt Helligkeit in unsere Finsternisse hinein. Es leuchtet von der Auferstehung und von neuem Beginnen, das uns geschenkt wird. Jesus öffnet uns die Augen. Wenn wir auf dieses Licht schauen, fallen die Schatten hinter uns. Lassen wir unsere Herzen davon entzünden und uns äußerlich und innerlich wärmen.

 

-       5. Lied „Im Dunkel unsrer Nacht“

Im Dunkel

-       6. Gebet aus der Sammlung der VELKD

 

Noch ist es dunkel.

Noch sind wir voneinander getrennt.

Noch zeigt der Tod seine finstere Macht.

Doch du machst diese Nacht hell.

Christus, du bist auferstanden.

Du bist das Licht -

unfassbar für uns,

Trost für deine geplagte Welt,

Hoffnung in der Angst.

 

Christus, du Licht –

erbarme dich.

 

Mach es hell für

alle, die mit dem Tod ringen -

die Kranken, die Infizierten,

für alle, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten.

 

Christus, du Licht –

erbarme dich.

 

In dein Licht nimm hinein,

alle, die einsam sterben,

alle, die trauern und

unsere Verstorbenen.

 

Christus, du Licht –

erbarme dich.

 

Mit deinem Licht umstrahle alle,

von denen wir getrennt sind:

unsere Angehörigen,

unsere Freundinnen und Freunde,

unsere Schwestern und Brüder.

 

Christus, du Licht –

erbarme dich.

 

Noch ist es dunkel.

Noch sind wir voneinander getrennt.

Doch du bist auferstanden

und diese Nacht wird enden.

 

Christus - du bist das Licht.

Du lässt uns leben. Halleluja.

Amen.

 

-       7. Vater unser

 

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.













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