An dieser Stelle soll ein "Zeitfenster" geöffnet werden mit einem Rückblick, was unsere Pfarrchronik vor 100 Jahren für erwähnenswert hielt...

 

Präpositus Paul Niemann.

Die nachfolgenden Aufzeichnungen stammen aus der von Präpositus Paul Niemann 1895 begonnenen Biestower Kirchenchronik. Niemann war vom 05.09.1886 bis 1917 Pastor in Biestow. Er verstarb am 13.05.1920 in Lübeck, seine letzte Ruhe hat er auf dem Friedhof in Rensefeld bei Bad Schwartau gefunden.

1895

Laut Zählung befinden sich in der Kirchgemeinde Biestow 1.409 abendmahlsfähige Personen und 580 Kinder

16.07.1895 - Gründung des "Biestower Lehrvereins", seine Aufgabe sollte die Versorgung der Gemeinde mit Literatur sein.

1896

Im Sommer werden Drahtgeflechttüren für die Kirche angeschafft, sie sollen im Frühjahr für den nötigen Luftdurchzug sorgen.

1897

Keine Eintragungen.

1898

02.04.1898 - Regent Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg ordnet an, daß jede Gemeinde eine Pfarrchronik zu führen hat.

Folgende Dörfer sind nach Biestow eingepfarrt:

a. domaniale (herzogliche) Dörfer:
    Biestow, Kritzmow, Papendorf, Schutow, Klein Schwaß
b. dem Hospital zum heiligen Geist zu Rostock gehörige Dörfer:
    Barnstorf, Damerow, Bramow, Kayenmühle, Groß Schwaß, Klein Stove
c. dem Hospital St. Georg zu Rostock gehörige Dörfer:
    Dalwitzhof, Niendorf
d. der Cämmerei Rostock gehörige Dörfer:
    Gragetopshof

Schulhäuser in der Gemeinde:

1. Domanialschulen
a. zu Biestow      sämtliche Schulhäuser in gutem
b. zu Kritzmow    Bauzustand mit genügend großen
c. zu Papendorf   Klassenzimmern, Industrieschulen
d. zu Schutow     überall.

2. Hospitalschulen   
a. zu Barnstorf    Wohnhaus mit Scheune u. Stallungen 
                            unter Strohdach
 b. zu Niendorf     Schulhaus 1895 ganz neu erbaut
 c. zu Gr. Schwaß  Schulhaus 1890 ganz neu erbaut
 d. zu Kl. Stove     Schulhaus 1891 ganz neu erbaut

3. Ritterschaftl. Schule  zu Sildemow    Schulhaus sehr baufällig. Der unver-
                                                             heiratete Lehrer wohnt auf dem Hofe.

Das Pfarrgehöft
...bestehend aus:
a. ein altes, aber sehr geräumiges und gemütliches Wohnhaus
b. ein Viehhaus, der s.g. "lange Stall"
c. eine lange Scheune
d. ein Schweinestall, in welchem sich der Kornboden befindet
e. ein Backhaus, welches der Pächter der Pfarrländereien zu einem lieblichen
    Wohnhaus zurecht gebaut hat und welches der Pächter bei etwaigen Abzuge
    in gleichem Zustand ohne jegliche Entschädigung zurück zulassen hat.

Das Küstergehöft und zwar:

a. ein massives Wohnhaus mit Schul- und Industriezimmer
b. eine Scheune mit den nötigen Stallungen

Pastor ist seit dem 05.09.1886 Paul Niemann
Küster, Organist und Lehrer ist seit Michaelis 1886 Johann Schütt
Juraten (Kirchenvorsteher) sind:
- Hans Boldt, Biestow seit Juli 1886
- Peter Bohm, Niendorf seit Mai 1877
- Carl Bobzien, Kritzmow seit Juli 1894

 07.08.1898 - Fürst Otto von Bismarck gestorben.

Ab Ostern wird an den Domanialschulen das Fach "Mecklenburgische Geschichte" unterrichtet.

1899

Am Gründonnerstag, etwa um 5 Uhr, bricht in Kritzmow im Viehhaus des Erbpächters Bünger Feuer aus. Büngers Viehhaus und Scheune, Büdner Bartens Scheune, sowie die Gehöfte der Erbpächter Kloerss und Bohm brennen völlig nieder.

18. Juni - Es wurde des "Landtages an der Sagsdorfer Brücke" vom 20.06.1549 gedacht.

1900

15. April - 1. Ostertag, während des Gottesdienstes beginnt der hölzerne Kirchturm zu brennen. Er war erst 1899 frisch geteert worden. Durch die Hilfe aller Gottesdienstteilnehmer konnte schlimmeres verhindert werden. Brandursache war eine heruntergefallene Zigarre.

Im Sommer wurde das Dach über dem Altar neu gedeckt, sowie das Dach über dem Schiff neu verlattet und neu gedeckt.

16. Oktober - Verlobung des Herzog Heinrich von Mecklenburg mit Königin Wilhelmine von Holland.

1901

07. Februar - Hochzeit des Herzogs Heinrich von Mecklenburg mit Königin Wilhelmine von Holland.

Baubeginn von Häuslereien und Büdnereien in Kritzmow auf dem ehemaligen Land von Bohm und Pingel.

Müller Kempe aus Biestow verkauft einen Teil seines Landes. Zwischen 1901 - 1903 werden 5 Häuslereien an der linken Seite des Landweges gebaut.

1902

Gutsbesitzer Militz auf Sildemow baut ein neues Wohnhaus und Schulgehöft. Am 26. Oktober wird das Schulzimmer eingeweiht.

25. Dezember - Neue Abendmahlsgeräte werden in Gebrauch genommen.

1903

17. Juni - Im Wohnhaus des Erbpächters Schwarz in Niendorf entsteht ein Feuer, das Haus, Schweinestall und Backhaus werden zerstört.

24. Juni - Gutsbesitzer Sellschopp auf Groß Stove verkauft im Früphjahr sein Gut an den Gutsbesitzer Militz/Sildemow. Militz Schwiegersohn - Pächter Ahrens - zieht nun hier ein.

Ab Mitte Juli setzt unbeständiges Erntewetter ein. Die Ernte konnte erst Mitte/Ende September, stellenweise erst Anfang Oktober beschafft werden. Trotzdem gab es einen relativ guten Ertrag.

Juli - Die Beese`sche Erbpachthufe in Biestow wird an den Gutspächter Aemil Ritter auf der Damerow verkauft. Ritter beabsichtigt eine Parzellierung und Aufsiedlung des Landes.

20. Dezember - Großherzog Friedrich Franz IV. verlobt sich mit Prinzessin Alexandra von Cumberland.

1904

  • 31. Januar - Durch den Superintendenten Dr. Behm findet eine Schulinspektion statt. Am 01.02. werden die Schulen in Papendorf, Niendorf, Klein Stove und Kritzmow und am 02.02. die Schulen in Barnstorf, Schutow und Biestow besucht.
  • In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag Sept. wird in das Pfarrhaus eingebrochen.
  • 30. Mai - Der regierende Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz stirbt.
  • 07. Juni - Vermählung von Großherzog Friedrich Franz IV. mit Prinzessin Alexandra von Cumberland.
  • 01. Juli, Johanni - Die Pachtung der Pfarrhufe geht von Pächter Heinrich Beutin auf seinen Sohn Friedrich über, die Pacht läuft von Johanni 1904 bis Johanni 1925.
  • 04. August - Großherzog Friedrich Franz IV. und Gemahlin halten Einzug in Rostock.
  • 04. September - Verlobung von Herzogin Cecilie von Mecklenburg mit Kronprinz Wilhelm von Preußen in Gelbensande.
  • 24. Oktober - Der Gutspächter von Gragetopshof -Heinrich Beutin- verstirbt, er hatte von Johanni 1868 bis Johanni 1904 die Pfarrhufe in Pacht.
  • 29. November - Der Jurat Hans Boldt aus Biestow verstirbt, er hatte dieses Amt über 31 Jahre inne.
  • Ende des Jahres verkauft Erbpächter Pingel aus Klein Schwaß sein im Dorf gelegenes Erbpachtgehöft als Büdnerei. Er baut außerhalb des Dorfes rechts vom Weg nach Parkentin ein neues Erbpachtgehöft.
  • 1904 und 1905 werden in Biestow rechts am Weg nach Rostock und in Kritzmow an der Satower Chaussee und am Weg nach Klein Stove, sowie in Bramow mehrere Häuslereien und Büdnereien gebaut.

1905

  • 09. April - Großherzog Friedrich Franz IV. schenkt der Schule zu Niendorf anläßlich seines Geburtstages ein Gemälde von sich.
  • 20. April - Jurat Peter Bohm aus Niendorf bittet wegen Krankheit um seine Entlassung. Für Bohm wie auch für Bobzien werden 2 neue Juraten ernannt: Erbpächter Theodor Never aus Niendorf und der Schulze und Erbpächter Hans Schütt aus Groß Schwaß. Sie werden am 20. April in ihr Amt eingeführt.
  • 01. Juni - Die Witwe des Pfarrpächters Beutin, Elise Beutin, stiftet der Kirche eine gestickte Decke für den Taufstein.
  • 06. Juni - Vermählung von Kronprinz Wilhelm von Preußen mit Herzogin Cecilie von Mecklenburg in Berlin.
  • Pastor Niemann wird zum Präpositus des Schwaaner Zirkels berufen.
  • 15. Oktober - Erntedank, der Anstrich des inneren der Kirche und Sakristei werden eingeweiht.
  • 31. Dezember - Küster Schütt, der sein Amt seit Michaelis 1886 inne hat, bat um Pensionierung. Sein Nachfolger als Lehrer wird Lehrer Rausch aus Klingendorf.

1906

Lehrer Tödt aus Barnstorf übernimmt die Vertretung der Schule in Schutow, nachdem der dortige Lehrer Dahl einen Schlaganfall erlitten hat.

29. Mai - In Klein Schwaß bricht im Wohnhaus des Erbpächters Schippmann Feuer aus. Durch starken Wind brennen innerhalb einer ½ Stunde die Gehöfte der Erbpächter Klingenberg, Jürss, Hallier und Krohn. Eine Sammlung in der Gemeinde für die Bediensteten der Brandopfer erbrachte 800 Mark. Alle Erbpächter bauen ihre Gehöfte außerhalb des Dorfes wieder auf.

1907

02. Januar - Am Nachmittag geht die Scheune der Witwe Boldt in Biestow in Flammen auf. Das Feuer griff auf das Pfarrviehhaus über, beide Gebäude brennen bis auf den Grund ab. Trotz des starken Windes waren die Löschspritzen schnell zu Stelle, außerdem waren die Wege mit Eis bedeckt und an diesem Tag setzte Tauwetter und Regen ein, so daß die Strohdächer naß waren und sich das Feuer nicht auf das ganze Dorf ausbreiten konnte.

Im Sommer ließ Witwe Boldt ein neues Viehhaus mit Scheune bauen. Auf Wunsch des Pastors wird das Pfarrviehhaus nicht wieder aufgebaut.

09. Mai - Himmelfahrt, morgens um 5 Uhr zieht ein schweres Gewitter auf, ein Blitz schlägt in das Erbpachtgehöft der Witwe Bohm in Niendorf ein. Das Viehhaus und die Scheune brennen total nieder, außerdem verbrennen Kühe, Schweine und Pferde.
Gleichzeitig schlägt ein Blitz im Küsterhaus ein und entzündet einen Balken am Rauchboden. Das Feuer konnte schnell gelöscht werden.

1908

  • Am 31. Dezember wird Lehrer Schmidt aus Papendorf wegen Trunkenheit der Dienst gekündigt. Den Unterricht übernimmt bis zum Sommer Lehrer Timm aus Niendorf. Bis zum Winter kommt ein Assistent und ab dem 01. Januar 1909 unterrichtet Lehrer Schüler.
  • 07. Juli - Lehrer Dahl aus Schutow stirbt, er hatte 20 Jahre dieses Amt inne. Ab Ostern wird Lehrer Dencker aus Dümmerstürp neuer Lehrer in Schutow.
  • 29. November - Lehrer Schulz aus Sildemow verstirbt. Bis Ostern unterrichtet Hülfslehrer Schwanck.

1909

25. Juli - Witwe Beutin stiftet eine Altarbibel.

Es war ein kalter und nasser Sommer, die Kornernte dauerte vereinzelt noch bis in den Oktober.

1910

21. Juli - Die Frau des Vorgängers -Frau Präpositus Schumann (fast 78 Jahre alt)- verstirbt in München. Am 26. Juli wird sie an der Seite ihres Gatten beerdigt.

Die Zahl der Schulkinder ist in Biestow so angewachsen, daß im Sommer mit dem Bau eines Schulhauses begonnen wurde. Es entstehen 2 Schulräume und eine Wohnung für einen unverheirateten Lehrer.
Anfang November wird der Seminarist Karl Wolters aus Güstrow Hülfslehrer in Biestow.
Im Herbst wird Lehrer Ernst Harder aus Gnewitz zum Lehrer in Sildemow berufen.